Rees: Grundschule: Noch keine Entscheidung

Rees: Grundschule: Noch keine Entscheidung

Wie es mit der alten Grundschule weitergeht, steht erst nach der Sommerpause fest. Grund ist die Waldorf-Initiative, die den Standort nutzen könnte. Diskutiert wurde über die Pläne im Ausschuss trotzdem - mit harten Bandagen.

Wie es mit der alten Grundschule in Rees weitergeht, das wird die Politik erst nach den Sommerferien entscheiden. Eigentlich hätte darüber am Donnerstag der Bauausschuss beraten sollen, bevor dann der Rat entschieden hätte. Doch dazu wird es erst nach den Sommerferien kommen. Denn die in Rees-Grietherort initiierte Waldorf-Initiative Niederrhein-Aue hatte kurz vor der Ausschusssitzung mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Wie berichtet, ist sie auf der Suche nach einem Standort für ihre Schule. Gespräche mit anderen Kommunen hat es bereits gegeben. In Kürze steht jetzt auch ein Termin im Reeser Rathaus an. Bürgermeister Christoph Gerwers schlug deshalb dem Ausschuss vor, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, um die Gespräche mit der Eltern-Initiative abzuwarten. Kämmerer Andreas Mai führte zu einem späteren Zeitpunkt aus: "Sollten die Eltern uns das Gelände abkaufen wollen, wäre das eine Option."

Wie es mit der Grundschule weitergehen kann, wurde dennoch diskutiert. Die Stadtverwaltung hatte Planer Gunnar Ader eingeladen, der sich mit dem Gelände befasst hatte und die Planungen noch einmal vorstellte. Ein Teil des Ensembles soll demnach abgerissen, ein anderer erhalten und unter den Vorgaben des Denkmalschutzes erhalten bleiben. Die mögliche Nutzung käme durch die Haldern Strings, die VHS und die Stadtwerke zustande. Dazu entstünden Baugebiete mit einer Grundstücksgröße von 400 bis 500 Quadratmetern.

Längere Debatten entbrannten um den geplanten Abriss der Turnhalle, die aus den 1960er Jahren stammt. Bürgermeister Gerwers zeigte sich verwundert über die öffentliche Diskussion: "Die Turnhalle ist baulich abgängig, ähnlich wie das alte Stadtarchiv, das aus den gleichen Gründen abgerissen wurde. Im Unterboden befindet sich Schotter, der Risse im Gebäude verursacht hat. Es ist statisch nicht zu retten. Das ist hier immer offen gesagt worden."

Helmut Weser von den Grünen hatte zuvor bezweifelt, ob ein Abriss der Turnhalle wirklich nötig sei oder ob sie nicht als Sporthalle erhalten bleiben und gleichzeitig für andere Zwecke wie Kulturveranstaltungen genutzt werden könne. Gleiches gelte auch für die Schule 2000, die erst im Jahr 1999 gebaut worden sei.

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Zu Turnhalle stellte Gerwers klar: "Die Idee einer Kulturhalle ist reizvoll, aber auch mit viel Naivität verbunden. Wie viele Kleinkunsträume brauchen wir denn noch in Rees?", fragte er und wies darauf hin, dass sich ein Kulturangebot in einer Halle solcher Größenordnung nur schwer realisieren ließe. Neben den baulichen Problemen müsse die Frage des Brandschutzes geklärt werden.

Zudem sei die Halle als Komplettsporthalle, die für die Grundschule benötigt werde, nicht nutzbar. Das bestätigte auch Planer Gunnar Ader: "Sie entspricht weder in ihren Abmessungen noch vom Zustand den heutigen Vorschriften für Sporthallen."

Zur Schule 2000, für die SPD-Fraktionschef Peter Friedmann um ein Nutzungskonzept bat, merkte Bürgermeister Christoph Gerwers an, dass sich das Gebäude als Hemmschuh bei Gesprächen mit möglichen Investoren erwiesen habe. "Als sie hörten, dass dieses Gebäude stehen bleiben soll, haben sie alle den Raum verlassen."

Zu einem Disput kam es zwischen Johannes Beenen (SPD) und Bürgermeister Gerwers. Beenen, der auch Vorsitzender des Kulturausschusses ist, hatte den Vorschlag, in dem früheren Toilettenhäuschen ein Atelier für Künstler einzurichten, kritisiert. Das Häuschen, das entkernt werden soll, sei zu klein und nicht für ein Atelier geeignet. Die Künstler, mit denen er gesprochen habe, wollten dort auch nicht hin. "Allein die Vorstellung, Kunst mit einem Klo in Verbindung zu bringen, ist abschreckend", sagte er. Den Bürgermeister, der Beenens Einlassungen als "Unverschämtheit" bezeichnete, brachte das auf die Palme: "Ich bin fassungslos, so etwas von einem verantwortlichen Ratsmitglied zu hören." Die Stadt habe Reeser Künstlern ein kostenloses Angebot machen wollen, wenn sie es nicht nutzen wollten, dann gäbe es eben nichts.

(RP)