Großer Andrang bei Reeser Azubi-Börse Job4U?

Großer Andrang bei Reeser Jobbörse : Messebesucher bringen Bewerbungen mit

Der Andrang bei der Lehrstellenarena „Job4U?“ war gewaltig. Mehr als 1000 Schüler informierten sich über ihre Traumberufe. Viele nutzten die Gelegenheit auch, um sich selbst vorzustellen.

Irgendwie steckt bei der Bundeswehr der Wurm drin: Flugzeuge, Hubschrauber und das Segelschulschiff Gorch Fock verweigern den Einsatz. Jetzt ist auch noch der blaue Info-Truck defekt, mit dem die Bundeswehr sonst bei der Reeser Lehrstellenarena „Job4U?“ für einen Hingucker sorgte. Ersatzweise stand diesmal ein großer grüner Häcksler vor dem Bürgerhaus. Dass es sich dabei nicht um einen Mähdrescher handelte, wie ihn die Mehrheit der weit über 1000 Besucher nannte, wusste einer ganz genau: Phil Hüsken.

Der junge Mann hatte das landwirtschaftliche Nutzfahrzeug nicht nur zum Marktplatz manövriert, sondern informierte am Stand der Volksbank Emmerich-Rees auch über seine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice. Umgeben von adrett gekleideten Kollegen, die klassische Ausbildungsberufe wie Bankkaufmann/frau oder Informatikkaufmann/frau vorstellten, stand Hüsken in Latzhose für die landwirtschaftlichen Dienstleistungen, die ebenfalls zum Spektrum der Volksbank gehören.

„Die Resonanz ist umwerfend“, sagte der Reeser Wirtschaftsförderer Heinz Streuff erfreut. Denn das Bürgerhaus füllte sich ab 17.30 Uhr schlagartig mit Schülern und deren Eltern. 64 Firmen und Organisatoren stellten bei der 17. Lehrstellenarena mehr als 100 Ausbildungsberufe und Studiengänge vor. „Langsam stoßen wir an die Grenzen der Kapazitäten“, sagte Streuff und ergänzte: „Bei Bedarf können wir die Lehrstellenarena auch auf den VHS-Trakt ausweiten.“ Das Erfolgsrezept sieht Streuff in der Freiwilligkeit. Anders als bei der Premiere, die 2003 im Pädagogischen Zentrum stattfand, sei die „Job4U?“ im Bürgerhaus keine schulische Pflichtveranstaltung mehr und biete auch den Eltern die Möglichkeit, ihre Töchter und Söhne zu begleiten.

Viele Reeser Traditionsbetriebe sowie mit der Region verwurzelte Fabriken und Speditionen, aber auch Banken und Dienstleister nutzten die Gelegenheit, mit künftigen Auszubildenden ins Gespräch zu kommen. Markus Hövelmann, Gesellschafter bei der Spedition Wwe. Theodor Hövelmann, erlebte erstmals, dass Schüler ihm auf der Messe Bewerbungsmappen in die Hand drückten. „Das fördert natürlich den guten ersten Eindruck“, sagte Hövelmann, der unter anderem Ausbildungsplätze für Berufskraftfahrer und Kaufmänner/frauen für Spedition und Logistikdienstleistung anbot. „Wir haben gute Gespräche geführt und viele spezifische Fragen beantwortet“, sagte er.

Auch Architekt Jürgen Terlinden, zugleich Vorsitzender des Wirtschaftsforums Rees, zeigte sich zufrieden. Die Resonanz der Messe sei sehr gut gewesen, auch seine eigene Suche nach künftigen Bauzeichnern sei auf einem vielversprechenden Weg: „Die Baubranche boomt, gute Bauzeichner werden händeringend gesucht.“

Damit deren Zeichnungen umgesetzt werden können, nutzten auch Handwerksbetriebe die „Job4U?“ für die Nachwuchssuche. Die Firma Holzbau Schenk machte den Beruf des Zimmermanns nicht zuletzt mit einem Aushang mit den Verdienstmöglichkeiten schmackhaft: „1. Ausbildungsjahr: 850 Euro, 2. Ausbildungsjahr: 1200 Euro, 3. Ausbildungsjahr: 1475 Euro“. Dennoch befürchtet René Schenk, dass künftig noch mehr Schüler an Universitäten und Berufskollegs drängen werden und das Handwerk meiden: „Viele wissen alles über den Beruf des IT-Kaufmanns, aber gar nicht mehr, was ein Zimmermann macht.“

Auch die Gastronomie steht oft vor dem Problem, junge Leute für sich zu begeistern. „Dabei sind alte Klischees wie lange Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung längst überholt“, betonte Peter Brune, Pächter des Parkhotels Wasserschloss Anholt und Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes.

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