Isselburg: Gib Gas!

Isselburg: Gib Gas!

Am Wochenende findet in Anholt an der Regniet wieder das Tractor Pulling statt. Die Veranstalter erwarten 5000 Zuschauer. 300 Fahrer aus einem internationalen Feld kämpfen um den Sieg mit ihren schweren Maschinen.

1978 war ein Sportjahr. Argentinien wurde Fußball-Weltmeister. Der 1. FC Köln holte das Double aus Meisterschaft und Pokal. Mario Andretti krönte sich zum Formel-1-Weltmeister. Ein anderes Motorsport-Ereignis feierte damals seine Deutschland-Premiere. Unter dem Dach der KLJB Anholt fand am 28. Mai 1978 der erste Trecker-Treck statt. "Ein Jahr zuvor ist der Trend von Amerika nach Holland gekommen, wo es aber nur eine Demonstration gab. Der erste Wettbewerb in Europa fand in Anholt statt", verrät Jan Bernd Peters vom Organisationsteam, das aktuell alle Hände voll zu tun hat, damit das Gelände an der Regniet 4 für das 40-jährige Jubiläum des Motorsport-Spektakels am kommenden Wochenende hergerichtet ist.

"Wir erwarten an den beiden Tagen insgesamt etwa 5000 Zuschauer", berichtet Tobias Paus, dessen Opa Bernhard zu den Gründungsvätern der Anholter Trecker-Treck-Szene gehörte. Bis ins Jahr 2000 wurde durchgehend ein Tractor Pulling in der Regniet durchgeführt. Dann wurde der Aufwand zurückgeschraubt. 13 Jahre gab's es nur einen Bauern-Trecker-Treck. Ab 2014 ist wieder reines Tractor Pulling zu sehen. So drücken am Wochenende in Anholt auf dem 15 Hektar großen Gelände etwa 300 Teilnehmer aufs Gaspedal, die unter anderem aus Luxemburg, Italien oder auch Schweden anreisen.

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Einen eher kürzeren Weg hat Carsten Heisterkamp, für den Anholt so etwas wie ein Heimspiel ist. Der Weseler geht mit seinem Team No Risk No Fun an den Start. "Alle Trecker, die in Anholt zu sehen sind, sind reine Sportgeräte. Da hat keiner eine Straßenzulassung von", so Heisterkamp. "Es ist auch ein Klischee, dass da größtenteils Landwirte an den Start gehen würden. Ganz im Gegenteil. Die meisten haben Berufe, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben." Der Weseler fährt einen Trecker aus der Klasse Mini, der mit einer Leistung von bis zu 2500 PS zu den stärksten Vertretern seiner Art in Europa zählt. Der klassische Motorsport-Spruch von Fahrern mit Benzin im Blut ist beim Tractor Pulling übrigens falsch. Denn die mit Flugzeugmotoren, Turbinen, Panzerantrieben oder Dragster-V8-Rennaggregaten angetriebenen Geräte werden mit Methanol betankt. "Ich brauche für 100 Meter ungefähr 15 Liter Methanol", erläutert Heisterkamp. "Beim Pulling gibt's halt kein Halb- oder Viertelgas. Da ist immer wortwörtlich Vollgas angesagt."

Für ein Highlight in diesem Jahr dürfte der Four No Hemi aus Italien sorgen. Der mit vier V8-Rennmotoren angetriebene Traktor brennt in etwa 10 000 PS in die Lehmbahn. Aber auch Nostalgiefans kommen in Anholt auf ihre Kosten. Der Museums Gigant von Eugen Kiemele aus dem Allgäu hat ebenfalls 40 Jahre auf dem Buckel und konnte in den 80er-Jahren etliche deutsche und europäische Meistertitel einfahren. Apropos Titel. Auch in Anholt geht es nicht nur um die gute Show. Denn das Tractor Pulling in Anholt ist ein offizieller Lauf zur Deutschen Meisterschaft. "Das Interesse am Pulling hat in der jüngeren Vergangenheit wieder zugenommen", sagt Peters. "Aber noch sind die Holländer führend, das liegt aber auch daran, dass dort die Veranstaltungen im Fernsehen übertragen werden."

(tt)
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