Geschichtsverein Ressa berichtet über Reeser Original Hugo Bentrup

Geschichtsverein Ressa : Vortrag über „Jan Paris“: Aus dem Leben eines Reeser Originals

In einem unterhaltsamen Vortrag berichtete Heinz Belting über das Leben Hugo Bentrups. Beim Publikum im Kolpinghaus kamen dabei Erinnerungen an weitere Reeser Originale wie Hanne Hommen, Bubi Bücher oder Pitter Pätsch auf.

 Seit bekannt wurde, dass Heinz Belting einen Vortrag über Hugo Entrup halten würde, teilten sich die Reeser in zwei Lager: Zum einen die „alten Reeser“, die sofort ins Schwärmen gerieten: „Ach, Jan Paris!“ Zum anderen die Jüngeren und die Zugezogenen, die fragten: „Hugo Wer?“ Heinz Belting, Mitglied im Reeser Geschichtsverein, war angetreten, um das „Wer?“ auszuräumen. Anhand vieler Presseartikel und Notizen, die der freie Journalist und Lebenskünstler Hugo Entrup (1903 bis 1989) geschrieben hatte, rekonstruierte Heinz Belting vor 50 Zuhörern im Kolpinghaus insbesondere die Kindheit und Jugend des Reeser Originals.

„Mein Vater, Franz Belting, wurde geboren am 12. August 1903. Hugo Entrup kam genau einen Monat später, am 12. September 1903, zur Welt“, leitete Heinz Belting seinen Bildervortrag ein. „Beide gingen gemeinsam in den Kindergarten, auf die Volksschule und auf das Progymnasium. Sie blieben Freunde ein Leben lang.“ Als Hugo Entrup am 18. Dezember 1989 starb, erinnerte sich Heinz Belting an etliche Zettelkästen, die er mal in Entrups Wohnung in der Apostelstiftung gesehen hatte und die mit Aufschriften wie „Anekdoten“ oder „für die Presse“ versehen waren. Eine Nachfrage bei der Hausverwalterin Maria Schertes ergab, dass alle Dokumente entsorgt werden sollten. Da schlug Heinz Belting zu, übertrug die oft kaum lesbaren Texte in Reinschrift und übergab die Originale dem Stadtarchiv.

„Mir ist viel daran gelegen, die Erinnerung an diesen besonderen Mann wachzuhalten“, betonte Heinz Belting. „Wenn er für die Zeitungen schrieb, protokollierte er nicht einfach nur das Geschehen, sondern lieferte oft auch einen geschichtlichen Abriss mit seinen eigenen Erinnerungen.“

Hugo Entrup wuchs in der Rünkelstraße, Ecke Miststraße auf, wo seine Eltern einen kleinen Bauernhof inmitten der Wohnhäuser betrieben. Im Kindergarten, den Schwestern des Aspeler Ordens in der Neustraße führten, und in der Volksschule in der Fallstraße kam  er in seinem direkten Umfeld auch mit Kinderarmut, Kinderarbeit und Prügelstrafen in Berührung. Hugo Entrup und sein älterer Bruder Max waren jedoch recht privilegiert und besuchten das Progymnasium am Stadtgarten. Der Höhepunkt jeden Jahres war die Kirmes, die Hugo Entrup später in allen Einzelheiten beschrieb: vom „billigen Jakob“ und der Waffelbäckerei Rissart über die große Kirmesorgel und den türkischem Honig bis zum  Kinozelt und „Buuremäärt“.

„Ich habe nur wenige Anhaltspunkte gefunden, wie es nach seiner Jugend weiterging“, räumte Heinz Belting ein. „Es wäre schön, wenn sich jemand erinnern könnte, um diese Lücke zu schließen: Hat er eine Lehre gemacht? Hatte er einen festen Beruf?“ Bekannt ist nur, dass er ein Jahr in Frankreich verbrachte und seither in Rees den Spitznamen „Jan Paris“ trug, dass er im Zweiten Weltkrieg in Russland verwundet wurde und dass er, neben seiner freien Mitarbeit für Reeser Zeitungen, auch Studienfahrten für den Veranstalter Dr. Tigges leitete.Da aus Entrups Leben kaum Fotos existieren, illustrierte Heinz Belting seinen Vortrag mit historischen Postkarten aus seiner privaten Sammlung und alten Fotos aus dem Stadtarchiv, um das Publikum in das erste Drittel des letzten Jahrhunderts zurückzuversetzen. Auch die Anekdoten aus dem Reeser Alltagsleben, die Entrup aufgeschrieben hatte und die Belting nun „op Platt“ wiedergab, riefen bei vielen Zuhörern Erinnerung an Originale wie Hanne Hommen, Pitter Pätsch und Bubi Bücher wach.

(Michael Scholten )