Rees: Geschenke bereichern Reeser Archiv

Rees : Geschenke bereichern Reeser Archiv

Tina Oostendorp hat während ihrer Zeit als Stadtarchivarin viele Geschenke aus dem In- und Ausland erhalten. Ob Postkarten, Porzellan oder Stempel - sie alle stehen für einen Teil der Reeser Geschichte.

Früher war alles einfacher. Das sagt sich so leicht. Aber manchmal stimmt es auch. Beispiel Zinsen. Fünf Prozent Zinsen garantierte die Spar- und Kreditbank Millingen, Isselburg, Anholt in den Wirtschaftswunderjahren ihren Kunden. Das lässt sich an einem kuriosen Werbegeschenk der Bank, einem Lineal, ablesen. Denn damit konnte man nicht nur messen, sondern mit Hilfe einer zweiten Skala auch ablesen, wie viel Zinsen und Zinseszinsen es brachte, wenn man fünf D-Mark monatlich zurücklegte. Nach sieben Jahren genau 501,19 und nach 30 Jahren 4089,40 D-Mark. Dieses Lineal hat Stadtarchivarin Tina Oostendorp jüngst geschenkt bekommen.

Foto: Scholten Michael

Und nicht nur das. Eine Sammeltasse mit Blumenmuster und Goldrand sowie ein kleines Milchkännchen, gespendet von Ludger Dahmen, der es zuvor bei Ebay ersteigert hatte, stehen seit dem Tag der offenen Tür des Archivs in der Glasvitrine im Eingang. "Hergestellt wurde das Porzellan in Rees", sagt Tina Oostendorp und deutet auf einen Stempel unterhalb der Tasse. Dort ist eine grüne Ähre aufgedruckt, darunter ist "Niederrhein Rees" zu lesen. "Gefertigt wurden die Teile bei der Porzellanfabrik Niederrhein GmbH mit Sitz an der Weseler Straße", weiß die Archivarin. 1955 hatte diese ihren Betrieb aufgenommen, 1957 schon ging das Unternehmen in die Firma Jasba über, die sich zuletzt auf Baukeramik spezialisiert hatte.

"Ich freue mich sehr über solche Geschenke fürs Archiv", sagt Tina Oostendorp. "Irgendwann", da ist sie sich ganz sicher, "werden sich diese Gegenstände in einer Ausstellung wiederfinden". Daher wird alles, dass sich mit Reeser Historie beschäftigt, in einem speziellen Computerprogramm erfasst und verschlagwortet, so dass es bei Bedarf schnell gefunden werden kann. Auch schreibt die Archivarin dazu, wer es ihr mitgebracht hat. Möglicherweise gibt es ja noch mal Nachfragen, wenn die entsprechende Ausstellung ansteht.

Ganz besonders gefreut hat sie sich über eine Steingut-Flasche der Brauerei W. Hendrix aus Rees. "Ein ganz besonderes Stück", weiß Tina Oostendorp. "Wenn es mal eine Ausstellung über Handel und Gewerbe in der Stadt Rees geben sollte, gehört die Flasche natürlich zu den Exponaten", sagt sie. Heinz Wellmann baut diese Flasche übrigens - als Foto - in seine Bierführungen ein, die er als Paul Laner gibt, ein.

Wenn sie durch ihre Bildergalerie mit Geschenken durchs digitale Archiv klickt, offenbaren sich auch verschiedene Aspekte der Reeser Gesichte, sei es nun wie im Falle von Sammeltasse, Steingutflache und Oldenkott-Pfeifen die Geschichte Reeser Unternehmen. Dazu zählt auch eine Adventsschale aus Keramik, gefertigt bei der Jasba, die Raum lässt für vier Kerzen sowie Wasserschälchen für Grün.

Tina Oostendorp hat auch stets ein Auge darauf, wenn Änderungen anstehen, etwas zu Geschichte wird. Beispielsweise bei der Schließung der Anne-Frank-Schule hat sie sich die Stempel der Schule gesichert. Als sie an Silvester mit Nachbarn zum Jahreswechsel eine Flasche Sekt leerte, nahm sie die Flasche mit. "Steht schließlich Bezugs- und Absatzgenossenschaft e.G. Rees-Bislich drauf", sagt sie.

Auch aus dem Ausland kommen historisch wertvolle Dinge. Der Reeser Bürger Gideon Marcus, der das Nazi-Regime überlebte und in Tel Aviv ein neues Zuhause fand, schickte 1999 einige Postkarten aus der Vorkriegszeit mit Ansichten von Rees. "Die kannte ich als Fotografien, wir hatten sie aber noch nicht im Original", sagt Tina Oostendorp.

(rau)