Generationswechsel bei FlicFlac vor Auftritt in Isselburg

Zirkus : Generationswechsel bei FlicFlac

Die Töchter von Benno Kastein haben das Tournee-Geschäft von ihrem Vater übernommen. Vom 16. bis 26. Mai kommt der spektakuläre Zirkus in die Heimat nach Bocholt.

Es gibt da diese verklärte romantische Vorstellung. Ein Zirkus ist ein großer, kunterbunter Familienbetrieb, wo der Vater der Direktor ist, die Kinder schon in jungen Jahren mit in der Manege stehen und alle anpacken, damit der Laden läuft. Und offenbar ist irgendwas dran an diesem Klischee, denn auch ein Mega-Betrieb wie Flic Flac wäre ohne die enge familiäre Bindung kaum denkbar. Die beiden Brüder Benno und Lothar Kastein aus Isselburg legten gemeinsam mit ihren Frauen Scarlett und Gabi den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Rock-Zirkus.

Benno ist immer noch so etwas wie die Seele des Unternehmens, der Ideengeber für die Show. Doch inzwischen hat ein Generationenwechsel eingesetzt. Larissa Medved-Kastein hat gemeinsam mit ihrer Schwester Tatjana Kastein am 1. März das Tournee-Geschäft von ihrem Vater übernommen. Larissa ist für die Auswahl der Künstler sowie die künstlerische Leitung der Tour zuständig, ihre Schwester kümmert sich um Personal, Finanzen und Verwaltung. Benno Kastein ist jetzt für die Organisation der Weihnachts- und Sondershows verantwortlich.

Zum Programm des Zirkus gehören auch die halsbrecherischen Motorrad-Nummern. Foto: Flic Flac

Und bald schon kommt die Flic-Flac-Maschinerie nach Bocholt, quasi in die Heimat, und die hat für Benno Kastein immer noch eine besondere Bedeutung, wie er immer wieder betont hat. „Zu Isselburg und Bocholt gibt es nach wie vor eine enge Verbindung: aus privaten wie beruflichen Gründen“, sagt er. „Heimat ist für mich der Ort, wo meine Familie und Freunde leben, und auch immer ein Stück weit da, wo das Flic-Flac-Zelt steht.“ Heimat ist eben Isselburg, denn dort wurde die Idee zu Flic Flac geboren, als Benno Kastein mit seinem Bruder auszog, um die Zirkuswelt zu verändern.

Die Seele des Unternehmens, Benno Kastein. Foto: lewin/Jochen Lewin

Mit Bocholt hatte Kastein eigentlich gebrochen, nachdem es vor einigen Jahren Querelen wegen der Werbeplakate gab. Doch inzwischen hat er seinen Frieden mit der Heimat gemacht. Auch wegen seiner Töchter, deren ausdrücklicher Wunsch es war, auch wieder in Bocholt aufzutreten. Es sei etwas ganz Besonderes, in der Heimat zu gastieren. „Wenn das Feedback der Besucher dort gut ist, gibt uns das ein schönes Gefühl“, so die beiden Schwestern, denen es auch sehr wichtig ist, gerade Bocholt mit den Flic-Flac-Shows zu begeistern.

Die Schwestern sind mit dem Zirkus aufgewachsen. Unterrichtet wurden sie von einem Privatlehrer in einem Schulwagen, der immer mitreiste. Doch nicht nur künstlerisches, sondern auch handwerkliches Talent ist bei dem Zirkus gefragt. Alle paar Wochen muss eine funktionierende Kleinstadt mit Wohnwagen, mobilen WCs, Duschen, Strom- und Wasserversorgung, Abwasserleitungen, einem Zaun und natürlich dem Hauptzelt sowie dem Vor- und Backstage-Zelt auf- und abgebaut werden. Und damit das 42 Meter breite und 18 Meter hohe Hauptzelt auch orkanartigen Böen standhalten kann, werden 500 Anker zur Befestigung mit Presslufthämmern in den Boden getrieben.

Für ein Privatleben finden die beiden Zirkus-Chefinnen trotz des anstrengenden Jobs Zeit. Tatjana Kastein hat eine dreijährige Tochter (Fiona). Larissa Medved-Kastein eine zweijährige (Isabella). Die Schwestern standen bis zur Geburt ihrer Töchter als Artistinnen auf der Bühne. „Das Schöne in unserem Beruf ist, wir sind flexibel und wir sind immer zusammen mit unseren Kindern und unserer Familie.“ Da passt es, dass Tatjanas Lebensgefährte Ondrej Zaruba ebenfalls zur Artisten-Truppe gehört. Er ist bei den halsbrecherischen Motocross-Nummern in der Show zu sehen. Eine echte Zirkusfamilie eben.

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