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Gastronomen in Emmerich und Rees bangen um die Zukunft

Corona und die Folgen : Gastronomen bangen um Zukunft

Nachdem feststeht, dass Lokale auch weiterhin geschlossen blieben müssen, fordert die Dehoga ein Rettungspaket. Selbst bei Lockerungen werden viele Gastwirte noch große Probleme haben, ist sich der Branchenverband sicher.

Seit 190 Jahren gibt es in Emmerich die Gaststätte „Zum Raben“. Das Lokal hatte selbst in schlimmsten Hochwasserzeiten und auch während des Zweiten Weltkriegs geöffnet. Bis es zerbombt wurde. Aber auch das hat es überstanden. Es wurde wieder aufgebaut, ist bis heute die Emmericher Traditionskneipe. Jetzt ist sie bereits seit über fünf Wochen wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Und das wird auch laut Beschluss von Bund und Ländern vorerst weiter so bleiben. Wie lange noch Wirt Horst Welling, der das Lokal seit 20 Jahren mit seiner Frau Angelika betreibt, ohne Gäste durchhalten muss, weiß der 60-Jährige nicht. „Bis Mitte Mai wäre es noch einigermaßen erträglich, danach wird es hart“, sagt er.

Welling hat finanzielle Unterstützung erhalten, doch die wird nicht lange reichen, um die Verluste auszugleichen. Jetzt versucht er, die laufenden Kosten zu drücken, hat seine beiden festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, vier 450-Euro-Kräfte musste er entlassen.

So wie Horst Welling geht es im Moment allen Gastronomen im Land. Sie waren die ersten, die schließen mussten, und werden vermutlich die letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Nicht wenige bangen deshalb um ihre Zukunft. Dass es fürs Gastgewerbe vorerst keine Lockerungen gibt, hat die Branche hart getroffen. „Die Enttäuschung ist riesengroß, weil wir dringend einen Termin gebraucht hätten. Einen Termin, auf den wir hinarbeiten und -leben können. Neben der wirtschaftlichen verschlechtert sich damit auch die emotionale Situation in den Betrieben von Tag zu Tag. Wir wollen raus aus der Passivität in die Aktivität, wir wollen wieder für unsere Gäste da sein“, stellt Bernd Niemeier, Präsident des Verbandes Dehoga Nordrhein-Westfalen, fest.

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Er fordert für die Branche ein eigenes Rettungspaket und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz, wie er jetzt im Liefer- und Abholgeschäft schon gilt, und betont: „Kein Unternehmen kann Umsatzeinbußen von fast 100 Prozent über einen längeren Zeitraum verkraften.“

An der Emmericher Rheinpromenade wird das Problem besonders sichtbar. Hier, wo bei schönem Wetter kaum ein freier Tisch zu bekommen ist, herrscht momentan gähnende Leere. Etliche Gastronomen in Emmerich bieten mittlerweile einen Außer-Haus-Service an. Liefern Gerichte auf Bestellung oder haben es in Kürze vor. Wie Jens Himmer („Himmer’s Bisto 852“), der ab Freitag drei Tage in der Woche zu bestimmten Zeiten Essen auf Bestellung anbietet.

Die Verluste, die die Gastronomen derzeit haben, kann all das natürlich nicht auffangen. Für Wirt Horst Welling wäre das ohnehin keine Alternative. Er ist zwar für seine leckeren Frikadellen und Schnitzel bekannt, sagt aber: „Damit brauche ich erst gar nicht anzufangen.“ Sein Hauptgeschäft ist der Thekenbetrieb. Und der muss momentan ruhen.

Thorsten Hellwig, Sprecher der Dehoga Nordrhein, geht davon aus, dass es selbst bei einer Lockerung der Corona-Vorschriften viele Gastronomen noch schwer haben werden. „Es wird ja weiterhin verschärfte Hygiene- und Abstandregelungen geben. Das heißt zum Beispiel, dass in einem Lokal mit 100 Plätzen nur 50 besetzt werden können. In kleinen Lokalen oder am Thekenbetrieb lässt sich das möglicherweise gar nicht umsetzen. Außerdem werden auch die Gäste verunsichert sein. Die Umsätze sind dann bestimmt noch nicht die alten“, ist sich Hellwig sicher.

Es seien vor allem diese schlechten Perspektiven, die bei vielen Gastronomen Hilflosigkeit und blanke Existenzangst verursachten. „Wenn gewollt ist, dass die gesunden Betriebe überleben, muss es Hilfen für die Branche geben“, sagt Dehoga-Sprecher Hellwig.

Die beschriebenen Zukunftsängste kennt Horst Welling auch. Aus der momentanen Krise nimmt der Emmericher Wirt allerdings auch etwas Positives mit: „Viele Gäste haben uns Nachrichten geschickt, sich erkundigt, wie es uns geht und uns Durchhaltevermögen gewünscht. Das ist zur Abwechslung mal etwas Schönes in diesen Tagen.“