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Fußballprofi Robin Gosens aus Elten hoftt auf Champions League im August

Interview mit Robin Gosens : „Es ist fernab der Realität“

Der Eltener Fußballprofi spricht im Interview mit der Rheinischen Post über die andauernde Corona-Krise, den Trainingsauftakt bei Atalanta Bergamo in Italien und sein geplatztes Debüt im deutschen Nationalteam.

Robin Gosens hat in dieser Saison schon viel erreicht. Der Fußball-Profi, der bei Atalanta Bergamo spielt, nimmt mit seinem Club in der aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochenen Serie A Platz vier ein. In der Champions-League steht das Team aus der Lombardei im Viertelfinale. Der junge Eltener hat maßgeblichen Anteil am Aufschwung von Atalanta. Er wird in Italien als bester Linksverteidiger der Liga gehandelt. In seinen 30 Begegnung, die er in dieser Saison wettbewerbsübergreifend absolvierte, erzielte der 25-Jährige acht Treffer und lieferte fünf Assists ab. Eine Bilanz, die kein anderer Flügelspieler aus den fünf europäischen Topligen vorweisen kann. Seit einer Woche ist Gosens mit seiner Mannschaft wieder im Training.

Herr Gosens, wie geht es Ihnen und Ihrer Freundin Rabea in Bergamo? Immerhin war Bergamo lange Zeit das Corona-Epizentrum Europas.

Robin Gosens Wir sind gesund. Aber es war fürchterlich, was hier passiert ist. Es war an Traurigkeit nicht zu überbieten. Mittlerweile sind die Krankenhäuser nicht mehr überfüllt und die Lage beruhigt sich etwas. Es ist zwar noch etwas chaotisch, doch es geht aufwärts. Seit dem 12. März ist der Spiel- und Übungsbetrieb in der Serie A eingestellt.

Wie hat sich die erste Trainingswoche angefühlt?

Gosens Irgendwie war es schon komisch. Wir Spieler haben uns nur aus einer gewissen Entfernung gesehen. Man konnte sich nicht vernünftig begrüßen, alle waren auf Abstand bedacht.

Wie muss man sich solch ein Training vorstellen?

Gosens Ganz absurd! Es ist fernab der Realität. Es wird nur individuell trainiert. Pass- und Torschussübungen gibt es überhaupt nicht. Nach jedem Dribbling wird der Ball desinfiziert. Und unsere Betreuer tragen auf dem Feld Masken.

Gibt es für die Fortsetzung der Saison schon einen Termin?

Gosens Nein! Am 18. Mai soll das Mannschaftstraining wieder aufgenommen werden. Dabei sind die Termine für die noch zwölf auszutragenden Partien vollkommen offen. In dieser Woche will der Verband aber noch einige richtungsweisenden Entscheidungen treffen.

Wie gehen Sie in die Spiele? Haben sie nicht Angst, sich zu infizieren?

Gosens Angst würde ich es nicht nennen. Aber ein gewisses Unwohlsein ist auf jeden Fall dabei. Man darf auch nicht vergessen, dass wir acht Wochen in Quarantäne zu Hause verbracht haben und uns nicht auf die Spiele vorbereiten konnten. Ich habe einen riesengroßen Respekt vor dem, was uns erwartet.

In der Champions-League stehen sie mit Atalanta im Viertelfinale. Wie geht es hier weiter?

Gosens Es gibt noch keine finale Lösung. Die UEFA möchte, dass die einzelnen Ligen in den Ländern ihr Programm erst abgespult haben. Kann sein, dass es in der Champions-League im August weiter geht.

Das Corona-Virus hat Ihr bevorstehendes Debüt in der Nationalelf ausgebremst. Was erwarten Sie?

Gosens Ich weiß, dass ich ganz nah dran bin und das der Einsatz nur aufgeschoben ist. Es gab in der letzten Zeit aber deutlich wichtigere Sachen zu klären.

Ihr Vertrag mit Atalanta Bergamo läuft noch bis 2022. Etliche Clubs mit großen Namen wie der FC Chelsea, Leicester City, Olympique Lyon und Inter Mailand sollen um Sie buhlen. Wie sind die Gerüchte zu bewerten?

Gosens Ich weiß, dass ich in dieser Saison vieles richtig gemacht habe und als linker Flügelmann einer eher seltenen Art von Spezies angehöre, die von etlichen Clubs gesucht wird.

Konkretes gibt es also noch nicht?

Gosens Nein. Natürlich gibt es Gespräche. Jeder weiß, dass ich bereit bin, den nächsten Schritt zu machen. Andererseits bin ich mit Atalanta Bergamo auch bei einem Topclub unter Vertrag, der ganz klar wieder die Champions-League im Visier hat.