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Fruchtgummi mit Cannabis: Rentnerpaar aus Haldern setzt sich unwissentlich unter Drogen

Mitbringsel aus den Niederlanden : „High“ durch Fruchtgummi

Ein Rentner aus Haldern hat sich und seine Frau unwissentlich unter Drogen gesetzt. Er hatte in Dinxperlo eine Probe-Packung mit Fruchtgummi erhalten. Was er nicht wusste: Die Pfirsich-Ringe waren ein Cannabis-Produkt.

Eigentlich hatte Helmut A. (Name von der Redaktion geändert) schon gar nicht mehr an die Packung gedacht, die seit Wochen auf dem Rücksitz seines Autos lag. Doch vor kurzem fiel dem Rentner aus Haldern das, wie er dachte, leckere Naschwerk wieder in die Hände, das er bei einem Einkauf im niederländischen Dinxperlo erhalten hatte. Dort, neben dem Ausgang einer Apotheke, war ihm ein kleines Tütchen mit acht Fruchtgummi-Ringen zur kostenlosen Mitnahme angeboten worden. Der Rentner griff zu und nahm die Packung mit nach Hause.

„Ich habe da gar nicht großartig drüber nachgedacht. Für mich war das eine Probierpackung mit Süßigkeiten, wie man sie ja schon häufiger mal angeboten bekommt. Da stand Pfirsich-Ringe auf Englisch drauf und die sahen auch aus, wie die Pfirisch-Ringe, die man bei uns so kaufen kann“, sagt er heute. Doch was er tatsächlich erhalten hatte, sollte er erst Wochen später erfahren, als er das Tütchen, das schon längst in Vergessenheit geraten war, in seinem Auto wiederfand und es sich gemeinsam mit seiner Frau schmecken ließ.

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Einen Unterschied zu normalem Fruchtgummi hatten die beiden zunächst nicht bemerkt. Erst mit einiger Verzögerung: „Uns ging es danach wirklich sehr schlecht. Es war, als würde ich alles durch eine Nebelwand wahrnehmen“, erzählt der Halderner, der ebenso wie seine Frau unter anderem unter starken Schwindelgefühlen und Unwohlsein litt. „Drei Tage haben wir die Nachwirkungen noch gespürt“, erzählt der Rentner, dem sofort klar war, dass die Beschwerden irgendwie mit den Pfirsich-Ringen zusammenhängen mussten. Als er sich die Packung einmal genauer anschaute, wusste er auch, warum. Das Paar hatte unwissentlich ein Cannabis-Produkt zu sich genommen. Die Pfirsich-Ringe waren mit dem Wirkstoff THC getränkt. Er hatte fünf davon verzehrt, seine Frau drei.

Laut Packung enthielt ein Pfirsich-Ring 50 Milligramm THC. „Das entspricht der maximalen Menge dessen, was Patienten, denen THC-haltige Präparate verschrieben werden, am Tag zu sich nehmen dürfen“, weiß der Sprecher der Apotheker im Kreis Kleve, Ulrich Schlotmann. THC-Präparate werden unter anderem Menschen verschrieben, die sich gerade in einer Chemotherapie befinden oder an Multiple Sklerose erkrankt sind. Die Präparate sind verschreibungspflichtig und müssen von den Krankenkassen genehmigt werden. „Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn andere Mittel nicht weiterhelfen“, erklärt Schlootmann.

Der Halderner Rentner hatte also das Fünffache der Menge an THC zu sich genommen, die normalerweise maximal an Patienten verabreicht wird, seine Frau das Dreifache. „Das ist mit Sicherheit nicht ungefährlich“, sagt Ulrich Schlootmann, „vor allen Dingen für ältere Menschen.“ Zu den Nebenwirkungen von THC-Präparaten gehören unter anderem erhöhte Herzfrequenz,  Schwindelgefühle, Benommenheit oder beeinträchtigtes Reaktionsvermögen. „Für Menschen, die nicht darauf eingestellt sind, kann die Ersteinnahme ohnehin stärkere Auswirkungen haben. Dazu kommen auch noch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Präparaten“, erklärt der Apotheker aus Goch, der nicht nachvollziehen kann, dass dem Halderner eine solche Packung einfach so in die Hand gedrückt wurde.

„Bedenklich“ findet das auch das Zollfahndungsamt in Essen. Dort sind solche Cannabis-Produkte, die im englischen Sprachraum „Edgibels“ genannt werden, nicht unbekannt. „Es gibt sie in vielfacher Form, zum Beispiel auch als Säfte“, teilte ein Sprecher der RP auf Anfrage mit. Die meisten dieser Produkte sind in den Niederlanden frei verkäuflich. Der Besitz ist auch für Deutsche nicht verboten, allerdings die Einfuhr. Unterschieden wird nach geringen und nicht geringen Mengen. Die geringe Menge umfasst höchstens drei Konsumeinheiten, die zum Herbeiführen eines Rausches geeignet sind. Das entspreche etwa 15 Milligramm THC.  „Wäre der Mann auf seiner Rückreise nach Deutschland mit der Tüte im Auto erwischt worden, hätte er auf jeden Fall Probleme bekommen“, erklärt der Sprecher. Wahrscheinlich wäre ein Verfahren gewesen, das aber, sofern der Mann nicht vorbestraft ist, gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden wäre.

Helmut A. ist auf jeden Fall froh, dass die Sache trotz aller Beschwerden noch relativ glimpflich ausging. Jetzt möchte er vor allem andere davor warnen: „Ich bin bestimmt nicht der einzige, der nicht wusste, dass es Fruchtgummi gibt, das mit Drogen versetzt ist. Eigentlich wollte ich das Tütchen an Kinder verschenken. Nicht auszudenken, was dann hätte passieren können“, sagt der Halderner.