Freispruch wegen Verwechslung bei Prozess gegen Niederländer in Emmerich

Prozess : Verwechslung: Freispruch für Angeklagten

Ein Niederländer wurde wegen identischer Personalien beschuldigt, einen Bagger gestohlen zu haben.

(rey) Das passiert auch nicht alle Tage: Wegen schweren Diebstahls musste sich ein 43-jährige Niederländer jetzt vor dem Amtsgericht in Emmerich verantworten. Doch noch vor Sitzungsbeginn kristallisierte sich heraus, dass es ein Problem geben könnte. Denn der Angeklagte hatte, obwohl er genau so heißt wie der Beschuldigte, schon durch die Anwältin im Vorfeld klar gemacht: „Ich bin das nicht!“ Er wurde auch später auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen.

Laut Anklageschrift, verlesen durch den Staatsanwalt, soll der Angeklagte, ein Techniker in der Petrochemischen Industrie, am 27. April 2016 um 0.40 Uhr in Emmerich von einem unbebauten Grundstück einen Bagger gestohlen haben. Wert des Gefährts: etwa 130.000 Euro. Mit dem Diebesgut soll der Angeklagte dann bis in die Niederlande gefahren sein. Gleich vier Zeugen hatte das Gericht zum Verfahren geladen. Und eben den Angeklagten. Denn ein Zeuge in den Niederlanden, in dessen Wohnort-Nähe der Bagger entdeckt worden war, hatte den Namen des Diebes den Behörden mitgeteilt. An der Adresse in den Niederlanden war er aber nicht angetroffen worden. Wohl aber bei dem jetzt Angeklagten glaubten sie die richtige Person gefunden zu habe: gleicher Name, gleiches Geburtsdatum.

„Ich bin das nicht. Die Anklage ist falsch. Hier geht’s um Identitätsbetrug“, stellte der gebürtige Rotterdamer, der dort in der Nähe auch wohnt, über die eigens angereiste Dolmetscherin ziemlich entspannt wirkend klar. Und er hatte die Wahrheit gesagt, wie sich immer mehr herausstellte. Denn anhand seines Ausweises und von Lichtbildern des Mannes, der sich eigentlich als Täter vor Gericht hätte verantworten müssen, war klar: Auf der Anklagebank sitzt die falsche Person.

Beide, Richter und Staatsanwalt, waren sich deshalb sofort einig, dass sie auf die Aussagen der teils aus den Niederlanden angereisten Zeugen verzichten konnten. Wobei nicht sofort klar war, wie jetzt weiter vorgegangen werden sollte. „Auch wenn das kompliziert ist: Es ist wichtig, dass das Verfahren gegen meinen Mandanten jetzt abgeschlossen wird“, forderte die Anwältin. Immerhin sei er total unschuldig, da dürfe nichts von zurückbleiben in den Akten.

Das geschah dann auch, das Verfahren wurde förmlich beendet – gegen den eigentlichen Dieb wird weiter ermittelt. „Sie alle werden dann zu einem neuen Termin geladen“, informierte Richter Max Melssen die Zeugen. In seiner Urteilsverkündung sprach er wegen der Verwechslung durch die niederländische Polizei von einem „unglücklichen Zufall“ und entschuldigte sich dafür bei dem Mann. Der nahm’s relativ gelassen, weniger seine Ehefrau. Weil sie durch den Ärger finanzielle Einbußen erlitten und jede Menge Stress gehabt hätten.