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Emmerich: Fragezeichen bei den Klassenfahrten

Emmerich : Fragezeichen bei den Klassenfahrten

Nach neuer Rechtslage müssen Schulen die Spesen der begleitenden Lehrer bei Klassenfahrten komplett übernehmen. Dafür haben sie aber teilweise gar nicht genug Geld. Damit gibt es rund um die Studienfahrten viele offene Fragen.

Nur noch für dieses Jahr sind nach dem neuesten Beschluss der Landesregierung alle schon genehmigten Klassenfahrten gesichert. "Die Reisen, die wir jetzt schon genehmigt haben, bleiben genehmigt", erläutert Wolfgang Urbach, stellvertretender Schulleiter des Willibrord-Gymnasiums. "Alles weitere habe ich aber erst einmal storniert. Wir warten den neuen Wander-Erlass ab, und dann werden wir uns Gedanken machen, wie wir das umsetzen können." Die Schulen sind in der Bredouille, weil Lehrer ihre Reisekosten für Klassenfahrten nicht mehr, wie es bislang üblich war, zumindest anteilig selbst bezahlen. Bislang haben sie eine so genannte Verzichtserklärung unterschrieben und damit auf die Erstattung der Kosten verzichtet. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts ist das nicht zulässig. Die Schule habe die Spesen der begleitenden Lehrer zu tragen. Das ist aber kaum möglich: Das Budget für Ausflüge richtet sich nach der Schülerzahl einer Schule, am Willibrord-Gymnasium lag es zuletzt bei 1700 Euro im Jahr. Für die kompletten Reisekosten der Pädagogen reicht das nicht.

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"Die Kollegen haben in der Regel mindestens ein Drittel selbst dazubezahlt", erläutert Wolfgang Urbach. Häufig war es auch mehr, je nachdem, wie lang und teuer eine Reise war oder wie viele Fahrten in einem Schuljahr insgesamt aus dem Etat zu bestreiten waren. In Ausnahmefällen fuhren die Begleiter sogar fast vollständig auf eigene Kosten mit, etwa bei Trips nach London zu einer Shakespeare-Aufführung. An der Emmericher Hanse-Realschule hat man schon vor Jahren neue Wege eingeschlagen, um Kosten zu sparen — nicht wegen der Lehrer, sondern wegen der Eltern, denen die Klassenfahrten zu teuer wurden. Die Reisen im Jahrgang sieben wurden auf drei Tage verkürzt. Bei den Zehntklässler wurde die klassische Abschlussfahrt durch einen einwöchigen Aufenthalt auf der Jugendburg mit einem bunten Programm aus Selbstfindungs-, Sport- und Freizeitangeboten ersetzt.

"Den Jugendlichen gefällt das sehr gut", so der stellvertretende Schulleiter Jürgen Straetmans. Und es sei "deutlich billiger" als eine normale Reise: "Da sind die Kosten nicht mehr die Frage."

Die Schule organisiert für Neunt- und Zehntklässler auch einwöchige Bildungsreisen nach Polen. Dabei fahren die Jugendlichen aber auf freiwilliger Basis mit, entsprechend klein ist die Gruppe: "Da sind nur zwei Lehrer dabei. Bei einer normalen Klassenfahrt — wir sind fünfzügig — wären insgesamt zehn Lehrer unterwegs", rechnet Straetmans vor.

An der Realschule Rees haben die Lehrer die Kosten für die Freizeiten bislang vorgestreckt und größtenteils über das Reisekostenkontingent der Schule ersetzt bekommen. So soll es eigentlich auch weiter laufen, erläutert Schulleiter Thomas Wenning. An der Schule steht aber fest: "Alle Fahrten, die für 2013 angesetzt waren, werden auch wie geplant stattfinden." Für die genauen Details warte man ab, wie das Ministerium konkret eine Neuregelung umsetzt.

Am Gymnasium Aspel wird über das Thema noch in den zuständigen Gremien wie der Schulkonferenz diskutiert. Ziel ist, dass noch in diesem Halbjahr entschieden wird, wie es bei den Klassenfahrten weiter geht. Am Gymnasium hat es in letzter Zeit eine Reihe von Fahrten gegeben.

Das Schulministerium arbeitet jetzt an einer Überholung der so genannten "Wanderrichtlinien". Es gab bereits Signale, nach denen das Budget der Schulen aufgestockt werden soll. Fraglich bleibt aber, wie viele und was für Klassenfahrten dann noch möglich sind. Und Kritiker befürchten außerdem, dass das Geld dafür an anderer Stelle gekürzt wird.

(RP)