Politik in Emmerich Formfehler verhindert Denkmal-Debatte

Emmerich · Wie geht Emmerich mit dem strittigen Spruch auf dem Kriegerdenkmal um? Darüber wollte die Politik eigentlich reden. Doch ein Formfehler macht das unmöglich. Zunächst jedenfalls. Jetzt müssen sich alle gedulden.

Um den Spruch auf dem Kriegerdenkmal im Rheinpark geht es.

Um den Spruch auf dem Kriegerdenkmal im Rheinpark geht es.

Foto: Markus Balser

Ein Formfehler hat die politische Diskussion um das Kriegerdenkmal im Rheinpark verhindert.

Was ist geschehen?

Eigentlich sollte am Donnerstag in der Sitzung des Kulturausschusses darüber geredet werden, wie Emmerich mit einem Zitat auf dem Denkmal umgeht.

Dort steht: „Der ist ein Mann/der sterben kann/für Gott und Vaterland (EM Arndt)“.

Das „EM“ steht für Ernst Moritz Arndt (* 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz; † 29. Januar 1860 in Bonn). Er war Schriftsteller, Historiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Diese war das erste gesamtdeutsche Parlament. Den Abgeordneten ging es um über eine freiheitliche Verfassung und die Bildung eines deutschen Nationalstaates. Arndt hatte sich mehr als 40 Jahre zuvor als Schriftsteller gegen die Herrschaft Napoleons in Deutschland gewandt. In seinen patriotischen Schriften forderte Arndt den militärischen und zivilen Widerstand gegen die französische Besatzung. Damit verbunden war die Hoffnung auf die Bildung eines einheitlichen deutschen Nationalstaats. Das Gedicht „Wer ist ein Mann?“, aus dem das Zitat stammt, hat Arndt im Jahr 1813 verfasst. Das Kriegerdenkmal im Rheinpark wurde in der Zeit von 1912 bis 1913 gebaut. Neben der Inschrift oben gibt es unten eine zweite. Sie lautet: „Den gefallenen Helden. Die dankbare Vaterstadt.“

Thomas Koenen von den Grünen in Emmerich hatte dazu einen Antrag an den Rat geschrieben und wollte, dass sich die Politik damit befasst. „Die Grünen hatten – wie auch alle Fraktionen im Rat – einen Brief eines Menschen von außerhalb bekommen, dem der Spruch bei einem Besuch der Stadt aufgefallen war“, so Koenen gegenüber der Rheinischen Post.

„Wir wollten deshalb, dass im Kulturausschuss des Rates eine Arbeitsgruppe „Kunst im öffentlichen Raum“ einberufen wird.“

Das Ziel: Überprüfungen sollte es für Denkmäler, sakrale Bauten und weiteres im Stadtgebiet geben. Zu prüfen sei, ob es dort kriegs- oder gewaltverherrlichende Texte und Darstellungen, antisemitische Formulierungen oder Symbole sowie jede Art von Diskriminierung wegen des Geschlechts und Alters sowie Religion und ethnischer Herkunft gebe.

Wenn das der Fall sei, so die Grünen, sollte darüber geredet werden, wie man damit umgeht. Im Zweifel sollte das auch aus der Öffentlichkeit entfernt werden. „Wir wollten aber nicht, dass das beim Kriegerdenkmal passiert“, betont Koenen. „Wir wollten nicht, dass das Zitat aus dem Stein geschlagen wird.“

So weit, so gut.

Doch zu einer Debatte um den Antrag der Grünen kam es im Rat nicht.

Die Mehrheit war dagegen. Stattdessen schlug der CDU-Ortsverband Emmerich-Mitte vor, dass es eine Info-Tafel am Denkmal geben soll, vielleicht versehen mit einem QR-Code für weitergehende Informationen.

Das hätten die Grünen vermutlich auch mitgetragen, so Koenen. Zumindest wäre es im Kulturausschuss vermutlich wohl zu einer Diskussion darüber gekommen, wie man mit dem Denkmal umgeht.

Aber das scheiterte an einer Formalie. Anträge für den Kulturausschuss kann der Ortsverband der CDU nicht stellen. Das müsse von der CDU-Ratsfraktion kommen, so Koenen. „Deshalb werden wir uns mit dem Thema wohl erst im Frühjahr befassen“, vermutet er.

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