1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Förderverein Schlösschen Borghees gestaltet Theaterraum

Kultur : Über 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit

Im Dezember 2019 war Grundsteinlegung, am 12. März 2020 Richtfest. Danach griff die Corona-Krise um sich und erschwerte das Vorhaben des Fördervereins Schlösschen Borghees, einen Theaterraum zu schaffen. Doch die 15 Ehrenamtler lassen sich nicht aufhalten.

Wegen der Coronapandemie mussten alle Veranstaltungen im Schlösschen Borghees abgesagt werden, doch mit dem Bau der Kulturscheune ging es ohne Pause weiter – natürlich mit dem entsprechenden Abstand. Über 500 Stunden investierten 15 fleißige Mitglieder des Fördervereins Schlösschen Borghees, um die Wände mit einer speziellen Lehmschicht zu versehen. „Wir sind optimistisch, dass wir Ende September die Eröffnung feiern können – in welcher Form auch immer“, sagte Fördervereins-Vorsitzende Anke Neubauer bei einer Pressekonferenz, auf der die Fortschritte beim Kulturscheunen-Bau vorgestellt wurden.

Die Grundidee, eine Theaterräumlichkeit zu schaffen, die allen Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – Kultur zugänglich macht, entstand vor sieben/acht Jahren. Da erwies sich der nebenstehende ehemalige Pferdestall als geeignet. „Aber so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben, – Pferde raus, Menschen rein – ging es leider nicht“, erzählte Anke Neubauer. Es habe allein vier Jahre gedauert, um die Nutzung zu ändern, weil es sich um ein landwirtschaftliches Gebäude handelte. Erst danach konnte der Bauantrag gestellt werden.

Doch beharrlich machten alle weiter und so konnte am 7. Dezember 2019 die Grundsteinlegung erfolgen und am 12. März das Richtest gefeiert werden. „Gerade noch vor dem Ausbruch von Corona“, so Judith Hoymann, die gemeinsam mit TIK-Frau Sandra Heinzel für Theateraufführungen verschiedenster Art sorgt.

Im Schichtdienst – immer nur sechs Personen gleichzeitig, damit man sich nicht in die Quere kam – wurde jetzt an vier Wochenenden und einigen zusätzlichen Tagen der Lehmputz aufgetragen. „Wir müssen laut Vertrag einiges an Eigenleistung erbringen. Es war für uns eine echte Herausforderung, weil wir alle nicht aus der Baubranche kommen“, so Neubauer. Da war es gut, dass der Rohbauer Andre Venes aus Hamminkeln ihnen helfend zur Seite stand und bei den Putzarbeiten eine Fachbegleitung anbot. „Es war für uns alle ‚learning by doing‘. Wir haben zuerst mal geübt in Ecken, die man nicht so gut sieht – wie im Lager und Backstage. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, es ist besser, als ich erwartet habe. Es hat richtig Spaß gemacht – trotz Muskelkater.“

Drei Tonnen Lehm haben die fleißigen Helfer verarbeitet, erzählte Gerhard Wölki, Vorstandsmitglied im Förderverein. Wer nicht beim Verputzen helfen konnte, unterstützte die Gruppe anders. So sorgte Waltraud Boß mit Getränken und leckeren Snacks für das leibliche Wohl, Botho Brouwer mit Werkzeugen und fachlichen Ratschlägen.

In der nächsten Woche soll der Estrich gelegt werden und dann noch vier Nischen mit einer Innendämmung und dem Lehmputz versehen werden. „Lehm passt gut zum Charakter der Scheune. Er ist auch für Laien gut zu verarbeiten und kleine Macken lassen sich einfach nachbessern“, erklärte Architekt Patrick van Holt. Gut zum Aussehen des alten Pferdestalls, der etwa in den 50er Jahren gebaut wurde, passen auch die kleinen Gitterfenster, die erhalten bleiben. Sie müssen noch neu gestrichen werden. Die alten Hohlpfannen-Dachziegel wurden zunächst in Eigenleistung abgedeckt und dann mit einer Schicht Stroh wieder aufgelegt. Die Firstziegel und die Löwenköpfe am Walmgrad stiftete die Ziegelei Meyer. Die TIK-Frauen Sandra Heinzel und Judith Hoymann freuen sich auf die Kulturscheune. „Endlich haben wir eine feste Bühne, was vieles erleichtert und professioneller macht“, sagte Hoymann. „Unsere Requisiten und Materialien liegen zurzeit an vier verschiedenen Standorten verteilt. Jetzt bekommen wir einen Lagerraum und unsere Puppen und Figuren, teilweise sind einige von uns selbst gebaute Marionetten aus den 90iger Jahren dabei, bekommen ein richtiges Zuhause“, freute sich Sandra Heinzel. „Vorher waren Menschen ausgeschlossen, weil sie beispielsweise die Treppe zum Kaminzimmer im Schlösschen nicht bewältigen konnten. In der Scheune kommen alle zusammen. Diese ist bewusst etwas dunkler gehalten, damit sich die Besucher durch Licht und Musik einfangen lassen können von dem, was auf der Bühne gezeigt wird.“