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Emmerich: Flüchtlingshilfe mit Vorbildcharakter

Emmerich : Flüchtlingshilfe mit Vorbildcharakter

In Emmerich helfen mittlerweile neun Unternehmen in einem Netzwerk Flüchtlingen, hier Fuß zu fassen. Das Projekt, das landesweit Aufmerksamkeit erregt, zeigt, wie Integration gelingen kann.

Als im Herbst letzten Jahres immer mehr Menschen nach Deutschland flüchteten, war Wim Abbing klar: "Wir müssen etwas tun." Der Geschäftsführer der Probat-Werke sah auch die Unternehmen in der Pflicht, einen Beitrag zur Integration zu leisten. Für seine Idee, mit ortsansässigen Firmen ein Netzwerk zu schaffen, das Flüchtlingen hilft, hier Fuß zu fassen, konnte er vier weitere Chefs Emmericher Unternehmen - Katjes, Deutsche Gießdraht, Kao Chemicals und Convent - begeistern. Das Unternehmensnetzwerk "Gemeinsame Integration" war geboren.

Der Gedanke dahinter: Mitarbeiter der Unternehmen geben Flüchtlingen Sprachunterricht im Betrieb. Außerdem werden Praktika angeboten. Sie dienen als Vorstufe zu weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten, die die Perspektive ermöglicht, langfristig in den Arbeitsmarkt eingebunden zu werden.

Mittlerweile ist gut ein Jahr vergangenen. Und aus der Idee Wim Abbings ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Zu dem anfänglichen Firmen-Quintett sind mit Setter, Q-Railing, den Stadtwerken und der BLG noch vier weitere Unternehmen dazugestoßen. Unterstützung gibt es von der Stadt Emmerich, dazu läuft auch eine Kooperation mit dem Theodor-Brauer-Haus. Vor allem aber hat sich die überwiegende Mehrzahl der Flüchtlinge, die in den Genuss des Projektes gekommen sind, gut geschlagen. So gut, dass Probat und Katjes dafür eigens zwei bis drei zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen werden.

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"Es ist einfach schön zu sehen, dass Menschen, die vor wenigen Monaten nur rudimentäre Deutschkenntnisse besaßen, jetzt zusammen mit unseren Azubis in der Berufsschule sitzen. Das spricht für ihre Motivation", freut sich Wim Abbing.

Omid Haidari (24) aus Afghanistan ist einer dieser jungen Leute, die hier ihre Chance nutzen wollen. Im März begann er den Sprachkurs, absolvierte danach ein Praktikum und ist jetzt mitten in einer berufsvorbereitenden Maßnahme, die ihn im nächsten Jahr befähigt, eine Ausbildung bei Probat zu beginnen.

Von dem Projekt, das mittlerweile gut 100 Flüchtlinge durchlaufen haben, profitieren aber auch die Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen. "Wer mit Flüchtlingen direkten Kontakt hat, kann auch leichter Vorurteile abbauen", sagt Anette Dierks. Die Nachhaltigkeitsmanagerin bei Katjes gehört zu jenen fünf Mitarbeitern, die sich um den Deutschunterricht beim Süßwarenhersteller kümmern.

Negative Erfahrungen haben die Unternehmen bislang nicht gemacht. "Natürlich ist auch schon der ein oder andere einfach nicht mehr gekommen, aber das ist bei unseren Auszubildenden manchmal auch nicht anders", sagt Abbing.

Das Projekt in Emmerich hat landesweit Aufmerksamkeit erregt. Von Unternehmerzirkeln aus anderen Regionen, aber auch vom Bildungsministerium gab es schon Einladungen, um das Netzwerk mit Vorbildcharakter vorzustellen. Dabei bemerkenswert: Um ein Großunternehmen zu finden, das ähnliches leistet, muss man schon lange suchen. Wim Abbing interessieren die schieren Zahlen jedoch wenig: "Letztendlich geht es um jedes einzelne Schicksal", sagt er.

(RP)