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Film über 900 Jahre St-Quirinus-Pfarrkirche Millingen im Internet

MILLINGEN : Doku über die Pfarrkirche im Internet

Eigentlich sollte es ein Dokumentarfilm über Millingen werden. Doch dann kam wegen der Coronakrise alles ganz anders. Aber das, was geblieben ist, lohnt einen Blick. Lesen Sie selbst!

Es wäre die erste Filmpremiere in der 900-jährigen Geschichte der Pfarrkirche St. Quirinus gewesen: Diakon Bernhard Hözel, Heimatforscher Norbert Behrendt und Filmemacher Wolfgang Wilhelmi hatten die Uraufführung lange vorbereitet, doch dann fiel auch diese Veranstaltung in der Pfarrkirche Corona zum Opfer. Ersatzweise stellt Wolfgang Wilhelmi seinen Film nun kostenfrei auf der Internetseite www.wilhelmifilm.de zur Verfügung. „Die Leute sollen ja zu Hause bleiben, da kann ich sie hoffentlich mit meiner Dokumentation ein bisschen ablenken und erfreuen“, begründet der Filmemacher aus Xanten-Lüttingen sein historisch-unterhaltsames Geschenk.

Grundlage der 45-minütigen Dokumentation ist ein Rundgang durch die Pfarrkirche, die im Jahr 1120 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Eigentlich sollte das Gotteshaus nur ein kleiner Bestandteil eines großen Millingen-Films werden, den Wolfgang Wilhelmi im Vorfeld der für dieses Jahr geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten im Reeser Ortsteil gedreht hat. Doch das Fachwissen, das Diakon Bernhard Hözel bei einem Rundgang durch die Kirche an den Tag legte, ergänzt um Norbert Behrends geschichtliche Forschungsergebnisse, führte schnell dazu, dass Wolfgang Wilhelmi dieser Pfarrkirche ein eigenes Werk widmete.

Grundlage der 45-minütigen Doku ist ein Rundgang durch die St.-Quirinus-Kirche. Foto: scholten

Norbert Behrend bezeichnet es als „großen Glücksfall“, dass der linksrheinische Filmemacher den Weg auf die rechte Rheinseite und schließlich nach Millingen gefunden hatte. Vermittelt hatte die Reeser Stadtarchivarin Tina Oostendorp. Sie hatte Wolfgang Wilhelmi kennengelernt, als dieser für seinen Dokumentarfilm „Fossae Drusinae – Römische Wasserwege“ auch in Rees forschte. Da Tina Oostendorp in der Millinger Pfarrgemeinde aktiv ist, schlug sie dem passionierten „Heimatfilmer“ Wolfgang Wilhelmi ein Projekt über Millingen vor.

Je mehr Menschen und Vereine er traf, desto umfangreicher wurden seine Aufnahmen in allen Jahreszeiten. Seit Februar 2019 war der Xantener mindestens einmal pro Woche in Millingen. Die Premiere des anderthalbstündigen Films über das Dorfleben ist bzw. war für den 25. Juli geplant. „Inwieweit die große 900-Jahr-Feier im Zeitraum von Mai bis Oktober überhaupt stattfinden kann, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen“, sagt Wilhelmi.

Nun soll erst einmal die Kirchendokumentation im Mittelpunkt des Interesses stehen: Detail- und Luftaufnahmen zeigen St. Quirinus aus Perspektiven, die selbst die eifrigsten Kirchgänger noch nie gesehen haben. Mark Semelka ließ seine Drohne durch die dreischiffige Pseudobasilika schweben, Maik Holtermann hielt in beeindruckenden Luftbildern fest, wie am 21. Mai 2019 das neue Kreuz samt Wetterhahn auf den 57 Meter hohen Kirchturm montiert wurde. Die Musik zum Film spielte Theo Römer auf der St.-Quirinus-Kirchenorgel ein, hinzu kamen Stücke von der CD-Aufnahme eines Konzertes unter Römers Leitung.

Diakon Bernhard Hözel ist von der Professionalität des Films fasziniert: „Wir Millinger sind stolz darauf, unsere Kirche jetzt in einem zeitgenössischen Film präsentieren zu können. Mit solch einem Medium lassen sich viele Dinge leichter vermitteln als in einem gedruckten Buch.“ Wer den Film in HD-Qualität verschenken oder in sein eigenes Archiv stellen möchte, kann die DVD zum Preis von zehn Euro zuzüglich zwei Euro Versandkosten auf www.wilhelmifilm.de bestellen.

Wolfgang Wilhelmi hat die Zusammenarbeit mit Norbert Behrendt und Bernhard Hözel gut gefallen: „Angesichts der Ruhe in dieser Kirche konnte ich ein wenig in mich gehen. Ich denke, ich bin dabei sogar ein bisschen gläubiger geworden.“ Im Rahmen seiner Reihe „Dörfer vom Niederrhein“ hat Wilhelmi inzwischen auch einen 90-minütigen Film über den Reeser Ortsteil Bienen fertiggestellt. Dieser soll im Herbst 2020 Premiere feiern. Als „Auftragsfilmer“ sieht sich Wilhelmi aber nicht: „Ich mache das nicht, um Geld zu verdienen. Ich lese mich in die Geschichte der Orte ein, und wenn ich persönliches Interesse daran finde, filme ich die Schönheit der Landschaft und der Sehenswürdigkeiten. Die Filme gebe ich erst heraus, wenn ich selbst von ihnen überzeugt bin.“

Seine erste 8-Millimeter-Kamera kaufte der gebürtige Ludwigshafener im Alter von 16 Jahren. Das war 1963. Er zog nach Essen, Bottrop und schließlich an den Niederrhein, arbeitete als Chemotechniker und als Auditor für Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherheit. Die Leidenschaft fürs Filmen schlief vorübergehend ein, als Videokameras den Markt eroberten und die qualitativ überlegenen Schmalfilmkameras verdrängten. Erst das Aufkommen digitaler Kameras und moderner Schnittprogramme brachte die Freude an der Filmarbeit zurück: „Ich habe heute Möglichkeiten, von denen ich früher nur träumen konnte“, sagt Wolfgang Wilhelmi, der als Ein-Mann-Produktionsfirma recherchiert, dreht, im Wohnzimmer schneidet und vertont. „Andere Leute schreiben oder malen – ich drehe Filme“, sagt der Rentner aus Xanten-Lüttingen, dem man seine 72 Jahre keineswegs ansieht. „Das Filmen hält mich jung“, erklärt er.