Emmerich: Filialisten meinen: Ladendiebstahl nimmt zu

Emmerich: Filialisten meinen: Ladendiebstahl nimmt zu

Nimmt der Ladendiebstahl in Emmerich zu? Dieser Frage ist die RP-Redaktion nachgegangen und befragt einige Filialleiter und Geschäftsführer in der Emmericher Innenstadt.

"En masse" lautet die Antwort von Lisa Küter, Teamchefin bei Kodi an der Kaßstraße. Sie arbeitete bereits in einigen anderen Läden und empfindet die Zahl der Diebstähle auch im Vergleich dazu extrem hoch: "Wir bemerken fast täglich leere Verpackungen, denen Rasierer, Seife, Glühbirnen oder Anderes entnommen wurden. Die leeren Kartons befinden sich anschließend im Regal, versteckt hinter größeren Kartons", berichtet sie.

Auch die Mitarbeiterinnen des "Ein-Euro-Shops" sind empört über die gestohlenen Waren: "Obwohl jeder Artikel nur ein Euro kostet, scheint einigen Menschen das noch zu viel Geld zu sein", sagen sie. Typischer Fall: "Wenn in einer Packung drei Zahnbürsten sind, werden zwei davon mitgenommen." Mit diesem Dreh wollen die Diebe den eventuell am Ausgang installierten Warnton entgehen. Die Verkäuferinnen vermuten auch eine besondere "Philosophie" der dreisten "Kunden": Sie empfinden das nicht als Diebstahl, weil es ja "nichts kostet" und daher ein unerhebliches Delikt ist. Doch ihre Bezirksleiterin relativiert: "In den großen Städten des Ruhrgebiets wird noch viel mehr gestohlen."

Sigrid Schmidt von "DM" stellt fest: "Die Zahl der Diebstähle hat in den vergangenen Jahren trotz installierten Kameras ganz erheblich zugenommen." Dabei weiß sie von der Gefährlichkeit des Augenblicks, wenn mal ein Ladendieb erwischt wird: "Die Täter gehen rücksichtslos und brutal zu." Sie hat es bereits mehrfach am eigenen Leib erfahren.

  • Infos : Die Maschen der Trickbetrüger

"Geklaut wurde schon immer", meint Sabine Wins vom Team der Firma "Ringfoto Plevier", vormals "Allkauf", ebenfalls an der Kaßstraße. Doch ihr Verkaufsraum ist nicht so groß und daher übersichtlich. Die Mitarbeiter haben alles gut "im Auge", sie gehen grundsätzlich auch erst einmal von der Ehrlichkeit ihrer Kunden aus, doch es gab schon Fälle, bei denen im Hinausgehen etwas aus dem Schaufenster gestohlen wurde. "Das war zum Beispiel eine alte und wertlose Kamera und der Dieb war offenkundig kein Kenner der Materie", lacht sie.

Dass Glasvitrinen nicht ausreichend Schutz vor Ladendiebstahl bieten, weiß auch Stefan Kindermann, stellvertretender Filialleiter bei "Famila": "Dann wird eben ein frei stehender Gegenstand mitgenommen." Die Diebe würden immer einfallsreicher. Da helfen auch keine Laden-Detektive, denn die sind schon nach drei Tagen allen Tätern bekannt. Sogar ein Fernseher sei an der Kasse vorbei geschmuggelt worden, indem er von mehreren Männern auf dem Boden gut getarnt mit den Füßen weiter bugsiert wurde. "Ganze Banden organisieren sich, schwärmen im Geschäft aus und legen quasi ein Depot an, das sie trickreich nach draußen befördern", berichtet Kindermann. Das Ergebnis: Wöchentlich werden aufgerissene Verpackungen im Wert von oft 400 Euro gefunden. Addiert man die Waren dazu, die am Körper versteckt und ungemerkt mitgenommen wurden, kommt man regelmäßig auf einen Jahresverlust von 50 000 bis 100 000 Euro laut Bilanz.

Stefan Kindermann formuliert eine Tendenz, die auch in den Gesprächen mit den anderen Befragten herauszuhören ist: "Unter den fotokopierten Ausweisen der Diebe, die erwischt wurden, ist die Anzahl deutscher Kunden gering. Und wenn es gelingt, einen Dieb festzuhalten, kann man mit deutscher Sprache meistens nichts ausrichten. Herbei gerufene Polizisten laufen Gefahr, körperlich angegriffen zu werden."

(woh)
Mehr von RP ONLINE