Emmerich: Feuerwerk zu Silvester: Pro und Contra

Emmerich : Feuerwerk zu Silvester: Pro und Contra

Sollte man zum Jahreswechsel Raketen abfeuern? Nein, weil's sinnlos ist und gefährlich sein kann, sagt Kapaunenberg-Wirt Werner Woytowicz. Ja, weil es Freude bereitet, sagt Profi-Feuerwerker Hayo Wolff.

Kapaunenberg-Wirt Werner Woytowicz hat kein Problem damit, wenn's mal laut zu- und hoch hergeht. Aber mit der Knallerei zum Jahreswechsel kann er nichts anfangen.

„Da kommt die Nachbarschaft zusammen, das ist Geselligkeit“, sagt Hayo Wolff, Profi-Feuerwerker. Foto: van Offern, Markus

"Sicher ist das auch ein Brauchtum. Aber es ist einfach ein wahnsinniges Geld, das da verfeuert wird", gibt er zu bedenken. "Dafür muss man hart arbeiten, damit kann man schönere Sachen machen." Und zwar nach eigener Lust und Laune. Oder man könnte es für gute Zwecke spenden: "Es gibt auf der Welt genug Menschen, die Hunger leiden."

Geldverschwendung

Für Werner Woytowicz ist das auch eine philosophische Frage: Wo ist die besinnliche, friedliche, großzügige Weihnachtsstimmung plötzlich hin? In die Luft gejagt! "Eine Woche vorher hält man noch inne, redet von Nächstenliebe und echten Werten. Und dann gehen wir ins neue Jahr, und es geht nur noch um Action, und es wird Geld verschwendet, das man besser einsetzen könnte."

Nebenbei — der Spaß mit den Raketen ist nicht ganz ungefährlich, jedes Jahr gibt es Verletzte. "Selbst Zwölf- oder Dreizehnjährige hantieren damit", warnt er. "Ich habe schon erlebt, dass mir Feuerwerkskörper mehr oder weniger vors Auto geworfen wurden." Wenn er an die Risiken denkt, die gerade Kinder rund um Silvester eingehen, wird ihm ganz anders. "Es gibt einen richtigen Schwarzmarkt mit Knallern mit größerer Sprengkraft."

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Am Rande erkennt er weitere unschöne Begleiterscheinungen: "Besonders nervig finde ich die Vorknallerei. Tagelang vor Silvester wird geknallt." Als Hundebesitzer denkt er auch voller Mitgefühl an die Ohren — und Nerven — der Vierbeiner.

Umweltaspekte sind es hingegen gar nicht mal, die ihn bewegen. Auch die große Aufräumerei am Tag danach stört ihn kaum: "Nach jeder Großveranstaltung muss man halt saubermachen", nach Karneval fegt er auch frohgemut Konfetti weg.

Werner Woytowicz will niemandem den Spaß verderben. Wer bei seiner Silvesterparty ballern will, der darf: "Ich renne nicht durch die Gegend und rede es den Leuten aus", sagt er. "Aber ich wundere mich, dass die Menschen so viel Geld dafür übrig haben."

Sein Vorschlag: Diese Mittel könnten sie spenden statt sie zur Explosion zu bringen. Ganz bewusst, für irgend einen Zweck, der ihnen sinnvoll scheint. "Für viele Menschen wäre das bestimmt die größere Befriedigung", lockt er. Man könnte es ja einfach mal ausprobieren — nur diesmal, vielleicht täte es ja wirklich gut. Und wer aufs Krachmachen gar nicht verzichten will: "Es gibt sicher bessere Möglichkeiten" — und wenn's Topfdeckel sind.

PRO

Nein: Es hat keinen offensichtlichen, nachhaltigen Nutzen, zu Silvester jede Menge Geld in Feuer und Rauch zu investieren —wenn man nicht gerade dem Glauben anhängt, dass durch den Radau tatsächlich böse Geister vertrieben werden. Aber, sagt Profi-Feuerwerker Hayo Wolff: "Feuerwerk ist einfach wahnsinnig schön." Da wird das alte Jahr mit Pauken und Trompeten verabschiedet, das neue lautstark begrüßt. Ob das Sinn macht? "Na ja", sagt Hayo Wolff: "Warum fahren Leute in die Ferien? Weil's eben eine schöne Erfahrung ist."

Vermeintlich "sinnlos" Geld ausgegeben werde schließlich für vieles. Aber was man genießen kann, das ist in Wahrheit gar nicht so unvernünftig, lautet sein Argument. Und dass die Menschen Feuerwerk wirklich genießen, davon ist Hayo Wolff überzeugt. Gerade weil sie seiner Erfahrung nach tatsächlich jedes Jahr mehr Geld in die Silvesterknallerei investieren. "Einmal im Jahr kommen die Leute zum Feiern. Und dann macht es ihnen nicht viel aus, ob es 100 oder 150 Euro kostet — das ist es ihnen einfach wert." Wirtschaftlich schlechte Zeiten hin oder her.

Schönes Gemeinschaftserlebnis

Feuerwerk sei bei Partys ein schönes Gemeinschaftserlebnis, führt er ins Feld: "Da kommt die Nachbarschaft zusammen, das ist Geselligkeit." Und zu Großveranstaltungen wie "Emmerich im Lichterglanz" kämen schließlich tausende Besucher: "Daran kann man wohl sehen, dass es den Leuten gefällt."

Die Frage des Naturschutzes will er in Relation gerückt wissen: "Es ist natürlich eine Umweltbelastung, wenn alle auf einen Schlag Feuerwerk zünden. Aber prozentual, aufs Jahr gerechnet, fällt das gar nicht ins Gewicht. Darüber würde sich kein Mensch beschweren", argumentiert Wolff. "Im Vergleich zum Autofahren zum Beispiel ist das Feuerwerk zu Silvester zu vernachlässigen." Ganz zu schweigen von anderen umweltschädlichen Aktivitäten — etwa davon, sich in einen Ferienflieger zu setzen.

Natürlich gebe es durch Knaller und Raketen jedes Jahr Verletzungen. Aber die seien meist auf unsachgemäße Handhabung zurückzuführen: "Wenn die Leute die Sachen normal benutzen, wenn sie die Anleitung richtig lesen, dann kann eigentlich nicht viel passieren", meint er. "Es gibt halt immer Verrückte, die Sachen machen, die man nicht machen sollte. Aber das ist mit allen Dingen im Leben so, auch beim Autofahren zum Beispiel."

Übrigens seien die Deutschen, was das Knallen betrifft, sogar noch einigermaßen gemäßigt. "In Holland wird viel mehr verkauft, was besonders laut knallt. In Deutschland kaufen viele Kunden Batterien, die schöne Bilder in den Himmel werfen."

(szf)
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