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Rees: "Falscher Doktor als idealer Therapeut"

Rees : "Falscher Doktor als idealer Therapeut"

Michael Theis präsentierte sein Konzept von einer Klinik für Computersüchtige. Dabei überraschte er mit dem Vorschlag, ehemalige Abhängige zu Therapeuten auszubilden. Vorbild ist der Hochstapler, der bei Horizont arbeitete.

Gerd Engler ging gestern Morgen noch einmal durch das leere Horizont-Gebäude. "Es tut weh, dass wir hier schließen mussten", sagt der frühere Geschäftsführer der Drogenklinik. "Aber wenn offenbar bei der Rentenversicherung die Politik vorherrscht, die kleinen Kliniken platt zu machen, dann muss das wohl so sein", ergänzt er verbittert. Ab heute ist die Drogenklinik endgültig Geschichte. Wie berichtet, hatte sie Insolvenz anmelden müssen und war schließlich zum Monatsende dicht gemacht worden.

Auch die Initiative eines Mannes aus Rüsselsheim wird daran nichts ändern. Michael Theis plant, wie berichtet, nach eigenen Angaben eine Privatklinik für Computersüchtige zu gründen. Überlegungen, die auch schon beim Insolvenzverwalter für große Skepsis gesorgt hatten, weil ein Finanzierungsplan fehlte.

Gestern stellte Theis seine Idee im Rheincafe Rösen vor. Er schwärmte von der tollen Aussicht auf den Rhein, war begeistert von der Landschaft. Weniger angetan wird er von der mäßigen Resonanz gewesen sein. Eingeladen hatte er Parteien, Verantwortliche der Stadt, ehemalige Mitarbeiter der Klinik. Gekommen waren neben der Presse und einer früheren Mitarbeiterin der Klinik nur Thomas Winkler von der FDP. Und der schaute ab und zu etwas ungläubig, als Theis von seiner Vision einer Klinik erzählte. Vor allem als der Mann aus Rüsselsheim den falschen Doktor als Paradebeispiel anführte. Bekanntlich hatte sich ein früherer Drogenabhängiger die Stelle als therapeutischer Leiter mit gefälschten Zeugnissen erschlichen. Der Mann habe gute Arbeit geleistet, sei ihm von vielen Seiten berichtet worden, erzählte Theis. Seine Idee: Nach genau diesem Beispiel sollten ehemalige Abhängige zu Therapeuten ausgebildet werden. Die würden dann auch für die Hälfte des Geldes arbeiten und könnten sich bestens in die Probleme der Patienten hineinfühlen.

Hier in Rees biete sich die Chance, eine Klinik aufzubauen, weil es ja noch Personal von Horizont gebe. "Ich brauche ein Kernteam von drei bis vier Leuten", sagt Theis. Was er auch noch braucht, sind finanzielle Mittel. Er kalkuliert mit 200 000 bis 300 000 Euro. Das Geld will er durch eine Genossenschaft aufbringen. Doch noch findet er niemanden, der einsteigt. Die Aussichten für das Projekt scheinen gering zu sein.

Was aus dem Gebäude an der B 8 wird, ist offen. Die Anlage gehört der St. Willibrordus-Stiftung, sie hat die Verwaltung des Objektes an die Krankenhausgesellschaft Pro Homine übertragen. Geschlossen wird auch der Möbelmarkt in Emmerich, der zu Horizont gehörte.

Offen ist auch, ob Michael Theis noch einmal nach Rees zurückkommt. Zum Schluss wollte er auf jeden Fall noch einen Wunsch loswerden: "Das Internet sollte den Friedensnobelpreis bekommen."

(RP)