Fahrradklima Test: Rees ist im Landesvergleich Spitzenreiter

„Fahrradklima Test“ : Rees ist im Landesvergleich Spitzenreiter

Bei der Umfrage schneidet Rees mit „befriedigend“ ab und nimmt beim Landesvergleich von Städten der gleichen Größenordnung den Spitzenplatz ein. Emmerich belegt in der gleichen Kategorie nur Platz 38.

Bürgermeister Christoph Gerwers saß am Dienstagmorgen schon wieder an seinem Schreibtisch. Am Montag noch hatte er in Berlin im Beisein von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer eine Auszeichnung entgegennehmen dürfen, über die er sich besonders gefreut hat. Denn beim „Fahrradklima Test 2018“ – einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) – erzielte Rees ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann: Aus Sicht der Fahrradfahrer bekam die Stadt die Note 3,0 verliehen. In der Kategorie von Kommunen zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern belegte Rees damit bundesweit Rang drei, landesweit kamen die Reeser sogar auf Platz eins.

In der „Fahrradklima“-Aktion, die jetzt in ihre achte Auflage ging und vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird, wurde Rees zum dritten Mal aufgeführt. Unter dem Motto „Und wie ist Radfahren in Deiner Stadt?“ bewerteten Radfahrer bundesweit im letzten Herbst per Fragebogen, ob das Radfahren in ihrer Kommune Spaß oder Stress bedeutet, ob beispielsweise Radwege im Winter geräumt werden und ob sie sich auf dem Fahrrad sicher fühlen. Über 170.000 Radfahrer beteiligten sich deutschlandweit, 106 waren es in Rees. Die Ergebnisse zeigen, wo sich Verkehrsplaner und politisch Verantwortliche erfolgreich für besseren Radverkehr einsetzen und auch wo sich Radfahrende von ihnen allein gelassen fühlen.

Besonders positiv wurde in Rees von den Befragten die Erreichbarkeit der Ortsmitte mit dem Fahrrad herausgehoben (Note: 2,1). Zügig und direkt könne man seine Ziele erreichen (2,2). Am besten weg kam die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr (1,9).

Neben Lob gibt es aber auch Kritik. Die schlechteste Note in ihrer Bewertung erhielt Rees für die Möglichkeiten, ein Fahrrad auch im Öffentlichen Personennahverkehr mitnehmen zu können (3,8). Die manchmal holprigen Oberflächen der Radwege und die Führung an Baustellen kamen ebenfalls nicht so gut weg (jeweils 3,7). Insgesamt aber ist das Ergebnis für die Stadt Rees positiv. „Darüber freuen wir uns natürlich, aber wir wollen auch besser werden“, sagt Bürgermeister Gerwers. Die in der Umfrage zutage getretene Kritik will die Verwaltung im Auge behalten und, wenn möglich, Verbesserungen vornehmen. Zum Beispiel, was die Beschaffenheit der Radwege anbelangt. Der Weg ums Reeser Meer ist zum Teil schon saniert worden. Der zweite Abschnitt soll im Herbst in Angriff genommen werden. Auch beim Radweg Klosterstraße in Haldern (für den das Land zuständig ist), soll sich bald etwas tun.

Am Hauptkritikpunkt aber wird auch die Stadt nichts ändern können, denn dass die Mitnahme von Rädern im Personennahverkehr nicht gut wegkommt, liegt auch daran, dass der Personennahverkehr im ländlichen Raum eher schwach ausgebaut ist.

Für Emmerich sieht das Ergebnis etwas anders aus: Die Stadt erreicht nur den Wert von 3,7 – nach Schulnoten also nur „ausreichend plus“. Emmerich belegt in der Stadtgrößenklasse zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern bundesweit Rang 109 von 311 getesteten Städten. Landesweit reicht es für Platz 38.

Die Senioren Union (SU) im CDU Stadtverband Emmerich hatte beim ADFC-Test mitgemacht und sich in mehreren Eingaben im Rat für die Bewerbung als „fahrradfreundliche Stadt“ eingesetzt. „Wie wichtig die konkreten Forderungen der SU waren, ergibt sich aus den Einzeluntersuchungen, worin Emmerich besonders schwach abgeschnitten hat“, so SU-Vorsitzender Herbert Ulrich. Nachteilige Ampelschaltung für Radfahrer (Wert 4,3), Fahrradförderung in jüngster Zeit (4,6), Reinigung der Radwege (4,0), Fahrraddiebstahl (4,2), Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln (4,3).

Ulrich weiter: „Wir sollten uns ein Beispiel an Rees nehmen, das sich zu Recht mit dem Titel fahrradfreundliche Stadt schmücken kann.“ Positiv vermerkt der „Fahrradklima Test“ an Emmerich ein gutes Angebot öffentlicher Leihfahrräder und die Öffnung vieler Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer. Insgesamt verschlechterte sich der Testwert von 2014 mit 3,4 auf 3,7 in 2018. „Das sollte uns Ansporn sein, unsere Anstrengungen zur Verbesserung des Fahrradklimas in unserer Stadt zu verstärken“, meint Ulrich.

(bal)
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