Ezidischer Verein Emmerich feiert Jubiläum

25-Jahr-Feier : Ezidischer Verein feiert Jubiläum

Im Herbst des Jahres 1993 wurde die Ezidische Gemeinde Kreis Kleve und Umgebung gegründet, am kommenden Samstag wird in Emmerich gefeiert. Insgesamt 600 Familien sind der Gemeinde angeschlossen.

(mavi) Sie sind hier längst heimisch geworden. Über 5000 Kreis Klever gehören dem ezidischen Glauben an. Seit rund 50 Jahren gibt es Eziden in Emmerich und im Kreis Kleve. Die Ezidische Gemeinde Kreis Kleve und Umgebung besteht mittlerweile über 25 Jahre als Verein und feiert dieses Jubiläum, das auf den 26. September 1993 zurückgeht, am kommenden Samstag.

„Früher dachten wir, wir kehren irgendwann zurück in unsere Heimat“, erzählt Cengiz Erkis vom Vorstand. Ein Gedanke, den Gastarbeiter etlicher Nationen teilen. Doch mittlerweile sind sie hier verwurzelt, ihre Kinder haben deutsche Ausweise und in der türkisch-kurdischen Heimat sind einst tausende Bürger zählende Städte maximal geschrumpft – es wäre ohnehin keine Rückkehr in ein vertrautes Leben mehr.

Also sollte ein Zusammenschluss in Emmerich her: „Unser Glaube brauchte einen Raum“, sagt Cengiz Erkis vom Vorstand. Am Ossenbruch 2 haben die Eziden 2002 ihr 600 Quadratmeter großes Gemeindehaus errichtet, nachdem sie zuvor neun Jahre an der Königstraße Räume angemietet hatten. Ein großes Foto der Lalişa Nûranî, einem großen Tempel im Nordirak, ziert eine Wand im großen Saal des Gemeindehauses: „Das ist unser Mekka. Das Foto habe ich gemacht“, sagt Mitgründer Nedim Erkis stolz.

Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Das Gemeindezentrum wird für Feierlichkeiten genutzt. Sei es für kulturelle Anlässe wie den Roten Mittwoch, der dem christlichen Ostern entspricht, Taufen, Verlobungen oder für Trauerfeiern, die bei den Eziden sehr emotional abgehalten werden. Zu den Anlässen kommen viele der 350 Mitglieder – insgesamt sind 600 Familien der Gemeinde angeschlossen.

Die deutsche Öffentlichkeit hat die Eziden besonders seit 2014 wahrgenommen. Der Krieg gegen den islamistischen Terror und das Leid in den kurdischen Regionen in der Folge habe die jugendlichen Eziden aufgeweckt, meint Cengiz Erkis: „Das gab einen großen Aufbruch in der Gemeinde. Die Jugendlichen sind aktiv geworden und haben Hilfskonvois organisiert.“ Auch etliche Demos zogen durch die Städt.

Als eine der ersten Organisationen in Deutschland hat der Verein sieben Transporte mit Kleidung, Lebensmitteln, Medikamenten und mehr bis 2018 organisiert. „Die Konvois fuhren zu den irakischen und türkischen Flüchtlings-Camps“, erklärt Cengiz Erkis. Viele Unternehmen der Region haben die Aktionen unterstützt. Bundespolitiker nahmen das Engagement wahr. „Danach stand das Telefon nicht still“, so Erkis. Andere Organisationen wollten es den Kreis Klevern gleich tun. In der Folge hat die hiesige ezidische Gemeinde 50 weitere Transporte mitorganisiert. Sie hatten ja die Erfahrungen gesammelt und kannten die Tücken.

Die Gemeinde ist stolz, dass sie inzwischen eine Art Brücke für die Behörden zu den Eziden im Kreis Kleve geworden sind. „Wir pflegen den Dialog zu den Behörden und helfen gerne, wenn es Unklarheiten gibt“, sagt Nedim Erkis. Im Umgang mit den Flüchtlingen sei die Gemeinde gefragt, kann bei sprachlichen Barrieren helfen.

„Wir versuchen als Verein nicht nur die Religion aufrecht zu erhalten. Wir wollen raus, dass die Menschen uns kennenlernen“, so Nedim Erkis. Mittlerweile ist die Gemeinde mit Sitz in Emmerich auch an den Zentralrat der Eziden in Deutschland angeschlossen. Türkan Erkis ist auch dort im Vorstand.

Eines wollen die Eziden nicht verschweigen: „Wenn es große Veranstaltungen gibt, sind die Parkplätze hier schon mal überfüllt. Wir wollen uns dafür bei den Nachbarn entschuldigen“, wirbt Nedim Erkis um Verständnis.

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