Bernd De Baey: "Es steht noch viel Versöhnungsarbeit an"

Bernd De Baey : "Es steht noch viel Versöhnungsarbeit an"

Der Seelsorger ist seit gut 100 Tagen Pfarrer in St. Christophorus/St. Johannes, der Täufer. Zeit für eine erste Bilanz.

Emmerich (nk) Seit gut 100 Tagen ist Bernd de Baey (50) Stadt- und Landpfarrer. Als er am 16. November offiziell eingeführt wurde, fand er eine gespaltene Seelsorgeeinheit vor, das Gemeindeleben lag weithin brach. Nun zieht er eine erste Bilanz.

Ihr Vorgänger war nach wenigen Wochen reif für die Insel. Und Sie?

Bernd De Baey Ich bin zwar schon auf einer Insel gewesen, aber noch nicht so auf der Kante gewesen, weil es hier so schrecklich wäre. Ich erlebe viel Wohlwollen und Verständnis. Wir haben ja als Team hier neu angefangen und sind noch in der Orientierungsphase. Und die wird auch noch länger dauern.

Wie haben Sie sich eingelebt?

De Baey Ich fühle mich sehr wohl. Ich bin gern hier, und was noch nicht ist, wird noch werden. Ein pastorales Gremium soll bis zur Wahl des neuen Rates der Seelsorgeeinheit im November 2017 amtieren.

Warum?

De Baey Die Statuten des Bistums sehen das vor, das ist kein Emmerich-Spezifikum. Bei den Kirchenausschüssen herrschte allenthalben Erleichterung, dass es so eine praktikable Lösung gibt.

Aber sind zwei Jahre nicht arg lang?

De Baey Noch wirkt ganz viel nach. Trauer, Verbitterung, Wut. Auch Erschrecken: Was haben wir da eigentlich gemacht? Da steht noch eine Menge an Versöhnungsarbeit aus. Das braucht noch viel Zeit und Geduld, der Wille ist da. Bis 2017 wird sich das etwas entspannt haben. Das heißt aber nicht, dass das Übergangsgremium nicht was erarbeiten kann und wir damit vorankommen.

Haben Sie im Pfarrhaus was verändert?

De Baey Nein. Dafür wird der schöne Garten, sonst selten in der Innenstadt, umgestaltet. Den kann man ganz gut nutzen, beispielsweise als Treffpunkt für die Gemeinde im Sommer nach Gottesdiensten. Und ich sehe gerne Blumen und Pflanzen wachsen.

Ihr Vorgänger hat in kurzer Zeit viel verändert, nicht alles kam gut an. Wollen Sie einiges korrigieren?

De Baey Nein, im ersten Jahr wird nichts geändert. Dann schaue ich, ob ich an der einen oder anderen Stellschraube drehe, nach intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten. Aber das große Ganze bleibt so bestehen.

Kann die katholische Kirche etwas tun für die Unterbringung von Asylbewerbern?

De Baey Wir haben diskutiert, was aus dem Pfarrhaus in Praest wird. Die Stadt hat schon angefragt, und es gibt noch einen weiteren Interessenten für soziale Arbeit. Für beides ist das Pfarrhaus offenbar geeignet. Das ist das einzige Objekt. Unsere Pfarrheime eignen sich nicht zur Unterbringung.

Reicht das?

De Baey Es ist notwendig, dass wir ein Zeichen setzen für die Menschen, die hier zugewiesen werden. Es geht ja auch um Kinder und Jugendliche. Das ist unsere christliche Pflicht. Unterbringung ist das eine, Betreuung, Einrichtung, Sprachkurse das andere. Deshalb ist es gut, dass der runde Tisch, zu dem der Bürgermeister eingeladen hat, fortgesetzt wird. Wir sind froh, dass so viele genau hinschauen und Hilfe leisten. Da sind Koordinierung nötig und Leute, die den Überblick behalten und Dinge steuern können. Dazu braucht es eine entsprechende Organisation, eine Ehrenamtsbörse oder eine Freiwilligen-Agentur. Wichtig ist, dass hier schon eine ganze Menge passiert, auch für die vielen armen Menschen. Es beeindruckt mich sehr, wie sich Privatpersonen und Gruppen einbringen. Das spricht für die Bürgerschaft und die Kommune.

Ihr Vorgänger kam extrovertiert und dynamisch daher. Sie wirken eher zurückhaltend, ruhig. Niederrheinisches Naturell oder Kalkül?

De Baey Ich bin jemand, der sich das in Gelassenheit und Ruhe ansieht. Jeder muss authentisch sein. Karsten Weidisch, den ich schätze, ist auf seine Weise authentisch, und ich versuche das auch zu sein. Beides hat seine Berechtigung.

(RP)
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