Rees Ende einer Tradition

Rees · Es war ein Gottesdienst der besonderen Art – bodenständig und echt. Und es war das Ende einer Tradition: Pastor Joseph Storm hat den letzten Gedenkgottesdienst am Klosterhügel in Schledenhorst gehalten.

 Pastor Joseph Storm zelebriert die Messe am Klosterhügel in der ihm eigenen Art. Zwischendurch plaudert er auf Plattdeutsch, mahnt die Menschen oft mit einem Funken Ironie in ernsten Worten. Am Ende war die Wehmut bei ihm und der Gemeinde spürbar.

Pastor Joseph Storm zelebriert die Messe am Klosterhügel in der ihm eigenen Art. Zwischendurch plaudert er auf Plattdeutsch, mahnt die Menschen oft mit einem Funken Ironie in ernsten Worten. Am Ende war die Wehmut bei ihm und der Gemeinde spürbar.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Es war ein Gottesdienst der besonderen Art — bodenständig und echt. Und es war das Ende einer Tradition: Pastor Joseph Storm hat den letzten Gedenkgottesdienst am Klosterhügel in Schledenhorst gehalten.

Abschied nehmen hieß es am Sonntag am Klosterhügel in Schledenhorst. Zum 23. und zugleich letzten Mal zelebrierte der Weseler Pastor Joseph Storm am Ort des einstigen Zisterzienserinnen-Klosters den Gedenkgottesdienst zu Ehren des Heiligen Bernhard von Clairvaux (1090-1153).

Etwa 40 Besucher wollten sich die Messe der besonderen Art nicht entgehen lassen, denn Pastor Joseph Storm, Neffe des in Dachau ermordeten Gerhard Storm, legt nicht nur großen Wert auf Bodenständigkeit und Echtheit im Gottesdienst, er selbst ist ebenfalls ein Original. So streute er auch diesmal in den gewohnten liturgischen Ablauf spontane Ergänzungen ein, plauderte munter auf plattdeutsch, verwies auf den derzeit im Urlaub in Castel Gandolfo weilenden Papst Benedikt und bat Gott um Verzeihung, nicht nur für die Sünden der Menschen, sondern auch für deren "Armseligkeiten".

Bemerkenswert war des Pastors Mahnung: "Schaut nicht auf die Fingernägel!", als er die Anwesenden bat sich als Zeichen des Friedens die Hände zu reichen. Für Schmunzeln unter den Besuchern sorgte auch seine unverhohlene Bitte um eine "Scheinwerfer"-Kollekte, sprich: darum, den Klingelbeutel möglichst "lautlos", also mit Geldscheinen, zu füllen.

In dem Gottesdienst — darin wurde der Pastor von Diakon Bernhard Herbst unterstützt — wurde auf eine Predigt verzichtet. Storm verwies diesbezüglich vielmehr auf ein zuvor verteiltes Faltblatt der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel "Im Heute glauben". Auf ein von ihm sehr emotional und zudem gleich zweimal vorgetragenes Goethe-Gebet, in dem es heißt: "Nur wer die Sehnsucht kennt — weiß, was ich leide", wollte er dagegen ebenso wenig verzichten wie auf den schönen A-Capella-Chorgesang der Choral-Schola Herz-Jesu aus Wesel-Feldmark. Diese hatte sämtliche von Storms Gottesdiensten in Schledenhorst seit 1990 treu begleitet.

Nach dem Schlusssegen — "Gehet hin und bringt den Frieden weiter" — erläuterte Joseph Storm, dass es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sei, den Gedenkgottesdienst abzuhalten. Zudem bat er die Anwesenden, diese Stätte, an der man sich nun zum letzten Mal getroffen habe, nicht zu vergessen.

Mit einer stärkenden Mahlzeit, Gesprächen unter Freunden und spürbarer Wehmut auf allen Seiten klang die Gedenkfeier in Schledenhorst aus.

(befi)
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