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Emmericher sucht Mischlingshündin, die er wegen Krankheit in Obhut gab

Keine Spur von Mischlingshündin : Was ist mit „Edana“ passiert?

In Rees ist Johannes ein bekanntes Gesicht: Seit Februar vermisst der Emmericher seine Mischlingshündin, die er während eines Krankenhausaufenthaltes in Obhut gab. Seitdem fehlt jede Spur von dem Tier.

Auf dem Gemeinschaftsparkplatz der Reeser Filialen von Aldi, Kik und Rewe ist Johannes seit anderthalb Jahren eine feste Institution. Viele Einkäufer spenden dem 53-jährigen Emmericher etwas Geld oder ein paar Lebensmittel, halten einen Plausch mit ihm und beschenken seine treue Mischlingshündin Silly mit Tierfutter und anderen Snacks. Bis Februar 2020 komplettierte eine zweite Mischlingshündin das Trio. Doch Edana ist auf ungeklärte Weise verschwunden – und trotz einer umfangreichen Suchaktion bislang nicht wiederaufgetaucht.

Der Tier-Krimi nahm seinen Anfang, als Johannes am 7. Februar ins Krankenhaus musste. Nach einem Schlaganfall, den er vor drei Jahren erlitt, sollten seine Medikamente neu dosiert werden. Die beiden Hunde gab er, getrennt voneinander, in die Obhut von zwei Bekannten, so wie er es auch schon bei früheren Krankenhausaufenthalten problemlos getan hatte. „Doch diesmal hatte ich doppeltes Pech“, sagt Johannes. Silly soll von ihrem Aufpasser schon am ersten Tag ausgesetzt worden sein, wurde aber gefunden und ins Tierheim gebracht. Dagegen tauchte Edana gar nicht mehr auf. Sie soll gegen Geld oder Drogen eingetauscht worden sein, hat Johannes aus dem Umfeld des vermeintlichen Aufpassers erfahren. Dieser Mann wohnt in einer Obdachlosenunterkunft in Emmerich. „Mir hatte er gesagt, er habe eine Wohnung auf der Steinstraße“, sagt Johannes. Auf Nachfrage, was genau mit Edana passiert sei, habe ihm der Mann sogar Prügel angedroht. „Ich habe dann Strafanzeige bei der Polizei gestellt, aber ein Hund gilt nun einmal als Sache“, sagt Johannes. „Und solange der Mann behauptet, er habe Edana einfach nur verloren, kann die Polizei nichts gegen ihn unternehmen, wenn ich nicht das Gegenteil beweisen kann.“

 Mit diesem Plakat wird nach Edana gesucht.
Mit diesem Plakat wird nach Edana gesucht. Foto: scholten
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In der Facebook-Gruppe „Vermisste Tiere im Kreis Kleve“ wird die acht Jahre alte Edana, ein schwarz-brauner Schäferhundmischling, seit Mitte Februar mit Fotos und Beschreibungen gesucht. In Emmerich und auch im niederländischen Nachbarort ’s-Heerenberg haben Tierfreunde, die Johannes bei der Suche nach Edana helfen wollen, Plakate aufgehängt. Doch bislang gibt es weder in Deutschland noch in den Niederlanden eine heiße Spur. Eine der Helferinnen kontaktierte die Rheinische Post und bat um Unterstützung bei der Suche.

Johannes hofft nun auf ein kleines Wunder. Der Verlust der Hündin beschäftigt ihn so sehr, dass er schon handschriftlich ein Gedicht über zwei Din-A4-Seiten verfasst hat und es den Menschen zeigt, die auf dem Parkplatz mit ihm ins Gespräch kommen.

Rees hat sich Johannes, der in Emmerich in einer Wohnung lebt, bewusst ausgesucht: „Bei einem Discounter in Emmerich habe ich Platzverbot bekommen, aber weil jemand anderes bei Aldi saß, habe ich mein Revier nach Rees verlegt. Und vor der eigenen Haustür möchte man nicht so gern betteln.“ Er sagt, die tägliche Fahrt bringe Struktur in sein Leben und sei auch für seine Gesprächspartner in Rees wichtig: „Viele, die keinen mehr haben, kommen zu mir und unterhalten sich mit mir über ihre Sorgen und Probleme. Ich bin da so etwas wie der Friseur. Aber ich schneide keine Haare und bin günstiger.“

(Michael Scholten )