Emmericher Stadtverband Musik fürchtet: Vereine bald nicht mehr existenzfähig.

Bald nur noch Musik aus der Konserve? : Musikvereine plagen Nachwuchssorgen

Heribert Feyen vom Stadtverband Musik fürchtet um die Zukunft der Musikvereine, Chöre und Orchester in Emmerich.

Der Stellenwert von Karneval und Sport sei in Emmerich sehr hoch. „Aber wie sieht es mit der Musik aus“, fragt sich nicht nur Heribert Feyen. Der Leiter von Sing Out Kulturbrücke mit dem Chor „Da capo“ gehört dem 1972 gegründeten Stadtverband für Musik an. Bei der letzten Jahreshauptversammlung wurde genau dieser Punkt von den Vertretern der 16 angegliederten Vereine angesprochen. „Der Nachwuchs fehlt“, so Feyen. Spielmannszüge suchen Flötenspieler, zwei gestandene Männerchöre sind verstummt, Jugendchöre gibt es nicht in Emmerich, im Musikkolleg wird immer weniger ausgebildet.

Insgesamt nur rund 400 Musiker sind in Emmerich und den Ortsteilen aktiv, die Schützenfeste, Kirmes, Umzüge, Gottesdienste begleiten und Konzerte geben. „Wäre es nicht schade, wenn mangels Nachwuchs der Stadtverband für Musik mit seinen Vereinen nicht mehr existenzfähig wäre? Wenn der Karnevals- oder Martinszug ohne Musikkapellen durch die Stadt zieht und nur noch Musik aus der Konserve ertönt? Wenn der Einzug eines Königspaares mit Throngefolge ohne Blasmusik und Spielmannszug stattfindet“, fragt Feyen – in Absprache mit dem Stadtverbandsvorsitzenden Johannes Wellen und Kulturchef Michael Rozendaal.

Die Ausbildungszahlen in den Blasorchestern seien zufriedenstellend. Doch viele Kinder im Alter von 13/14 Jahren springen ab. Die Ausbildungskosten liegen bei den Vereinen, die Mitgliedsbeiträge decken die Kosten bei weitem nicht ab. Familien mit mehreren Kindern benötigen finanzielle Unterstützung.

Der Stadtverband für Musik hat überlegt, wie die vorhandenen Kompetenzen besser genutzt und Musikbegeisterte angesprochen werden können. Daher soll die Arbeit des Stadtverbandes offener und transparenter werden. Zudem sollen Eltern angesprochen werden, ihre Kinder zu ermutigen, ein Instrument zu erlernen, denn Musik trägt zum Wohl und zur Persönlichkeitsbildung bei. Auch Erwachsene sollen zum Mitmachen motiviert werden. Man suche einsatzfreudige Leute in den Vereinen.

Wichtig sei auch die Förderung durch die Stadt,. Der Stadtverband bekommt eine Zuwendung von 5113 Euro – seit vielen Jahren nicht erhöht – und fürs Anmieten von Proberäumen bis zu 5000 Euro. Alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so Feyen. Die Politiker seien aufgerufen, sich den Wert der musiktreibenden Vereine in Erinnerung zu rufen. „Wenn nur noch Sport und Karneval im Vordergrund stehen, bleibt die Musik auf der Strecke.“

Für weitere Infos: Heribert Feyen, Tel. 02822 8435 (heribert.feyen@gmx.de).

(Monika Hartjes )