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Emmericher Rheinbrücke;: Luxuswagen auf Klever Seite im Rhein

Luxuswagen in Höhe der Rheinbrücke im Wasser : War das die Audibande?

Samstag entdeckt die Wasserschutzpolizei unweit der Emmericher Rheinbrücke auf Klever Seite ein Fahrzeug im Wasser. Schnell ist klar: Hier stimmen eine Menge Dinge nicht. Die Spur führt möglicherweise zu Automaten-Sprengern.

  Dieser Fund ist seltsam und bietet allerlei Anlass  zu Spekulationen.

Hier wird das verdächtige Fahrzeug auf ein Transportfahrzeug des Emmericher Autohauses Hüting geladen. Rechts zu sehen ist das Wasser- und Schifffahrtsamt. Foto: Schulmann

Die Emmericher Feuwerwehr hatte am Samstag auf der Klever Rheinseite in Höhe der Emmericher Brücke einen ungewöhnlichen Einsatz. Eine Patrouille der Wasserschutzpolizei entdeckte an Rheinkilometer 853  in Ufernähe einen Audi Quattro, der im Wasser lag. Um 13.49 Uhr rückte der Emmericher Löschzug an mit Unterstützung des Feuerwehrbootes aus Vrasselt.  Vom Boot aus befestigten die Feuerwehrleute eine Seilwinde an dem Wagen, so dass er von Land aus ans Ufer gezogen werden konnte.

Blick in den Motorraum des Fahrzeugs. Die Fahrgestellnummer hätten Auskünfte über den Besitzer geben können. Doch sie wurde manipuliert. Foto: Schulmann

  Während der Maßnahmen  wurde das Teilstück auf dem Rhein durch die Wasserschutzpolizei gesichert.

In dem Fahrzeug befand sich keine Person, an dem teuren Luxuswagen befanden sich auch keine Kennzeichen. Der Wagen kann eigentlich nicht an dieser Stelle ins Wasser gelangt sein, weil dieser Bereich für einen Pkw nicht zugänglich ist. Vermutlich ist er an anderer Stelle in den Rhein gefahren und von der starken Strömung des Flusses bis an den Fundort getrieben worden.

Und hier setzen Vermutungen ein, die nicht von der Hand zu weisen sind. Ist das ein Fluchtwagen der berüchtigten Audibande, von der drei Mitglieder im Sommer vom Landesgericht in Düsseldorf zu Haftstrafen von vier bis sechs Jahren verurteilt wurden?

Die Kreis Klever Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, steht aber noch vor einem Rätsel. Denn die im Fahrzeug entdeckte Fahrgestellnummer ist gar nicht registriert. Sie ist vermutlich manipuliert worden. Die Autokennzeichen sind abmontiert. Warum?

Der Audi wurde am Samstag in den Emmericher Industriehafen gebracht und in Höhe des Wasser- und Schifffahrtsamtes an Land gehievt. Hier konnten sich Polizei und Fachleute das Fahrzeug erst einmal  anschauen und untersuchen.

Ob das Fahrzeug nun wirklich für die Tat einer Geldautomatensprengung verwendet wurde, muss noch geklärt werden. Entwendet dürfte er jedoch sein, denn wer würde ein so hochwertiges Fahrzeug im Rhein versenken?

Also möglicherweise die Audibande? In Düsseldorf standen im vergangenen Sommer drei Mitglieder dieser kriminellen Vereinigung vor Gericht, die Geldautomaten hochprofessionell gesprengt haben. Sie erbeuteten mehr als 600.000 Euro und bekamen rasch den Namen „Audibande“.

Zakaria M. (27), Anouar A. (32) und Samir A. (24)  waren wegen schweren Bandendiebstahls und dem Herbeiführen von Explosionen vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf angeklagt. Die Niederländer, zwei von ihnen besitzen auch den marokkanischen Pass, erbeuteten in neun Fällen zwischen Juni 2017 und Juni 2018 mehr als 600.000 Euro. Der entstandene Sachschaden belief sich auf etwa 100.000 Euro. Die drei Täter – gegen weitere wird gesondert ermittelt – sind nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf ihren Beutezügen in Deutschland „hochprofessionell“ vorgegangen, mit verschiedenen teilweise gestohlenen Autos, meist PS-starke Audis, um sich notfalls in verschiedene Richtungen davonzumachen, falls sie verfolgt werden. Ein solches PS-starkes Fahrzeug ist auch der Audi, der aus dem Wasser gezogen worden ist.

Die Bande trug bei ihren nächtlichen Taten Sturmhauben und schwarze Kleidung. Sie füllten ein Gas-Luft-Gemisch in die Automaten. Mit einer Fernzündung brachten sie das Gemisch zur Explosion und konnten die Kassetten im Tresor freilegen.

Im Oktober 2015 richtete das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen eine Ermittlergruppe mit dem Namen „Heat“ ein, um die spektakulären Sprengüberfälle zentral auszuwerten und den Gangstern endlich auf die Spur zu kommen. Es handelte sich bei der Bande nach gemeinsamen Erkenntnissen der niederländischen und deutschen Ermittler um eine Großgruppe von rund 250 jungen Männern vor allem aus den Städten Utrecht und Amsterdam.

 Seit drei Jahren beschäftigte sich das Landeskriminalamt NRW intensiv mit den Automatensprengern, die über die offene Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden einreisten und unerkannt wieder verschwinden konnten. Die Täter waren schwer zu erwischen.

Die Sprengungen von Geldautomaten erreichten im 2018 einen Höchststand. Das Bundeskriminalamt registrierte 369 Fälle. Das war der höchste Stand seit zehn Jahren – und bedeutete einen Anstieg um 38 Prozent im Vergleich zu 2017, als noch 268 Fälle verzeichnet worden waren.

2009 hatte die Polizei bundesweit 56 Fälle registriert. Bei den 369 Fällen von 2018 handelte es sich um 137 vollendete Sprengungen und 232 Versuche.