Emmerich: Emmericher Milchgeschichte

Emmerich: Emmericher Milchgeschichte

Josef Wellink ist das beste Beispiel dafür, wie gesund Milch sein kann. Sein Leben lang hatte der Landwirt damit zu tun, der heute 92 Jahre alt wird. Er sagt selbst: "Die Milch ist das Geheimrezept fürs Älterwerden."

Milchtankwagen, wie sie heute auf unseren Straßen unterwegs sind, transportieren rund 20000 Liter pro Fuhre, ohne den Einsatz von menschlicher Muskelkraft. Dass das früher ganz anders war, davon kann Josef Wellink berichten. Denn der Emmericher sammelte von 1957 bis 1966 die Milch der Bauern in Klein-Netterden ein. "Das war mit viel körperlicher Anstrengung verbunden", so der Landwirt.

Bereits vor dem Krieg war sein Vater Anton Wellink mit einem Pferdefuhrwerk unterwegs, um die Milchkannen zur alten Hüthumer Molkerei zu bringen. Sein Bereich ging von "Frauenmaad", das liegt hinter dem Munitionsdepot, bis zur 's-Heerenbergerstraße. Auch einige Hüthumer Bauern gehörten zu seinen "Kunden". "Jeder hatte damals Kühe, die Großbauern bis zu 30 Stück", erinnert sich Josef Wellink. Der Vater kam aus Etten und baute "Vehrens-Kämpchen", einen großen landwirtschaftlichen Hof mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Schafen und Gänsen an der Autobahn auf. Die Familie konnte sich selbst versorgen.

Josef Wellink hatte es im Gegensatz zu seinem Vater schon etwas einfacher, als er die Milchfuhre übernahm: Er besaß einen Trecker, einen Hanomag mit 35 PS. Mit den beiden Anhängern dahinter war das Gespann etwa 18 Meter lang. Die Nachbarbauern stellten ihre Milchkannen auf die Straße, wenn er sie abholen sollte. Vor sieben Uhr am Morgen war Wellink bereits unterwegs, an jedem Tag in der Woche. Nur im Winter hatte er am Sonntag frei.

250 Kannen auf dem Wagen

In der Hochsaison im Frühjahr/Sommer musste er bis zu 6000 Liter Milch mit jeder Fuhre transportieren. Die einzelnen Kannen fassten zwischen 20 und 30 Liter, so dass er etwa 250 Milchkannen, jede wog über 20 Kilogramm, in der Frühe auf den Wagen hievte und dann zur Molkerei brachte.

Dort traf er meist zwei andere Landwirte mit ihren Milchtransporten, Franz Heister und Herbert Jansen. Gemeinsam wurden die Anhänger entladen. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Milch in die Waage zu schütten. Oft mussten dann noch kleinere Einkäufe erledigt werden – der eine Nachbar brauchte Käse oder Butter, der andere aus der Genossenschaft Gummistiefel, Briketts oder Tierfutter – dann ging es nach Hause, wobei auf dem Weg die leeren Kannen wieder abgeladen wurden. Gegen 11 Uhr war Wellink dann zurück, jetzt begann die Arbeit auf dem heimischen Hof.

Den übernahm später sein Sohn Leo. Josef Wellink arbeitete, als die Molkerei geschlossen wurde, zunächst beim Amt Rees, dann bei der Stadt Emmerich. Er wohnt mit der Familie seines Sohnes Josef junior in einem Haus am Kapellenberger Weg. Heute wird er 92 Jahre alt. Sein "Geheimrezept" fürs Älterwerden gibt der Senior gerne weiter: "Ich habe viel Milch, Kakao und Sahne getrunken und war immer an der frischen Luft."

(RP)