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Emmericher Künstler Hein Driessen: Zweite Heimat auf Mallorca

Hein Driessen : Der Maler vom Niederrhein

Künstler Hein Driessen hat viel für das Image seiner Heimatstadt Emmerich am Rhein getan – auch von seinem „zauberhaften Spielbein“ Mallorca aus.

Er war ein Pendler zwischen zwei Welten, in denen er mit unbändigem Schaffensdrang Tag für Tag seiner Devise treu blieb: „Jeder Tag, an dem ich nicht male oder zeichne, ist ein verlorener Tag!“ Das machte Hein Driessen, den 89 Jahre alten Künstler aus Emmerich, zum Maler des Niederrheins, obgleich er sich getrost auch als Maler von Mallorca bezeichnen lassen könnte. Fast sieben Jahrzehnte lang ist Driessen freischaffender Künstler, darunter auch 40 Jahre lang bis 2012 mehrere Monate jährlich auf der Sonneninsel. Er schätzt die Zahl seiner in alle Welt verkauften Werke auf unglaubliche 5000 – entstanden in seinem „festen Standbein“ am Niederrhein und in seinem „zauberhaften Spielbein“ auf Mallorca.

Hein Driessen wurde am 2. Oktober 1932 in Emmerich geboren, sein Vater Gerd, Lehrer mit Hang zur Malerei, war befreundet mit dem Künstler Bernd Terhorst, den Driessen schon als kleiner Junge in die bunte Atelierwelt begleitete. Mutter Ella, die  als Hobbyorganistin in St. Aldegundis Orgel spielte, sah schon früh: „Der Junge hat Talent im Zeichnen.“ Und so kam es auch: Driessen erfuhr an der Folkwang-Hochschule für Bildende Künste in Essen und der Werkkunstschule in Düsseldorf seine  Ausbildung, unter anderem auch in Mosaik, Graffiti, Fresko und Fotografie. Schon 1955, gerade mal 23 Lenze jung, wurde er mit dem Bundespreis der Werkkunstschulen Deutschlands ausgezeichnet. „Unsere Professoren haben gesagt, man muss vielseitig sein, um von der Kunst leben zu können“, sagt Driessen rückblickend. Schon Mitte der 50er-Jahre wurde er mit Werken für den öffentlichen Raum in der Region Niederrhein bekannt. Mit Mosaiken, Plastiken und Keramikarbeiten hat er Spuren unter anderem in Krefeld, Neuss, Wesel oder Xanten hinterlassen, ehe er sich der Landschaftsmalerei zuwandte. Seine allererste verkaufte Arbeit entstand 1954 für Xanten: „Hagen ersticht Siegfried an der Quelle“.

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Mit Ehefrau Ute, die er 1957 heiratete, wurde er Vater von drei Töchtern: Ulrike, Carolin und Isabell. „Wegen der Kinder musste ich regelmäßig Geld verdienen, also wurde ich für zwei Jahre Kunstlehrer in Aspel und illustrierte Bücher“, erzählte Driessen an seinem 80. Geburtstag über die kurze Phase vor einem langen Leben als freischaffender Künstler. Das Leben der Familie änderte sich grundlegend, als Hein Driessen sich 1972 entschloss, in dem malerischen Fischerörtchen Cala Figuera eine zweite Heimat zu finden und ein Atelier mit Namen Sirena zu eröffnen. Die Liebe zur Sonneninsel war schon viel früher geweckt – Ende der 50er Jahre hatte Driessen Mallorca im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationalen Jugendaustausch besucht und war in einem Studentenhaus zuständig für „Zeichenunterricht und Festgestaltung“. Der Anfang einer langen Liebe.

40 Jahre lang pendelte Driessen zwischen den zwei so verschiedenen Welten, wobei er in seinen ersten Jahren den Mallorquinern vor allem mit schrillen Aktionen auffiel. Driessen organisierte Happenings, suchte auf der Insel mit Studenten Schrott, aus dem er Skulpturen formte. Driessen: „Wir haben zum Beispiel ein altes Mofa eingegipst, das war eine herrliche Zeit“. Im Laufe der Jahrzehnte wurde Driessen von den Einwohnern des Fischerdorfes als einer der ihren betrachtet: 1992 richteten die Mallorquiner ein großes Fest zu Ehren des Künstlers aus – der Bürgermeister überreichte dem beliebten „Artista pintor“ zum 60. Geburtstag eine Plakette.  Und außerdem hatte Hein einen weiteren Vorteil: „Auf Mallorca genießen Künstler, Pastöre und Ärzte ein enorm hohes Ansehen“, sagt er lächelnd. Das Kapitel Mallorca endete nach dem 80. Geburtstag Ende 2012: Neben zehn prall gefüllten Gästebüchern hat Driessen auch ein Füllhorn an Anekdoten parat. So spielte er  im Film „Hotel Paradies“ eine Nebenrolle – Hauptdarstellerin Grit Boettcher war begeistert vom schauspielerischen Talent. Der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe, der  Sportreporter Manfred Breuckmann oder die  verstorbene Swing-Legende Hazy Osterwald – sie alle gingen bei Hein Driessen ein und aus. Mit einer großen Ausstellung in der Stadt Santanyi nahm Driessen im Frühjahr 2013 standesgemäß Abschied  mit gebührend großem Bahnhof und einer Rede der deutschen Konsulin von Mallorca, Regina Lochner: „Hein Driessen entdeckt das Besondere im Alltäglichen. Seine Malerei ist bestimmt von einer herzlichen und authentischen Begeisterung für seine Wahlheimat auf Mallorca“.

Zwei weitere Höhepunkte seines Lebenslaufes: 1996 reiste Driessen im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums mit dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ vom spanischen Sevilla nach Valletta (Malta). Er hatte den Auftrag, Fotos, Aquarelle und Zeichnungen der Reise zu erstellen. Und mit dem Moerser Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch („Alles, was ich bin, ist niederrheinisch“) verband ihn nicht nur eine jahrzehntelange Freundschatt, sondern auch die gemeinsame Arbeit an mehreren Büchern: Hüsch dichtete, Driessen zeichnete. Auf den Punkt gebracht wurde diese wichtige Niederrhein-Symbiose, als Driessen nach seinem 80. Geburtstag 2013 im Düsseldorfer Landtag ausstellte. Bei der Eröffnung würdigte der Kreis Klever CDU-Parteichef und Landtagsabgeordnete Günther Bergmann aus Kalkar Driessens Werk: „Was Hanns Dieter Hüsch für den Niederrhein mit Worten geschaffen hat, gelingt Hein Driessen mit Pinsel, Buntstift und Farbe. Ihm gelingt es eindrucksvoll, die Bilder und Stimmungen unserer Heimat festzuhalten“. Der Titel der Ausstellung: „Die europäischen Brüder: Ölbaum und Kopfweide in der europäischen Landschaft“, eine weitere Brücke zwischen Emmerich und Mallorca, Driessens Symbolik dafür, dass Europa zusammengehört.

Und natürlich gehört Driessen zu Emmerich wie die Rheinbrücke und die Promenade: Auf dem Schiff „Stadt Rees“ bekam Driessen im Mai 2013 die Ehrenplakette der Stadt Emmerich nach Beschluss des Stadtrates aus den Händen des damaligen Bürgermeisters Johannes Diks verliehen. Der bezeichnete Driessen als „Mensch aus unserer Mitte“, er sei als erster Karnevalsprinz nach dem Krieg, als Ideengeber oder auch als Erbauer des „größten Eimers der Welt“ immer für seine Stadt da gewesen. Kaum ein Mensch habe so viel für das Image Emmerichs getan.