Emmericher Haus im Park stellt kunstvolle Feinkeramik der Firma NBK aus

Kultur : Ein schönes Sammelsurium

Von der Kaffeetasse bis zum Kunstobjekt: Ab Freitag zeigt das Haus im Park Feinkeramik aus fünf Jahrzehnten, die bei der NBK entstand. Viele bekannte Künstler ließen die Stücke bei der Vrasselter Firma brennen.

Meistens ist es ja soNormalerweise bietet das Haus im Park Künstlern eine Plattform, die es erst noch zu entdecken gilt. Wenn am Freitagabend die Ausstellung „Scherben aus Emmerich“ eröffnet wird, wird das etwas anders sein. Die Künstler sind bekannt, doch die Stücke, die hier gezeigt werden, eher nicht. Sehenswert sind sie trotzdem. Und wer hätte gedacht, dass Namen wie Bernd Terhorst, Hein Driessen, Peter Rübsam, Rosemarie Nöcker, Horst Geldmacher oder Dieter von Levetzow auch alle eine Gemeinsamkeit haben? Denn sie alle ließen die hier gezeigten Keramiken bei der NBK, der Niederrheinischen Bau Keramik, in Vrasselt brennen.

Dass die NBK für Fassaden von Prestigebauten auf der ganzen Welt bekannt ist, wissen die meisten. Dass aber in dem Werk an der B8 zwischen den 1930er und 1980er Jahren auch Stücke von namhaften Künstlern gefertigt wurden, ist nur Kennern der Szene bekannt.

Einer davon ist Werner Steinecke, Vorsitzender des Emmericher Kunstvereins und selbst langjähriger Sammler von Keramiken. Er hatte die Ausstellung initiiert, verbunden mit einem Aufruf im Vorfeld, NBK-Keramiken aus Privathaushalten einzureichen. „Die Resonanz war groß“, freut sich Steinecke.

Über 200 Stücke werden gezeigt. Steinecke hat dafür sogar eigens Vitrinen aus dem Museum Kurhaus nach Emmerich bringen lassen, um Gebrauchs-Keramik, aber auch reine Zier-Stücke in Szene zu setzen. Etwa eine buckelnde, weiße Katze von Peter Rübsam, Vasen von Hein Driessen mit abstraktem Dekors oder Akt-Skulpturen von Dieter von Levetzow. Es gibt beeindruckend schöne Kannen, Krüge und Tassen. Schalen und Teller in allen Größen und sogar Tabaktöpfe. Im oberen Stockwerk sind unter anderem abstrakte Relief-Arbeiten von Horst Geldmacher zu sehen. Und weil auch die Fliesen-Malerei niederländischer Art bei der NBK eine große Rolle spielte, gibt es mehrere Mosaik-Arbeiten, die historische Ansichten Emmerichs zeigen.

Von der Vielfalt der NBK-Keramiken ist Werner Steinecke begeistert. „Die hier verwendete Formensprache braucht sich hinter den großen Kunstschulen und Keramikmanufakturen nicht zu verstecken. Auch die unterschiedliche Art der Glasuren ist faszinierend“, erklärt Steinecke.

Viele dieser Arbeiten sind eng mit dem Namen Jupp Heimann verbunden. Er hatte die ehemalige Vrasselter Dachziegelfabrik van Bebber zusammen mit seinem Bruder Heinz 1932 übernommen und in der Folgezeit auch viele Künstler zur Mitarbeit in seinem Werk bewegen können. So ergab sich schnell eine breite Produktpalette in der Feinkeramik, die sich vor allem in der Nachkriegszeit als zweites Standbein der Firma erwies.

Weil nicht nur von Künstlern gefertige Stücke, sondern auch Feinkeramik gezeigt wird, die in größerer Stückzahl bei der NBK hergestellt wurde, zeigt die Ausstellung neben ganz unscheinbar wirkenden Gebrauchsgegenständen manchmal auch echten Nippes. Zum Beispiel einen Teller, der vom Wappen des Altkreises Rees geziert wird.

Für Werner Steinecke ist das allerdings kein Problem: „Das ist ja gerade das Schöne an der Ausstellung; sie zeigt einen guten Querschnitt durch die NBK-Arbeiten und ist ein echtes Sammelsurium“, so der Vorsitzende des Kunstvereins.

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