Emmericher Frauen beteiligten sich am Kirchenstreik

Protest : Kirchenstreik der Frauen: Pfarrer Bernd de Baey sagt zwei Messen ab

Am Wochenende nahmen Emmericher Frauen an der bundesweiten Aktion „Maria 2.0“ teil.

(moha) Eigentlich hätte am Sonntagmorgen in der Heilig-Geist-Kirche der Gottesdienst stattfinden sollen. Doch die kfd-Frauen standen vor der Kirche, weil sie sich dem bundesweiten Streik unter dem Motto „Maria 2.0“ anschlossen. „Die Heilige Messe fällt heute aus, damit niemand in den Konflikt kommt, zwischen der Sonntagsmesse und der Teilnahme an dem Streik entscheiden zu müssen“, sagte Gabriele Debiel, eine der Organisatorinnen, die gemeinsam mit der kfd St. Christophorus zu dem Kirchenstreik aufrief.

„Das war nicht in unserem Sinne“, sagte Anne Puttkammer. „Wir hätten gerne gezeigt, wie leer die Kirche ist, wenn keine Frauen da sind. Die Frauen füllen die Kirche, haben aber nichts zu sagen. Wir finden es wichtig, mit dem Kirchenstreik öffentlich zu machen, was wir an unserer Kirche kritisieren, bevor Frauen sich aus lauter Frust von der Kirche abwenden.“

Die in Münster entstandene Bewegung für mehr Frauenrechte in der Kirche startete am Samstag mit einem einwöchigen Kirchenstreik. Unter dem Motto „Maria 2.0“ wollen die Frauen gegen Machtstrukturen in der Kirche und gegen die Vertuschung von sexuellem Missbrauch protestieren. In Emmerich fanden zwei Veranstaltungen statt: Neben der Aktion am Sonntagmorgen an der Heilig-Geist-Kirche gab es auch am Abend um 18 Uhr an der St. Martini-Kirche eine Protestaktion. Pastor Bernd de Baey erklärte, er habe die Gottesdienste abgesagt, weil er kein gutes Gefühl dabei hatte, auch im Hinblick auf den Hintergrund in Emmerich. „Das kann dann so aussehen, als ob die Gemeindemitglieder wieder Stress mit ihrem Pastor haben.“ Er finde es auch nicht gut, eine Messe zu „verzwecken“.

Die Zulassung von Frauen zum Weiheamt und das Zölibat würden schon lange diskutiert. „Das sind dringende Fragen, die einer Klärung bedürfen. Da wir aber eine Weltkirche sind und beispielsweise in Asien oder Afrika anders darüber gedacht wird, bergen diese Fragen ein Potenzial zur Kirchenspaltung“, so de Baey.

Gemeinsam feierten die Protestierenden vor der Kirche einen Wortgottesdienst, an dem 50 Frauen und Männer teilnahmen. Christel Pawlowski verlas einen „Offenen Brief an Papst Franziskus“ zum Thema Missbrauch in der Kirche.

Nicht alle sahen die im Vorfeld angekündigte Aktion positiv, wie Gabriele Debiel berichtete. Eine Meinung sah so aus: „Die Frauen sollen das machen, was sie können: Kochen und Kinder kriegen.“ Ein Mann schrieb: „Sie werden in der Hölle schmorren.“

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