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Emmerich: Emmericher fordern: Gebt Heroin frei für Abhängige!

Emmerich : Emmericher fordern: Gebt Heroin frei für Abhängige!

"Heroin für alle, die es brauchen!", steht in großen Buchstaben auf den T-Shirts, die die Mitglieder der Emmericher Elterninitiative für Angehörige von Drogenabhängigen tragen. Am Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige, der gestern war, stand eine Gruppe der Initiative auf dem Wochenmarkt, verteilte weiße Rosen. Die Emmericher haben ein wichtiges Anliegen: Heroin vom Arzt für Schwerstabhängige.

"Das Gesetz ist durch. Danach darf von Ärzten schwersterkrankten Abhängigen Heroin gegeben werden", erklärt eine betroffene Mutter, deren Sohn seit 28 Jahren abhängig ist.

Leider sei es sehr schwer, in Emmerich dafür Ärzte zu finden, weil die Ausgabe von Heroin mit besonderen Auflagen verbunden sei. "Aber wir kämpfen weiter dafür, dass unsere kranken Kinder versorgt werden und somit ihr Leben lebenswert wird."

Vor rund 20 Jahren wurde die Emmericher Initiative ins Leben gerufen, noch bevor 1994 der "Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V." gegründet wurde.

Erich Braam, der erste Vorsitzende, der aus Krankheitsgründen nicht an der Aktion teilnehmen konnte, und der mittlerweile verstorbene Eugen Bartels waren federführend beteiligt.

Die Initiative hilft in vielen Bereichen. So wurde das Methadon-Programm auf den Weg gebracht, die Vereinsmitglieder unterstützen bei der Suche nach Therapieplätzen und medizinischer Betreuung, bei Wohnungs- und Berufssuche und bieten in ihrem Haus am Neuer Steinweg 21 eine Unterkunft.

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Das alles gab es vor 20 Jahren in Emmerich nicht. Bei den ersten Treffen kamen 80 bis 90 Angehörige, um für ihre drogenkranken Kinder einen Weg zu finden.

Seitdem gab es 100 junge Leute, die an dem Konsum oder an den Spätfolgen verstorben sind. Die Schicksale sind schlimm. "Ich hatte vor rund 20 Jahren einen Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren. Dann starb vor 16 Jahren mein zweiter Sohn an der Drogensucht", erzählt eine Frau. "Für mich ist das so, als wäre es gestern gewesen", sagt sie unter Tränen. Die Initiative hilft. "Man erfährt, dass es Menschen gibt, die das Schicksal teilen und denen es noch schlimmer geht."

So wie eine andere Mutter, deren Söhne vor fünf und sechs Jahren verstorben sind.

"Mit unserem Aktionsstand auf dem Markt wollen wir den Leuten bewusstmachen, dass die Drogenproblematik in Emmerich nach wie vor vorhanden ist. Wir wünschen uns, dass mehr Ärzte in Emmerich bereit sind, Drogenkonsumenten zu behandeln", so die Betroffenen.

(RP)