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Emmerich zwischen St. Aldegundis und St. Martini

Kultur : Zwischen St. Aldegundis und St. Martini

Die beiden Kirchen bilden „den passenden Rahmen für eines der beeindruckendsten Stadtbilder am großen Strom“, schrieb Alfons Paquets. In Mannis Museum ist die Geschichte Emmerichs vom Haufendorf zur Hafenstadt zu sehen.

Voraussetzungen für das Entstehen früher Ansiedlungen waren Wasser für Tier und Mensch, Weide- und Ackerland, sowie Schutz vor Naturgewalten und Feinden. Alle Voraussetzungen trafen für die Stelle zu, an der Emmerich entstand. Ur-Emmerich, anfangs kaum größer als hundert Meter im Durchmesser und urkundlich erstmals im Jahr 828 erwähnt, muss man sich als ein von einem Ringdeich umschlossenes Haufendorf aus Lehm- und Holzhütten vorstellen – rund um die heutige Aldegundiskirche.

Die ursprüngliche Tauf- und Pfarrkirche Emmerichs wurde im 8. Jahrhundert gegründet. Der erste Kirchenbau war aus Holz und wurde im 11. Jahrhundert durch einen Steinbau in romanischem Stil ersetzt, der 1435 beim großen Stadtbrand gänzlich zerstört wurde. In ihrer heutigen Gestalt entstand die Aldegundiskirche in dem halben Jahrhundert zwischen 1449 und 1500. 1474 wurde der Hauptchor eingeweiht und die Ostteile des dreischiffig angelegten Neubaus konnten in Gebrauch genommen werden, um 1500 waren das Langhaus, die Seitenschiffe und der aus Tuffstein erbaute Turm vollendet. Mit seiner Höhe von 91 Metern war dieser Turm der höchste am Niederrhein.

Eine Aufnahme der Aldegundiskirche vor dem Krieg. Foto: Mannis Museum

Am 2. September 1651 wurde der Helm des Turmes vom Blitz getroffen. Er fing Feuer, hob sich wie eine Fackel in die Höhe und stürzte dann brennend auf das Kirchendach, das dabei zerstört wurde. 1660 fegte ein Sturm über die Rheinstadt und richtete weiteren Schaden an. Erst 1861 erhielt der Turm der Pfarrkirche wieder einen neuen Helm. Durch den Bombenangriff am 7. Oktober 1944 wurde sie fast ganz zerstört, 1953 wieder aufgebaut – ohne Turmhelm.

Der Wiederaufbau der Emmericher Martinikirche. Foto: Mannis Museum

Gemeinsam mit der St. Martinikirche am anderen Ende der Stadtsilhouette am Rheinufer, bildeten die Gotteshäuser nach den Worten von Alfons Paquets - deutscher Journalist und Schriftsteller, geboren 1881, gestorben 1944 - den „passendsten Rahmen für eines der beeindruckendsten Stadtbilder am großen Strom“.

Um das Jahr 1050 wurde die St. Martinikirche gebaut. Damals konnte man nicht vorausahnen, dass der Rhein sein Strombett bis dicht an die Südwestseite Emmerichs verlegen würde. Die Kirche war kaum 100 Jahre alt, als die Chronisten bereits von Hochwasserschäden berichteten. Der Rhein begann zu wandern, im Laufe des 12. bis 15. Jahrhunderts vereinigten sich seine größeren und kleineren Nebenarme zu einem Hauptstrom, der weiter nach Norden wanderte bis dicht unter den Mauern der Rheinstadt – gut für Handel und Schifffahrt, aber eine Katastrophe für die Martinikirche. Denn nun stand sie auf einer Landzunge, die von drei Seiten mit Wasser umbrandet wurde und von der durch Hochwasser und Eisgang immer wieder Teile fortgeschwemmt wurden. Beim Hochwasser 1237/38 drangen die Fluten des Rheins in den Stiftsbezirk ein und richteten an den Häusern der Stiftsherren und an der Kirche erhebliche Schäden an. So häufig die Martinikirche im 13., bis 15. Jahrhundert auch beschädigt wurde, so unverdrossen wurde sie immer wieder repariert und ganze Teile neu erbaut. 1258 hatte der Strom das Westwerk unterspült und beide Turme zum Einsturz gebracht, 1435 kam zu Hochwasser und Eisgang auch noch ein Feuer, dem auch die Aldegundiskirche zum Opfer fiel.

Zehn Jahre später ging man an den Wiederaufbau. Da beträchtliche Teile des Ufervorsprungs weggerissen waren, nahm man eine völlige Umorientierung des Bauwerks von Osten nach Süden vor – früher eher untypisch für katholische Gotteshäuser. So betrachtet wurde Sankt Martini auch schon mal als „Die Kirche, die sich gedreht hat“ bezeichnet.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde das westliche Seitenschiff abgebrochen und das Niveau des Fußbodens um insgesamt etwa 110 Zentimeter erhöht. Im Zuge umfassender Umbauarbeiten wurde 1874 das Seitenschiff neu gebaut. Bomben zerstörten im Zweiten Weltkrieg das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern, Gemeindemitglieder halfen 1964, die Kirche in vereinfachter Form wieder aufzubauen. Bei der umfangreichen Sanierung von 1976 bis 1989 wurde der Fußboden wieder auf das ursprüngliche Niveau gebracht.

Fünf Glocken sind es, die im St. Martini-Turm geläutet werden. Pfarrer Paul Seesing weiß Interessantes über die Glocken zu berichten: Die älteste Glocke ist aus dem Jahr 1434 und 1900 Kilogramm schwer. Die Christusglocke, die am 11. November 1966 gegossen wurde und 4300 Kilogramm wiegt, trägt die Inschrift: „Christus, Friedenskönig, Dein Reich komme! Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn.“  Die kleineren Glocken wiegen 1180, 810 und 450 Kilogramm und wurden am 20. September 1966 gegossen. „Sie verkünden die Botschaft Jesu Christi – eine Botschaft des Friedens.“