Emmerich: Zeugin kommt nicht – Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt

Prozess in Emmerich : Zeugin kommt nicht – Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt

Eine Frau warf einem 47-Jährigen sexuelle Nötigung vor, jetzt sollte es in Emmerich zum Prozess kommen. Doch die Geschädigte erschien nicht - das Verfahren wurde eingestellt.

(cst) „Mit starken Bauchschmerzen“ stimmte Richterin Mareen Hölker am Montag dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu, das Verfahren wegen sexueller Nötigung gegen einen 47-Jährigen einzustellen. Die angeblich Geschädigte, die gleichzeitig die Hauptzeugin ist, war auch zum zweiten Verhandlungstermin am Amtsgericht Emmerich nicht erschienen. So blieb es schlichtweg unmöglich, dem Mann mit Wohnsitz in Düsseldorf seine angebliche Tat nachzuweisen.

Laut Anklageschrift soll er die Frau am 31. Oktober 2017 in ihrer Wohnung in Emmerich stark bedrängt und sie genötigt haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen.

Die beiden hatten sich zuvor in einem Internet-Chat kennengelernt und sich nach mehreren Nachrichten verabredet. Als der mehrfach vorbestrafte 47-Jährige die Frau daraufhin in Emmerich besuchte, soll er begonnen haben, sie unter ihrem T-Shirt zu streicheln. Immer wieder soll sie dabei betont haben, dies nicht zu wollen. Schließlich habe er ihren BH und ihre Hose geöffnet, so die Anklage. Die Frau soll ihm dann gesagt haben, schon einmal vergewaltigt worden zu sein und deshalb nicht mit ihm intim werden zu wollen. Als er dennoch nicht von ihr abließ, gelang es ihr schließlich, ihn wegzustoßen und ins Badezimmer zu flüchten.

Der Angeklagte schwieg an beiden Terminen zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger hatte dem Gericht ein Protokoll des Chat-Verlaufs zukommen lassen, woraus hervorgeht, dass zumindest das Treffen einvernehmlich stattfand. Nach Angaben des Anwalts entstand der Kontakt auf einer Online-Plattform, auf der Nutzer Sex sowohl mit als auch ohne Bezahlung suchen. Ohne die Zeugin ist der weitere Verlauf des Abends jedoch nicht zu ergründen – für ihr Nichterscheinen muss sie ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro zahlen. Mögliche Angst vor dem Angeklagten wollte Richterin Hölker nicht mehr gelten lassen, da die Frau umfassend über Möglichkeiten des Zeugenbeistands informiert worden sei.

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