Emmerich und Nachbargemeinden planen einen "Hot Spot" für Logistik

Zukunftspläne : Ein „Hot Spot“ für Logistik

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Hafen und Logistikbetrieben in den Niederlanden soll weiterentwickelt werden. Die Bürgermeister von Emmerich, Montferland und Zevenaar haben dazu eine Studie in Auftrag gegeben.

Der Hafen boomt. „Hier ist richtig was los, die Container stehen bis ans Gebäude“, sagte Udo Jessner. „Ein Beweis dafür, dass Europa und grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktionieren können.“ Rund 40 Prozent des Umschlags mache der Hafen mit Emmericher Firmen, rund 30 Prozent mit Betrieben der niederländischen Grenzgemeinde. Der Rest kommt aus dem westfälischen Münsterland und Wesel, nur zwei Prozent von der linken Rheinseite.

Seit vielen Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit im Bereich „Logistik“ zwischen dem Hafen und Logistikbetrieben in den Niederlanden. Die Stadt Emmerich will sich jetzt gemeinsam mit den niederländischen Nachbarkommunen Montferland und Zevenaar zu einem grenzüberschreitenden Hot Spot für Logistikdienstleistungen in Europa weiterentwickeln. „Dazu werden wir eine gemeinsame Studie in Auftrag geben, die die Potenziale und die Herausforderungen für die Region im Bereich Logistik beschreibt“, erklärte Bürgermeister Peter Hinze, als er gemeinsam mit Udo Jessner vom Port Emmerich und niederländischen Vertretern die Strategie vorstellte. „Die Daten sind vorhanden, was fehlt, ist eine zusammenfassende Dokumentation und Bewertung.“

Peter Hinze, Udo Jessner, Peter de Baat (Bürgermeister Montferland) und Walter Gerritsen (Beigeordneter Montferland) (v.l.). Foto: hartjes

„SCI Verkehr“ auf deutscher Seite und „Buck Consultants Nimwegen“ auf niederländischer Seite werden die Studie erstellen. „Wir wollen ein eigenes Profil für die Region schaffen. Dazu sammeln wir Daten und führen Gespräche mit örtlichen Unternehmen und Experten, in denen wir erfahren, wie die Region gesehen wird“, erklärte Peter Abelmann von „SCI Verkehr“. Die Daten von beiden Seiten der Grenze werden dann zusammengefasst und bewertet. Daraus können konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Im Herbst soll die Studie fertiggestellt sein. Sie kostet rund 120.000 Euro, die Kosten teilen sich die drei Städte.

Die Landesregierungen beider Seiten in Arnheim und Düsseldorf würden die Region nur als ländlichen Bereich sehen, der nur bis zur Grenze geht, sagte Udo Jessner. Mittlerweile sei der Hafen seitens der Landesregierung zwar als landesbedeutender Hafen anerkannt worden, aber das sei eigentlich nur ein Etikett, dem noch keine Schritte gefolgt sind. Bürgermeister Hinze betonte, dass der Dreiklang zwischen Zevenaar, Montferland und Emmerich große Chancen für den Arbeitsmarkt und für den Logistik- und Gewerbestandort Emmerich bedeute.

„Der Hot-Spot bringt viele Chancen für eine steigende logistische Entwicklung mit Blick in die Zukunft“, sagte Peter de Baat, Bürgermeister der Gemeinde Montferland. Zudem sehe er mehr Anerkennung einer gemeinsamen „Logistik EMZ“ durch die zuständigen Behörden, was auch finanzielle Vorteile bedeuten könne. „Wir machen uns als Partner auf den Weg zu Europa.“ Der Beigeordnete Walter Gerritsen sah auch Auswirkungen auf die Infrastruktur und auf die Entwicklung von Schule, Ausbildung und Studium. Ziel sei es ebenfalls, die vorhandenen Netzwerke zu verknüpfen. Belinda Elfrink, stellvertretende Bürgermeisterin aus Zevenaar, die nicht an dem Treffen teilnehmen konnte, schickte eine Nachricht: „Die Gemeinde Zevenaar ist sehr glücklich über die Zusammenarbeit.“ Der Hafenumschlag sei natürlich ein profitables Geschäft, sagte Jessner. „Aber die eigentliche wirtschaftliche Bedeutung zeigt sich auch außerhalb des Hafens an den entstandenen Arbeitsplätzen und der Nutzung von Bahn, Wasserstraße und Autobahn.“

Jessner erhofft sich von der Studie auch Rückenwind für die Hafenerweiterung, bei den Planungs- und Umweltbehörden und bei der Ausweisung neuer Flächen. „Wir wollen zeigen, dass wir kein ländlicher Bereich sind, sondern eine Region, die brummt!“

Mehr von RP ONLINE