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Emmerich und Denkmal: Familie Schott und ihre schöne Villa in Vrasselt

Emmerich : Wie Geld den Einsturz einer schönen Villa verhindert

Die NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach übergab der Familie Schott aus Vrasselt einen Zuschussbescheid über 127.900 Euro. Durch deren Haus, das unter Denkmalschutz steht, ziehen sich tiefe Risse.

Es scheint, als müsse sich die Stadt Emmerich darum bemühen, dass Ina Scharrenbach (CDU) häufiger in die Rheinstadt kommt. Schließlich scheinen sich die Besuche der nordrhein-westfälischen Ministerin für Heimat, Kommunales und Bau zu lohnen. Als sie 2017 in Emmerich zu Gast war, übergab sie Bürgermeister Peter Hinze einen Förderbescheid von mehr als einer Million Euro für den „Wette Telder“ in der Innenstadt. Das sei damals der erste Termin zur Förderzusage für sie als Ministerin gewesen, so Scharrenbach. Nun hatte sie am Mittwochnachmittag 127.900 Euro für die Familie Schott aus Vrasselt dabei.

Deren historisches Haus an der Reeser Straße steht unter Denkmalschutz. Man muss genau hinsehen, um zu erkennen, was das Problem bei der prächtigen Villa mit dem üppigen Garten ringsum ist: Risse durchziehen das Gemäuer aus dem Jahr 1893. Hintergrund ist eine sukzessive Grundwasserabsenkung in den vergangenen Jahren – offenbar durch den Klimawandel hervorgerufen. Das Fundament, das aus Ton und Lehm besteht, droht wegzusacken.

 Ein herrliches Haus. Aber Risse durchziehen das Gemäuer aus dem Jahr 1893.
Ein herrliches Haus. Aber Risse durchziehen das Gemäuer aus dem Jahr 1893. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)/Stade
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Ein Problem, das in den kommenden Jahren häufiger am Niederrhein auftreten könnte, wie die Stadt Emmerich als Untere Denkmalbehörde vor Ort darlegte. „Wir wissen nicht genau, was passieren würde, wenn wir nichts tun würden. Aber allen ist klar, dass das Haus dann wohl irgendwann einstürzen würde“, sagt Martin Schott, Sohn der Familie.

Zahlreiche Fenster lassen sich seit geraumer Zeit nicht mehr öffnen, andere nicht mehr schließen. Mancherorts entstehen Bodenschwellen, die Risse in den Wänden sind mitunter mehrere Zentimeter dick. Die Jalousien streiken. Der Stuck klafft im Obergeschoss auseinander. Die Schotts merkten zuletzt regelrecht, dass sich das Gebäude bewegt. „Das Haus wird von zwei Seiten auseinander gezogen. Das sorgt dafür, dass all die Instandsetzungsarbeiten der vergangenen 40 Jahre eigentlich umsonst waren. Wir müssen innen und außen praktisch komplett sanieren“, sagt Vater Josef Schott.

Doch das ist ein kostspieliges Unterfangen. So sorgte auch die Stadt für einen heißen Draht gen Düsseldorf. Nun kam die offizielle Zusage aus dem Heimatministerium. 50 Prozent der Baukosten übernimmt das Land NRW, der übrige Teil muss vom Eigentümer getragen werden.

Die Bauarbeiten sind bereits vor Wochen angelaufen, das Fundament wurde von einer Spezialfirma durch Pfähle aus Beton und Stahl stabilisiert. Nun beginnen die Sanierungsarbeiten im Keller und in den Wohnräumen des Hauses, das ein prachtvolles Kind des Baubooms im Kaiserreich ist.

„Der Denkmalschutz und die Denkmalpflege sind wichtige Aufgaben für uns. Diese können wir aber nur gemeinsam mit den Eigentümern bewältigen. Auch dieses Denkmal ist wunderschön, es kann eine Menge erzählen. Dennoch ist die Erhaltung auch sehr aufwendig. Wir sind froh, dass dieses Haus nun für Generationen, hoffentlich für 100 Jahre, instandgesetzt werden kann“, sagte Ina Scharrenbach, die sich genauso wie Bürgermeister Peter Hinze und der Kreis Klever CDU-Landtagsabgeordnete Günther Bergmann über den Vrasselter Hof führen ließ.

Offenkundig will die CDU-Politikerin Ina Scharrenbach mit ihrem Termin in der Rheinstadt auch ein politisches Ausrufezeichen setzen. Schließlich stünde es um den Denkmalschutz in NRW seit einigen Jahren wieder deutlich besser.

Seien 2016 noch 1,6 Millionen Euro Fördergelder von der Landesregierung für Baudenkmäler zur Verfügung gestellt worden, waren es in diesem Jahr bereits 21 Millionen Euro, so die CDU-Politikerin. „Da geht der Dank auch ganz deutlich an den Landtag“, sagte Ina Scharrenbach.

Ihr Ministerium für Heimat, Kommunales und Bau in Düsseldorf hat mit Blick auf den Denkmalschutz ohnehin Großes vor: So ist eine grundlegende Anpassung des Denkmalschutzes geplant. Im März hatte ihr Haus ein neues Denkmalschutzgesetz vorgelegt. Es sieht gravierende Veränderungen vor. So ist etwa geplant, dass der Landschaftsverband künftig nicht mehr beantragen kann, ein Denkmal in der Denkmalliste unter Schutz zu stellen. Das grundsätzliche Verständnis von einem Denkmal soll sich in Nordrhein-Westfalen nämlich wandeln. Von einem Objekt, das es zu schützen gilt, hin zu einem Objekt, dessen Wert sich vor allem an seiner Nützlichkeit bemisst. Der Landschaftsverband kritisierte das Vorhaben scharf. Die Behörde stellt bislang über 90 Prozent der Anträge auf Unterschutzstellung.