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Emmerich: Tisch-Verbot am Rhein wird zum Machtkampf

Heinz-Günter Kantehm und sein Restaurant am Rhein : Tisch-Verbot wird zum Machtkampf

Alle dachten, der Fall Kantehm sei gelöst. Doch die Verwaltung bremst die Politik aus.

Wer hat im Emmericher Rathaus das Sagen: die Politik oder die Verwaltung? Diese Frage drängt sich auf. Es geht um das Tisch-Verbot am Rhein.

Erinnern Sie sich noch an den Aufreger des Sommers in Emmerich? Es ging um Heinz-Günter Kantehm und sein Lokal (früher „Empanadas“) an der Promenade. Die Pächter von Kantehm durften vor seinem Restaurant das nicht tun, was alle andere an der Rheinmeile dürfen: Tische und Stühle aufstellen.

Heinz-Günter Kantehm kämpft gegen die Bürokratie. Foto: van Offern, Markus (mvo)

Das Restaurant neben der großen Christophorus-Figur ist eher klein. Deshalb ist es für die Pächter dort besonders wichtig, im Sommer draußen viele Plätze anbieten zu können. Im Sommer machen die Wirte am Rhein ihr Geschäft.

Leerstand an der Rheinpromenade. Bastian Fassin hat das alte „Kaffeeklatsch“ gekauft und bekommt keine Baugenehmigung. Foto: Christian Hagemann

Jahrelang glaubte man im Rathaus allerdings, dass der Deichverband Tische und Stühle an dieser Stelle verboten habe. Vor dem ehemaligen „Empanadas“ geht es runter zum Treidelpfad, eine mögliche Schwachstelle bei einem Hochwasser.

Der Deichverband sieht das allerdings gelassen. Tische und Stühle stören ihn an dieser Stelle nicht, zumal sie - sollte ein Hochwasser kommen - schnell weggeräumt sind. Und im Sommer führt der Rhein ohnehin kein Hochwasser...

Die Verwaltung ließ zwei weitere Argumente folgen. Zum einen müsse an dieser Stelle die Fläche frei bleiben für Rettungsfahrzeuge. Zum anderen handle es sich um eine stadtplanerisch gewollte Sichtachse, durch die von der Innenstadt aus die freie Sicht auf den Rhein möglich sei. Tisch und Stühle würden das verhindern.

Da platzte der CDU der Kragen. Sie erklärte, dass nun die Politik die Sache regeln werde. Es gab einen Ortstermin Anfang September mit der Politik, der Verwaltung und mit Nachbarn. An diesem Nachmittag hatte Bauamtsleiter Jens Bartel schlechte Karten, als er auf Probleme und Gesetze hinwies. Denn am Ende räumte er ein, das die Lösung beim Rat liegt. Der müsse, so Bartel damals, lediglich die alte Gestaltungssatzung für die Promenade aus 2008 ändern, so dass auch bei den Kantehms Tische und Stühle stehen dürfen. Als dann noch Feuerwehrchef Martin Bettray erklärte, die Tische seien bei einem Abstand von 3,50 Metern zum Restaurant kein Problem für Rettungsfahrzeuge, schien alles klar.

Dachten alle.

Doch nun hat Heinz-Günter Kantehm einen Termin bei Jens Bartel gehabt. Der erklärte ihm, dass er eine maßstabsgetreue Zeichnung brauche, wo Tische und Stühle stehen und in welcher Zeit diese im Falle eines Falles wieder abgebaut werden können. Das Ganze gehe dann an die Bezirksregierung in Düsseldorf, die dann weitere Schritte einleite. Kantehm fiel aus allen Wolken.

 Ein Insider, der seit Jahren in der Emmericher Politik unterwegs ist: „Die Bezirksregierung in Düsseldorf macht, was die Emmericher Verwaltung will. Und wenn die Emmericher Verwaltung nicht will, dass da Tische und Stühle stehen, wird das in Düsseldorf so gedreht.“

Der Fall erinnert an einen zweiten Fall, bei dem Politik und Verwaltung im Clinch liegen. Es geht um das alte „Kaffeeklatsch“ an der Promenade. Das hat Bastian Fassin gekauft. Zwei Entwürfe hat sein Architekt inzwischen eingereicht. Beide sind abgelehnt worden. Es geht um 50 Zentimeter, um die das Gebäude im Vergleich zu den Nachbarn zu hoch sein soll.

Botho Brouwer (CDU) platzte jüngst der Kragen. Sein Vorwurf: Das Bauamt hilft Antragstellern nicht und verhindert Fortschritt. Der Vorwurf geht auch an die Adresse vom Ersten Beigeordneten Dr. Stefan Wachs, der die Bauverwaltung verantwortet. Er ist Mitglied der CDU, seit 2001 Beigeordneter, einstimmig zum zweitem Mal für acht Jahre wiedergewählt worden und gilt im Emmericher Rathaus schon lange als der heimliche Chef.