Emmerich: So feiern die Borussia-Schützen in Emmerich

Brauchtum : Michael Wulf regiert bei der Borussia

Der 53-Jährige, der bei Frankfurt wohnt, aber ein waschechter Emmericher ist, holte den Vogel mit dem 24. Schuss von der Stange. Ein Schützenfest der Borussia hat er noch nie verpasst. Königin wird seine Schwester Marita Daams.

Um 19.30 Uhr am Montagabend war es soweit: Mit dem 24. Schuss fiel der Vogel von der Stange. „Ich kann es nicht fassen“, strahlte Michael Wulf, neuer König der Borussia-Schützen. Zwar arbeitet der gebürtige Emmericher in Oberursel bei Frankfurt als Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Rolls Royce Flugzeugmotoren und wohnt auch dort, aber er ist ein echter Borusse und bei jedem Schützenfest dabei.

Von seinem 16. Zug, der den 35. Geburtstag feierte, trat mit Manfred Langanke und Thomas König gleich ein Trio an zum Königsschießen. Der 53-Jährige setzte sich in einem spannenden Wettkampf durch. Er wuchs mit dem scheidenden König Sigmar Peters auf, ihr gemeinsamer Großvater Engelbert war 1948

Schützenkönig. Königin soll seine Schwester Marita Daams werden. „Die war schon mal Königin, die weiß, wie das geht“, sagte die Majestät glücklich.

Traditionsgemäß fand das Antreten am Montagmorgen auf dem Platz „Alter Markt“ am unter reger Beteiligung der Bevölkerung statt Beim Einmarsch der Gäste und des noch amtierenden Schützenpaares Sigmar und Melanie Peters fand ein kleiner Zwischenfall statt. Weinend lief der vierjährige Henry zu seiner Mama, der Schützenkönigin Melanie, die ihn liebevoll in ihre Arme nahm. „Das erinnert mich an eine Szene in dem Film Sissi“, kommentierte Bataillonskommandant Albert Mosterts die rührende Situation. Stolz half der kleine Mann seiner Mama bei der Ordensüberreichung und Jubilarehrung und gratulierte den Schützen mit einem „Give-me-five-Abklatschen“. Später durfte er in der Kutsche mitfahren.

Befördert wurde Alois Zimmermann vom Fähnrich zum Oberfähnrich. Für 65 Jahre Vereinstreue wurde Horst Klotzsch (6. Zug), für 60 Jahre Günter Dormann und Hermann Vermaeten (beide 7. Zug) geehrt. Bereits am Sonntag wurde Laurens Kerst neuer Jungschützenkönig.

Oberst Mosterts – hoch zu Ross – begrüßte alle. Er freue sich  besonders auch über die Gäste aus Schwerin, München und dem ehemaligen Jugoslawien, die zum 171. Schützenfest der Borussia in ihre Heimat gereist waren Herzlich begrüßt wurde auch eine berittene Abordnung des Reiterzuges Wesel, die den Borussia-Reiterzug begleitete.

Dann hielten sich die Zuschauer die Ohren zu, denn es erfolgte der Kanonenschuss der Stadtgarde. „Damit man bis zur Kirmes hört, dass die Borussia-Schützen feiern“, sagte Mosterts. Das Rohr der Kanone stammt vermutlich aus 1870/71. Nach dem Krieg in diesen Jahren kam die belgische Kanone als Beuterohr nach Deutschland, erzählte Robert Beutin, Hauptmann aD. Das Unterteil der Kanone wurde bei Probat gebaut. „Im Jahr 2003 wurde dann diese Kanone von Hans van Gimborn an unseren Direktor Bert Gricksch übergeben“, sagte Beutin.  Für den Schuss werden 410 Gramm Schwarzpulver benötigt.

Nach dem „Rums“ standen die Schützen kurze Zeit im Rauchnebel, danach zogen sie durch die Stadt zum Kapaunenberg, wo das Preis- und Königschießen stattfand. Die Krone schoss Thomas Reintjes, den Kopf Tim Roosendahl, den rechten Flügel Bastian van Nüß, den linken Thomas König, den Reichsapfel Klaus Gruyters und das Zepter Cederic Thenagels. Am Abend stand der Zapfenstreich auf dem Programm, danach wurde die neue Majestät inthronisiert.

Am Samstag, 14. Juli, um 19.30 Uhr findet im Schützenhaus der Königsball statt.