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Hunderte Gläubige sind empört: Emmerich kämpft für zwei Geistliche

Hunderte Gläubige sind empört : Emmerich kämpft für zwei Geistliche

Hunderte Gläubige gehen in Emmerich auf die Barrikaden, damit ihr Pfarrer und ihr Kaplan bleiben dürfen. Angesichts des Proteststurms haben Bistumsvertreter einen für heute geplanten Besuch in der Stadt kurzfristig abgesagt.

Eine Woge der Empörung rollt durch die Stadt Emmerich am Rhein. Zwei junge Geistliche, der leitende Pfarrer Karsten Weidisch (41) und der Kaplan Christian Olding (30), sollen die katholische Gemeinde "St. Christophorus / St. Johannes der Täufer" verlassen. Seit das am Samstag bekannt wurde, tobt der Protest.

Pfarrer Weidisch und Kaplan Olding sind in Emmerich beliebt, aber keineswegs unumstritten. Seitdem die beiden Geistlichen im September 2011 eingesetzt wurden, hatte es in der Gemeinde auch Spannungen gegeben. Es formierten sich Widerstände gegen neue Gottesdienstformen und neue Strukturen in der Gemeindearbeit. Wie sich jetzt herausstellte, waren seit zwei Jahren immer wieder Beschwerdebriefe über Weidisch beim Bistum Münster eingegangen. Und auch an den Gottesdiensten, mit denen Kaplan Olding unter dem Titel "Veni" landesweit bekannt wurde, gab es Kritik.

Die "Veni"-Messen sind spektakulär gestaltet. Dabei werden Filmszenen auf Großleinwänden eingespielt, bunte Lichteffekte fluten den Kirchenraum, und gelegentlich darf Kunstnebel zwischen den Bänken wabern. Viele missbilligten das. Andererseits füllen diese Gottesdienste die größten Gotteshäuser. Jugendliche gründeten auf einmal kirchliche Gruppen. Menschen, die seit Jahren nicht mehr viel mit der Kirche zu tun hatten, fanden wieder zurück.

Wegen der anhaltenden Querelen in der Gemeinde, so die offizielle Begründung, sollen der Pfarrer und den Kaplan nun gehen. Pfarrer Weidisch ist seit Dienstag "entpflichtet" und vorerst beurlaubt. Kaplan Olding soll im Juni folgen — und die Gläubigen sind empört. Heute Abend wollen sie eine Menschenkette bilden. Gemeindemitglieder sammeln Unterschriften, die Zahl der Unterzeichner ging am Mittwoch auf 1000 zu. Eine Facebook-Gruppe "Pro Karsten Weidisch/Christian Olding", gegründet am Samstag, hatte binnen drei Tagen 900 Mitglieder, gestern waren es an die 2600. Und schon am Samstagabend hatten Hunderte Menschen spontan auf dem Platz vor der Pfarrkirche demonstriert.

Eigentlich wollten Vertreter des Bistums Münster, unter anderem Weihbischof Wilfried Theising aus Xanten, heute zu einer "Aussprache" kommen. Als aber klar wurde, dass "nach vorsichtigen Schätzungen" deutlich über 1000 Menschen anrücken würden, sagte das Bistum den Besuch kurzfristig ab — aus Sicherheitsgründen, hieß es.

"Die haben die Situation hier völlig falsch eingeschätzt", so kritisiert Andrea Schaffeld, die Vorsitzende des Rates der großen, fusionierten Seelsorgeeinheit, das Bistum. "Die dachten wohl, es kommen 100 oder 200 Leute." Ihre Forderung: "Sie sollen den Pastor hier lassen, wir brauchen Unterstützung von der Bistumsleitung. Wir haben versucht, ihr vor Augen zu führen, was das alles mit den Menschen hier macht."

Dass es nach allem Widerstand nun zu einem derartigen Aufstand kommt, hat das Bistum offensichtlich überrascht — und bringt es zumindest teilweise zum Einlenken. "Wenn Herr Kaplan Olding das möchte, kann er bis zum Ende seiner Kaplanszeit (im Sommer 2015) in Emmerich bleiben", teilte der bischöfliche Sprecher Stephan Kronenburg jetzt mit.

Ob es auch für Pfarrer Weidisch in Emmerich eine Zukunft geben könnte, lässt das Bistum noch offen. Nur so viel: Man führe Gespräche — auch in den nächsten Tagen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden", so Kronenburg.

Andrea Schaffeld hofft, dass der Fall Emmerich dafür sorgt, dass Konflikte anderswo besser gelöst werden. "Was hier passiert, wird auch von anderen Gemeinden wahrgenommen. Wir müssen so stark werden, dass das nicht wieder vorkommen kann." Denn die Nachrichten verbreiten sich: Auch in Xanten und Cloppenburg, beides frühere Wirkungsstätten von Karsten Weidisch, wollen sich heute Menschenketten formieren.

(RP)