Emmerich: geschichtsverein machte Ausflug nach Osnabrück

Emmerich/Stapelfeld: Neue Erkentnisse in Stapelfeld

Der Emmericher Geschichtsverein ist einer der größen Vereine in Emmerich. Sein Sommerseminar ist hochkarätig.

Vor Kurzem trafen sich Mitglieder und Gäste zur 28. Sommertagung des Emmericher Geschichtsvereins in der Katholischen Akademie Stapelfeld, wo das Thema „Frieden“ unter historischen, philosophischen und kunst-kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten betrachtet wurden.

 Nach der Begrüßung langjähriger und neuer Teilnehmer und der Einführung in das Thema zeigte Martin Feltes von der Akademie Stapelfeld Gemälde und Fotographien, die Frieden und die Sehnsucht danach zum Ausdruck brachten.

Dabei ging er besonders auf Gemälde von Peter Paul Rubens ein, der nicht nur ein bedeutender Maler des flandrischen Barocks, sondern auch Diplomat im Dreißigjährigen Krieg war. Von Pablo Picasso und weiteren Künstlern wurden Bilder gezeigt, die die Abwehr vom Krieg und die Hinwendung zum Frieden symbolisierten.

Statt des Vortrages von Bernhard Lensing, der erkrankt war, zeigte Feltes die „30 Bilder für den Frieden“ der aktuellen Fotoausstellung vom Katholikentag in Münster. Er ließ die Emmericher in die Rolle der Juroren schlüpfen und ihre Bilder des Friedens bestimmen. Erstaunlich war dabei die weitgehende Übereinstimmung mit der Auswahl der offiziellen Jury des Kirchentages.

 Zwei grundlegende Referate hielt wie schon in den vergangenen Jahren Irmgard Hantsche, die auch Martin Feltes und Bernhard Lensing bei der Vorbereitung des Seminars unterstützt hatte.

Sie warf zunächst die Frage auf: „Ist der Westfälische Friede eine Epochengrenze?“, wobei die Teilnehmer diese Frage diskutierten. Den „Versailler Vertrag“ verdeutlichte sie durch eine chronologische Aufstellung der Ereignisse und durch Beiträge von Historikern, Politikern und Publizisten, (Margaret MacMillan, David Lloyd George, Sebastian Haffner und Fritz Dickmann).

 Unter dem Titel „Belebe meine Brust“ konnte Emile Smits erstaunlich viel über die Friedensfeiern im Klevischen Raum erzählen, und er lud alle Teilnehmer zum diesjährigen historischen Fest in seine Heimatstadt Huissen, einer ehemaligen klevischen Enklave, ein. In einem zweiten Vortrag schilderte er die Aufnahme von Kaiser Wilhelm II. auf Schlosss Amerongen und sein Leben in Huis Doorn aus der Sicht der niederländischen Publizistik.

 Pater Karl Heinz Fischer begann seinen Vortrag mit Stellen aus der Genesis, wo über Frieden und Unfrieden berichtet wird, ging anschließend auf griechische Philosophen ein und erinnerte an die Predigt von Papst Franziskus „Opus justitiae pax! - Der Friede ist Werk der Gerechtigkeit“.

 Bei dem Thema „Gerechtigkeit und Frieden küssen sich“ spannte Jan Heiner Schneider den Bogen von den Psalmen über das Neue Testament bis zu William Penn und Dorothea Sölle. Dazu zeigte er beeindruckende Bilder von Edward Hicks, Volker Stelzmann und Otto Pankok.

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 Ein besonderes Erlebnis war der inzwischen traditionelle Tagesausflug. In der Friedensstadt Osnabrück begann die Führung im Rathaus, wo die 42 Porträts der Verhandlungsteilnehmer des Westfälischen Friedens zu sehen waren.

Das Felix-Nussbaum-Museum beeindruckte nicht nur durch seine Architektur, sondern durch die unterschiedlichen Bilder des jüdischen Künstlers, die der Gruppe durch eine professionelle Führung nahegebracht wurden.

Martin Feltes führte durch den Kultur-Bahnhof Cloppenburg, der mit Unterstützung vieler Vereine und Mitteln der Europäischen Gemeinschaft geschaffen worden ist. In der Kunsthalle ist zur Zeit eine Ausstellung „Annäherungen“ von Jürgen Tarrasch, früher Emstek (bei Cloppenburg) – heute Alabama, zu sehen.

In dem ansprechend gestalteten Raum hielt Wolfgang Urbach seinen Vortrag „1990/1991- Endlich Frieden für Deutschland“. Dabei informierte er über die Entwicklung der Souveränität Deutschlands bis zum „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“, dem „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ vom 12. September 1990 (bzw. 15.März 1991).

Antoon Berentsen und Hendrik Wirz betrachteten den „Frieden im Spiegel der Literatur und der Musik“.

Berentsen war sehr erfreut, im Laufe des Jahres den Text „Het juichende Emmerik over den herstelden Vrede“ gefunden zu haben, den er in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. Das Büchlein, das 1763 in Amsterdam erschienen ist, berichtet ausführlich über die Feier des Hubertusburger Friedens in Emmerich.

Nachdem Hendrik Wirz Werke einige Musiker wie Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Schubert und Johann Strauß und ihren Bezug zum Frieden genannt hatte, ließ er Teile aus der Leningrader Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch aus dem Jahre 1941 erklingen.

 Im Wortgottesdienst wurden die Namen der Mitglieder des Emmericher Geschichtsvereins verlesen, die seit dem letzten Ferienseminar gestorben sind. Zum Abschluss erklang das Lied, das viele Menschen beim Westfälischen Frieden gesungen haben: „Nun lob, mein Seel, den Herren“.

 Damit endete eine gelungene Veranstaltung des Emmericher Geschichtsvereins.

(RP)
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