Emmerich: Der Alte Markt damals und heute

Emmerich: Der Alte Markt im Wandel der Zeit

Der Platz war mal das Zentrum der Stadt. Heute ist er eher ein Parkplatz mit Zugang zur Promenade. Alte Bilder zeigen, wie sehr die Stadt durch die Bomben des Krieges ihre Schönheit verloren hat.

„Der „Alte Markt“ war früher Schauplatz vom städtischen Leben, von Handel, Paraden, Wochenmärkten, Standort der Stadtwaage und einer Pumpe. Der Name hat nichts damit zu tun, dass der Platz schon sehr alt ist. Das Wort „alte“, das in älteren Urkunden auch als „ahlde“ zu finden ist, steht für eine Abkürzung von „Aldegundis“ – die Namenspatronin der Kirche, die in der Nähe steht. In der Zeit, als aus Aldegundismarkt“ der „Aldemarkt“ wurde, war der Ausdruck für „alt“ das Wort „oud“.

Zum ersten Mal erwähnt wurde der Markt in der Stadterhebungsurkunde vom 31. Mai 1233. Besonders auffallend ist der Treppengiebel vom „Hof von Holland“, ein altes Patrizierhaus, das im Jahre 1650 erbaut wurde. Vorher stand dort bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts das erste Rathaus der Stadt. Der „Hof von Holland“ wurde für verschiedene Zwecke verwendet: Im 19. Jahrhundert richtete man dort das erste Hotel von Emmerich ein. Die städtische Altertumssammlung wurde zwischendurch dort untergebracht, dann war das Haus eine öffentliche Lesehalle und schließlich ein Wein- und Bier-Restaurant. Auch heute wird in den Räumlichkeiten ein Restaurant betrieben.

Der Alter Markt vor dem Krieg. Foto: NN

Vor dem „Hof von Holland“ fand jeden Donnerstag der Fischmarkt statt. „Vandag öm füff Ühr allerhand Szoorte Rhinfesse, Bräßem, Schnuck en Aale te hebben an de Fessbank op den olden Märt“, verkündete jede Woche der „Roje van Hall“ mit lauter Stimme und Glocke in den Straßen der Stadt. Er übernahm auch den anschließenden Verkauf: „Ein Flakje prima Bräßem för sessteg Pennenge!“ Ein „Flakje“ war ein flacher Korb aus Weidengeflecht, in dem die Fischer ihren Fang sortierten. Der letzte Fischmarkt fand 1930 statt.

Neben dem „Hof von Holland“ befand sich das Kolonialwarengeschäft „Zur Waage“. Dort hing auch die offizielle Stadtwaage, damit niemand mit falschen Gewichten betrügen konnte. Besitzer des Kaufhauses war Johann Wilhelm Hövelmann.

So sieht der Alter Markt heute aus. Foto: Monika Hartjes
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Am Krantor, durch das man vom „Alter Markt“ an den Rhein kommt, liegt als einziges Gebäude die Gastwirtschaft „Onder de Poort“, die eine über 600-jährige Geschichte hat. Berühmt wurde das Gasthaus durch das „schöne Kätchen“, Tochter von Christophel Rickers, „Brandenburgisch Generalinspektor over de Tollen en Licenten van den Rijnstroom“.

Auch andere Geschäfte gab es vor dem Krieg am „Alter Markt“. Neben dem Friseur Batje Schweers befand sich das Lokal „Zur Klinik“. Der Wirt Reyers hatte Medizin studiert. Außerdem gab es ein Feinkostgeschäft, geführt von Hilde van Berkel, das Porzellangeschäft Fassin und ein Bazar, wo hauptsächlich Spielsachen angeboten wurden. Vor der Zerstörung am 7. Oktober 1944 war dort auch eine Straßenbahn-Haltestelle für die Bahn, die bis nach Wesel fuhr.

Nach dem Krieg veränderte sich immer wieder das Gesicht vom „Alter Markt“. Mal stand dort ein Kandelaber, mal die Fährmann-Skulptur mit Brunnen, zwischendurch auch eine Telefonzelle aus der englischen Partnerstadt King’s Lynn. Im Jahr 2005 wurde der Platz umgestaltet. Besonders viele Besucher hat der „Alter Markt“, wenn alljährlich die Borussia-Schützen dort antreten und die Stadtgarde einen Schuss aus der alten Kanone abfeuert.

(moha)
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