Emmerich: Brücken-Sperrung sorgt für Ärger

Geplante Sanierung : Brücken-Sperrung ärgert Gastronomen

Die erste Vollsperrung der Emmericher Rheinbrücke hat am Wochenende für viel Ärger gesorgt.

Sogar die Iren bekamen die Auswirkungen der gesperrten Rheinbrücke zu spüren: Als die Weltmeister im Irish Dance am Freitag ab 20 Uhr im Emmericher Stadttheater steppten, fehlte im Publikum so mancher linksrheinische Besucher, der andernfalls gern die Show „Magic of the Dance” gesehen hätte. „Ich wäre problemlos hingekommen, aber nicht mehr zurück”, hatte ein Pensionär aus Kranenburg bereits im Vorfeld sein Fernbleiben aus dem Emmericher Stadttheater entschuldigt.

Denn um 21 Uhr begann am Freitag das autofreie Wochenende auf der Rheinbrücke Emmerich-Kleve. Sie wurde für den Autoverkehr voll gesperrt. Zur Vorbereitung der vier Jahre dauernden Sanierungsmaßnahmen müssen die vier Pylone der Brücke eingerüstet werden: Damit später bei den Arbeiten keine Teile auf die Autos fallen können, erhält die Fahrbahn derzeit zwischen den Pylonen eine Art Schutzdach, das über dem fließendem Verkehr nicht montiert werden kann.

Alle Pkw und Lkw, die zwischen Freitagabend und Montagmorgen, fünf Uhr, von einer Rheinseite auf die andere wollten, mussten eine Umleitung über die Rheinbrücke Rees-Kalkar fahren. Ein Verkehrschaos blieb auf der ausgeschilderten Strecke aber aus. Nur zu Spitzenzeiten gab es einen Rückstau am Reeser Kreisel oder an den Auffahrten zur Brücke auf beiden Rheinseiten. Wohl auch deshalb, weil am Wochenende nicht die üblichen 20.000 Fahrzeuge, die sonst an Werktagen über die Emmericher Rheinbrücke fahren, auf den Straßen unterwegs waren. Viele Emmericher und Klever waren durch Medienberichte auf die Vollsperrung am vergangenen (wie auch am künftigen) Wochenende informiert und hatten ihre Aktivitäten darauf abgestimmt.

Andere hatten die Rheinbrücke bewusst zum Ausflugsziel erklärt, zumal der Geh- und Radweg genutzt werden konnten. So beobachteten und fotografierten am Samstag und Sonntag viele Schaulustige die Arbeiten, die mit Kränen und sonstigem schweren Gerät, teilweise bei Temperaturen von bis zu minus sieben Grad Celsius, von einer Spezialfirma durchgeführt wurden.

Wenig Begeisterung herrschte allerdings bei Dimitri Botsaris, Geschäftsführer des Restaurants Korfu am Oraniendeich auf der linken Rheinseite. Profitiert der griechische Gastronom sonst von der Nähe zur Rheinbrücke und von der Aussicht auf die Emmericher Rheinpromenade, so sorgte die Vollsperrung für Einbußen im Wochenendgeschäft: „Fast alle Niederländer sind weggeblieben”, sagte Dimitri Botsaris am Samstagabend auf Anfrage der Rheinischen Post. „Bestimmt 80 oder 90 Prozent” der sonst so treuen Zielgruppe aus dem Nachbarland hätten ihm am Samstag und Sonntag gefehlt, weil der Umweg über Rees nicht zumutbar gewesen sei: „Den Schaden ersetzt mir natürlich keiner. Aber wenn ich mal die Umsatzsteuer einen Tag zu spät zahle, steht gleich jemand auf der Matte.” Dimitri Botsaris bemängelt, dass er nicht von offizieller Seite über die Sperrung informiert wurde: „Wir haben es aus der Zeitung und von Gästen erfahren.” Weniger Vorräte hat er deshalb aber nicht eingekauft: „Die Küche muss immer auf Gäste vorbereitet sein. Das ist das Risiko des Gastronomen.” Besonders stolz ist Dimitri Botsaris auf seine Angestellten, die in Emmerich wohnen und zu Fuß über die Brücke zur Arbeit gekommen sind. Auch einige Stammkunden seien diesem Beispiel gefolgt.

Wer am Samstagabend über die Emmericher Rheinpromenade lief, hatte nicht den Eindruck, dass die lokale Gastronomie allzu stark von der Brückensperrung betroffen war. „Es ist etwas ruhiger als sonst”, sagte Ljupco Djordjevsko vom Restaurant Schlemmerich. Mehrere Gäste, die sonst gern aus Kleve nach Emmerich kommen, blieben fern. Auch zwei Angestellte, die in Kleve wohnen, hatten eine erschwerte Anreise: „Sie sind mit dem Bus bis zur Brücke gefahren, dann zu Fuß gelaufen, und ich habe sie an der Abfahrt auf Emmericher Seite abgeholt.”

Beim Taxiunternehmen Vels fielen zahlreiche Emmerich-Kleve-Fahrten aus, die normalerweise zum Wochenendgeschäft gehören. „Wir hatten Anfragen von Kunden, die nichts von der Sperrung wussten”, hieß es aus der Zentrale. „Die haben wir vor dem Umweg über die Reeser Rheinbrücke gewarnt.” In der Regel sei das Taxameter ausgeschaltet und ein Festpreis vereinbart worden.