Emmerich: Barrierefreie Draisine in Kranenburg vorgestellt

Emmerich: Draisinen jetzt auch barrierefrei

Ab sofort können auch Rollstuhlfahrer mit der beliebten Draisine fahren. Drei Fahrzeuge wurden dafür in Kooperation mit der Dekra umgerüstet. Und es können noch mehr werden.

Mit einem breiten Lächeln sitzt Renate Jäger auf der Draisine. Für sie ist die Fahrt heute mit einem der Fahrzeuge von Grenzland-Draisine am Draisinenbahnhof in Kranenburg etwas besonderes. Bislang konnte sie nämlich nicht mitfahren. Denn Renate Jäger sitzt im Rollstuhl.

Dass das jetzt kein Problem mehr ist, liegt an Gerd Scholten, Geschäftsführer Grenzland-Draisine, und Andreas Kohla, Prüfwesen der Dekra. Sie haben gemeinsam einen behindertengerechten Umbau von Draisinen ausgearbeitet. „Herr Scholten kam schon vor einiger Zeit auf mich zu. Allerdings mit einem viel einfacheren Entwurf“, sagt Kohla und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich glaube, dass er sich den Umbau etwas leichter vorgestellt hat.“

Mittels einer extra angefertigten Rampe aus Metall, die in den Boden der Draisine eingehängt werden kann, können Menschen mit Rollstühlen auf die Draisine geschoben werden. Die Sitzbänke werden abgenommen. Dann wird der Rollstuhl mit vier Gurten gesichert, der Fahrer mit einem zusätzlichen fünften. Zum Schluss wird die Rampe wieder abgenommen. Dann kann es losgehen. Renate Jäger ist begeistert: „Das war wunderbar. Ich würde gerne noch weiterfahren“, sagt sie. Den Gefallen tun ihr die beiden Helferinnen, die die Draisine mit Pedalen antreiben – und stoßen dabei leicht gegen eine weitere Rampe, die die Teststrecke abgrenzt. Auch dabei bleibt der Rollstuhl von Renate Jäger fest auf der Draisine gesichert. „Wir wollten nur die Sicherheit demonstrieren“, sagt Gerd Scholten und lacht.

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Vor zwei Jahren sei dem Geschäftsführer der Gedanke für barrierefreie Draisinen gekommen. „Wegen der vielen Sicherheitsvorkehrungen, die man beachten muss, hat es allerdings etwas gedauert“, so Scholten. Dabei hätten vor allem die DIN-Normen eingehalten werden müssen. „Jedoch gibt es keine Norm für eine behindertengerechte Draisine, deshalb haben wir uns anhand von ähnlichen orientiert“, sagt Kohla. Schwierig sei beispielsweise der Neigungswinkel der Rampe oder die Normen der Sicherheitsgurte gewesen. Bis die Dekra die umgebaute Draisine abgenommen hat, benötigte es vier Versuche. Sogar eine eigene Prüfplakette befindet sich auf der Draisine. „Einmal jährlich werden die umgerüsteten Fahrzeuge einer vollständigen Prüfung unterzogen“, sagt Kohla.

Aber für Gerd Scholten war es den Aufwand wert. „Eine barrierefreie Draisine ist sehr wichtig, so können endlich auch behinderte Menschen damit fahren und Spaß haben“, so der Geschäftsführer. Und Sicherheit stehe an erster Stelle. Insgesamt hat Grenzland-Draisine drei bestehende Fahrzeuge umgerüstet. Es steht jeweils eine in Kleve, Kranenburg und Groesbeek. „Wir wollten, dass an jedem unserer Bahnhöfe mindestens eine Draisine verfügbar ist“, sagt Scholten.

Sollten die Geräte gut angenommen werden, sei auch denkbar, weitere Fahrzeuge umzurüsten. „Die Kosten dafür betragen etwa 1800 Euro“, so der Geschäftsführer. Und auch wenn das Projekt nicht anlaufen sollte, macht sich Scholten keine Sorgen. „Dann nimmt man die Rampe halt einfach ab und setzt die Sitzbank drauf. Dann ist es wieder eine normale Draisine. Das geht ganz schnell und einfach.“

(se)