Elten: Hilfsaktion für Mädchen im Libanon

Emmerich : Hilfe für Mädchen in Syrien

Die Firma Terracycle zahlt für jedes Kilogramm ausrangierter Stifte einen Euro – unter anderem für Flüchtlinge.

Leergeschriebene Kugelschreiber und ausgetrocknete Filzstifte wirft man eigentlich in den Müll. Doch nun gibt es eine Aktion, mit der man nicht nur die Plastikmüll-Menge vermindern, sondern auch noch etwas Gutes tun kann. Die Firma Terracycle zahlt für jedes Kilogramm ausrangierter Stifte einen Euro an das Deutsche Komitee des Ökumenischen Weltgebetstages der Frauen und unterstützt somit die Aktion „Stifte machen Mädchen stark“. „Das Geld ist für ein Projekt in einem Flüchtlingscamp im Libanon bestimmt, das 200 syrischen Mädchen Schulunterricht ermöglichen soll“, sagt die Hüthumerin Mechthild Evers, die gemeinsam mit der kfd die Aktion unterstützt.

Am Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen hörte sie zum ersten Mal davon. Dieser findet immer im März statt. Er existiert seit 1949 auf evangelischer Seite, 1965 schlossen sich die Katholiken an. Charakteristisch für den Tag sind ein von Frauen für Frauen gestalteter ökumenischer Wortgottesdienst und ein Treffen zum Kennenlernen, für Gespräche und zum Austausch. In diesem Rahmen wird auch immer ein Land vorgestellt, das Unterstützung braucht.

Seit Kriegsbeginn in Syrien sind über eine Million Menschen ins Nachbarland Libanon geflohen. Viele Kinder gehen seit Jahren nicht mehr zur Schule. Mit dem Ausbruch des Konflikts im Nachbarland änderte sich schlagartig alles im Libanon, dem kleinen Land am Mittelmeer, halb so groß wie Hessen. Zu den vier Millionen Einwohnern kamen innerhalb von vier Jahren über 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge hinzu. Unter ihnen sind 400.000 Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren, zwei Drittel davon haben seit Jahren kein Klassenzimmer mehr von innen gesehen. Das Projekt bringt für 200 Mädchen wieder Hoffnung.

Ein Team aus Lehrern und Psychologen war angesichts dieser Dramatik klar, dass den Familien mit der Verteilung von Nahrung, Kleidung und Medizin allein nicht geholfen ist. So stellte das Team innerhalb kürzester Zeit ein Programm auf die Beine, das knapp 200 Mädchen den Besuch von Schulunterricht und Lernen in ruhiger Umgebung ermöglicht. Die meist schwer traumatisierten Kinder erhalten außerdem sozialpädagogische und therapeutische Begleitung. Aber das alles kostet Geld.

„Als wir von der Aktion hörten, sagten wir gleich zu, diese zu unterstützen“, sagt Beate Verhey, Kassiererin der kfd. Mechthild Evers besorgte Kartons, die sie mit entsprechenden Aufklebern versah. Gemeinsam mit Pastoralreferentin Regina Museler wurden diese verteilt, unter anderem stehen die Sammelbehälter in Kirchen, Kindergärten und Schulen, in den Buchhandlungen „Leselust? Klar!“ und Ressing in Emmerich, in den Grundschulen Elten und Hüthum. Auch im Gymnasium und im Rathaus sollen noch Sammel-Kartons aufgestellt werden. „Die ersten 18 Kilogramm, gesammelt in drei Monaten, konnten wir schon verschicken. Insgesamt wurden bereits neun Tonnen für diese Aktion gesammelt“, freut sich Mechthild Evers.

Die Firma Terracycle zerlegt alle eingesammelten Stifte in ihre Einzelteile und trennt Plastik von den anderen Materialien. Das Plastik wird eingeschmolzen und zu Kügelchen verarbeitet, die als Rohstoff beispielsweise für Gartenmöbel und Gießkannen dienen. „Schon mit 450 Stiften, die einen Verkaufserlös von 4,50 Euro erzielen, kann das Schulmaterial für ein Mädchen finanziert werden“, sagt Mechthild Evers, die hofft, dass viele Emmericher beim Sammeln helfen. Noch bis mindestens Ende 2018 läuft die Aktion „Stifte machen Mädchen stark“.

 Gesammelt wird: Defekte und leere Kugelschreiber, Gelroller, Marker, Filzstifte, Druckbleistifte, Tipp-Ex-Fläschchen, Füllfederhalter, leere Füllerpatronen, auch Metallstifte und Eddings.

Das darf allerdings nicht in den Karton: Holzstifte, Klebestifte, Druckerpatronen, Radiergummis und Lineale.

(moha)
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