Emmerich: Ein Chamäleon macht das Rennen

Emmerich : Ein Chamäleon macht das Rennen

An zwei Tagen haben die Kinder der Rheinschule unter fachkundiger Anleitung Tiere aus Ton gefertigt. Bei der Abstimmung setzte sich schließlich der Verwandlungskünstler durch. Jetzt soll eine riesige Sitzskulptur entstehen.

Kunst und Demokratie - geht das zusammen? Es geht! Zu beobachten in der Rheinschule. Es war ein Lehrstück in Sachen Teamwork, Kreativität und Politik für rund 40 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren, die die städtische Grundschule besuchen, einige auch den Offenen Ganztag. An zwei Tagen hatten die Kinder unter der fachkundigen Anleitung von Nicole Peters aus Asperden in mehreren Gruppen gemeinsam Skulpturen aus Ton gefertigt.

Den Kindern wurde bei der Gestaltung zwar freie Hand gelassen, aber sie entschieden sich für tierische Motive. Nach der Vorauswahl aus rund 50 Minimodellen blieben noch sechs im Rennen. Auf dem großen Tisch tummelten sich unter den Augen der Jury Mäuse, Krokodil, Schnabeltier, Chamäleon, Delfin und Krake. Gestern schritten Kinder, Lehrer, Ogata-Mitarbeiter, Eltern und Bürgermeister Peter Hinze zur Abstimmung, welches Modell das Rennen macht und die Vorlage bildet für eine knapp fünf Meter lange und vier Meter breite Sitzskulptur, die in den Sommerferien auf dem Schulhof installiert wird.

Abgestimmt wurde in zwei Durchgängen. Da ging es fast so spannend zu wie bei der Vergabe von Olympischen Spielen oder bei der Papstwahl. Nur, dass am Ende kein weißer Rauch aufstieg und nicht geheim abgestimmt wurde. Die Jurymitglieder legten ihre weißen Zettelchen einfach zu ihrem Favoriten. Für einen politischen Routinier wie Bürgermeister Hinze war das eine leichte Übung. Er zeigte sich vom Engagement der Kinder beeindruckt: "Ein sehr schönes Ergebnis", meinte er und gestand, selbst künstlerisch nicht besonders begabt zu sein, aber mit seinem Stimmzettel fand er sich immerhin in der siegreichen Partei wieder. Auch Nicole Peters, die schon für viele Kinder Kunst zu einem Gemeinschaftserlebnis werden ließ, war voll des Lobes für die jungen Bildhauer: "Alle haben supertoll plastiziert."

Vor den beiden Wahlgängen hatten die Grundschüler ihr jeweiliges Gemeinschaftswerk vorgestellt. Die Aufregung ob des Andrangs im Raum war groß. Max pries das Schnabeltier an, weil es sich gut als Spielzeug und als Sitzgelegenheit eigne. Nun, das Schnabeltier schaffte es immerhin ins Finale, unterlag da aber klar dem Chamäleon mit elf zu 37 Stimmen.

Kaum, dass Jasmin das Ergebnis verkündet hatte, machten sich die Kinder mit vereinten Kräften daran, ein Chamäleon aus Styropor in Originalgröße zu bauen. Sie klebten, schnibbelten und überlegten sich auch schon einen geeigneten Standort auf dem Schulhof. In der ersten Sommerferienwoche wird das Chamäleon betoniert, und in der dritten Woche bekommt der leguanartige Verwandlungskünstler mit den Glubschaugen seine bunten Schuppen aus Fliesenmosaik verpasst.

Seit 14 Jahren arbeitet die Rheinschule immer mal wieder mit Künstlern zusammen. Schulleiterin Birgit van Driel hat schon einige der Miteinander-Sitzskulpturen von Nicole Peters gesehen und war sofort begeistert. Und: "Wir wollten schon länger etwas für unseren Schulhof bauen", meinte sie. Nun wird's also ein Chamäleon.

Aber auch die anderen Modelle sollen in der Schule einen Platz finden.

(nk)
Mehr von RP ONLINE