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Emmerich: Drogen-Oma: Freispruch überrascht

Emmerich : Drogen-Oma: Freispruch überrascht

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Eine 72-Jährige war gleich zweimal bei einer Drogenrazzia mit einer Cannabis-Aufzucht aufgefallen. Die Strafe für den ersten Fall ist verbüßt, im zweiten konnte das Gericht ihr die Tat nicht sich nachweisen. Deshalb wurde sie gestern freigesprochen.

Damit hatte wohl keiner gerechnet. Die als "Drogen-Oma" bekannt gewordene Reeserin wurde gestern vom Landgericht freigesprochen.

Wie mehrfach berichtet, hatten Drogenfahnder 2008 in der Mühle der 72-Jährigen an der B 8 eine Cannabisplantage entdeckt. Die Polizei hatte bei einer Hausdurchsuchung rund 1000 Cannabis-Pflanzen und modernste Technik zur Aufzucht sicher gestellt. Dafür war sie rechtskräftig verurteilt worden, fiel aber erneut auf: Am 5. Februar 2010 kam es zu einer erneuten Durchsuchung der Mühle.

Die alte Dame war im Zuge eines anderen Falles ins Visier der Fahnder geraten. In Münster war ein junger Mann festgenommen worden, bei dem sich auch Unterlagen über den Kauf der Reeser Mühle fanden. Der Mann betrieb in den Niederlanden ein Geschäft mit Zubehör zum Anbau von Cannabis-Pflanzen (Grow-Shop). Eben vor diesem Laden hatten Zeugen auch die "Drogen-Oma" gesehen. Da wurden die Beamten hellhörig und sahen sich das Mühlen-Gelände in Rees noch einmal genau an.

Die Polizei fand Reste von Cannabis-Pflanzen sowie sechs Heizlampen, die für den Anbau verwendet werden. Die Beamten vermuteten, die 72-Jährige hätte versucht, alle Spuren zu beseitigen, nachdem sie von der Verhaftung ihres Bekannten gehört hatte. Nach dem Vorfall war die Seniorin erneut verurteilt worden und befand sich inzwischen im Offenen Vollzug. Gegen das Urteil legte sie Berufung ein. Die wurde jetzt vor dem Landgericht Kleve verhandelt.

Sie sei unschuldig, gab sie an. Die Zollbeamten hätten die Lampen bei der ersten Durchsuchung übersehen, da sie unter Isoliermaterial verborgen gewesen waren: "Ich selbst habe sie nur durch Zufall entdeckt und wusste gar nicht, dass die dort noch liegen."

Von Cannabis-Pflanzen will sich gar nichts gewusst haben: "Die Pflanzenreste sind mir untergeschoben worden", sagte sie und hatte sogar einen Täter in Verdacht. Nämlich einen Niederländer, der auch schon für die erste Plantage verantwortlich gewesen sei: "Wenn ich probiert hätte, solche Spuren zu beseitigen, hätte ich das sehr viel sorgfältiger gemacht." Sie lasse das Grundstück grundsätzlich offen, jeder könne also auf das Gelände. In der Mühle schlafe sie zeitweise, sie habe die Räume auch einem Tierschutzverein zur Verfügung gestellt.

Die zur Befragung geladenen Beamten konnten nicht absolut sicher bestätigen, dass der Raum für den Anbau von Pflanzen verwendet wurde. Die Pflanzenreste konnten aber eindeutig als frisch eingestuft werden.

Der Vorsitzende Richter Peter Schöttler sprach die Angeklagte schließlich frei, da ihr nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnte, dass die Mühle erneut für eine Cannabis-Zucht verwendet hatte. Er betonte jedoch, dass er nicht davon überzeugt sei, sie hätte nichts mit der Angelegenheit zu tun: "Es gilt aber in solchen Fällen: Im Zweifel für den Angeklagten."

(RP/rl)