Die Wut der Emmericher über Leiharbeiter-Wohnungen nimmt zu

Redebedarf bei der Hauptausschusssitzung : Die Wut über Leiharbeiter-Wohnungen nimmt zu

Bei der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses machten viele Bürger ihrem Ärger zum Thema Wanderarbeiter-Wohnungen Luft. Große Missstände gebe es an der Bredenbachstraße.

Viel Redebedarf hatten Bürger am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss. In der Einwohnerfragestunde meldeten sich mehrere Emmericher zu Wort, die mit der Situation um die Leiharbeiter-Wohnungen sehr unzufrieden sind.

Politik und Verwaltung waren sich einig: Bei Verstößen gegen geltendes Recht lautet die Maxime: null Toleranz. Aber die Verwaltung müsse sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegen: „Wir greifen zum Teil in Persönlichkeitsrechte ein. Deshalb müssen wir gerichtsfest argumentieren“, schilderte Karin Schlitt, Ordnungsamtsleiterin.

CDU-Fraktionschef Matthias Reintjes unterstrich: „Wir müssen den Bürgern klarer machen, dass wir uns bemühen.“ Die Parteien sollen ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten einbinden.

Und was sagten die Bürger? Heinz-Günter Kantehm, der mehrere Immobilien vermietet, ärgert sich über die Zustände in den Nachbarschaften dieser Wohnhäuser. Wie es sein könne, dass die Geschäfte auf der Steinstraße Glasflaschen ohne Pfand verkauften und er dann täglich kaputte Flaschen wegräumen müsse: „Ich sehe nicht ein, dass ich die Putzfrau von Emmerich bin.“ Bürgermeister Peter Hinze versprach, sich der Frage der Glasflaschen zu widmen.

Auch der angedachte, aber inzwischen stillgelegte Ausbau am Geistmarkt, Restaurant Montenegro, zu einer großen Leiharbeiter-Unterkunft, wunderte Kantehm. Seine Mieter am Geistmarkt und an der Kurzen Straße hätten dort schon Grillfeten auf dem Flachdach im Innenhof beobachtet. Ob hier denn unterschiedliche Gesetze gelten? Hinze erklärte: „Eine Nutzungsänderung gibt es bisher nicht. Wir werden uns das engmaschig angucken.“ Mehrfach deuteten Bürger an, dass es Umbaumaßnahmen ohne rote Punkte, die auf genehmigte Baumaßnahmen hinweisen, gebe. „Wir brauchen diese Hinweise. Wir erfahren vieles aus der Zeitung“, so Hinze.

Große Missstände prangerte Heidi Theissen an der Bredenbachstraße an: „Da wird mit Holzresten und Kadavern gegrillt. Es gibt Rattenplagen. Es fliegen Möbel aus den Fenstern. Nicht verkehrstüchtige Fahrzeuge verlieren Öl. Die Leute drohen damit, Haustiere zu vergiften. Wie können wir uns schützen?“, fragte sie. Hinze: „Rufen Sie uns an. Bei Rattenplagen werden Sie nicht allein gelassen.“

Maik Haupstein, der mit seinem Ratsantrag im Bezug auf die Eltener Straße 422 den Stein ins Rollen brachte, widersprach der Darstellung, wonach außer ihm sich keiner über die Zustände dort beschwert hätte. Er nannte konkret vier Nachbarn und den VdK, die sich sehr wohl beschwert hätten.

Übrigens muss die Stadt die Begehungen solcher Immobilien vorher ankündigen. Das habe Hauptstein beobachten können: „Bevor es eine Begehung gibt, wird drei Tage geputzt und aufgeräumt.“ Nach der Begehung sei alles wie vorher.

Hauptstein beschwerte sich, dass sein Haus praktisch nicht mehr zu verkaufen sei. Schlussendlich bleibt vielen Nachbarn nur der privatrechtliche Weg zum Anwalt. „Das ist leider so“, räumte Hinze ein. Es sei ein gesellschaftliches Problem.

Sowohl Bürger als auch Politiker unterstrichen auch, dass der unwürdige Umgang mit den Leiharbeitern ihnen ein Dorn im Auge sei. „Die Menschen werden ausgebeutet“, sagte etwa Kantehm. Gerhard Gertsen (CDU) richtete sich an die Vermieter der Leiharbeiter, die Uitzendbureaus: „Schämt euch, dass ihr Menschen so unterbringt und so leben lasst!“

(mavi)
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