Isselburg: Die "Stromautobahn" geht an den Start

Isselburg : Die "Stromautobahn" geht an den Start

Nach Ostern beginnt der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion mit dem Neubau der Leitungsverbindung zwischen Wesel und Meppen in Raesfeld im Kreis Borken. Bei diesem Pilotprojekt werden auch Erdkabel verlegt.

Amprion drückt jetzt aufs Tempo: Der Übertragungsnetzbetreiber startet bereits am kommenden Dienstag im Bereich Raesfeld mit dem Rückbau der alten 220-kV-Leitung in deren Trasse die neue 380-kV-Leitung errichtet wird. Die Demontage der Masten wird rund drei Monate dauern.

Dazu werden zunächst auf nicht befestigten landwirtschaftlichen Flächen temporäre Baustraßen ausgelegt, um auf dem elf Kilometer langen Abschnitt die 47 alten Strommasten zu demontieren und danach vor Ort zu zerlegen. Gleichzei-tig beginnen die Gründungsarbeiten für die insgesamt 19 380-kV-Masten, die auf einer Länge von 7,4 Kilometern neu errichtet werden. Ab Juni werden dann die ersten neuen Masten vor Ort montiert. Anschließend werden die Seilzugar-beiten durchgeführt. Die Baumaßnahmen für die Freileitung vom Punkt Bredenwinkel (Grenze Kreis Wesel) bis zum Punkt Borken Süd wird bis Mitte 2015 beendet sein.

Das Besondere an diesem Amprion-Bauprojekt ist, dass neben der Freileitung die höchste Spannungsebene von 380 000 Volt als Drehstromkabel über eine Länge von 3,4 Kilometern in die Erde gelegt wird. Die Bauarbeiten für das deutschlandweite Pilotprojekt Erdkabel werden im Juni mit Tiefbaumaßnahmen für den Rohrleitungsbau beginnen. Ziel ist es, die Leerrohre auf der Kabeltrasse bis Ende September in der Erde liegen zu haben, so dass im Oktober mit dem Kabelzug der rund 55 Tonnen schweren Erdkabel sowie der Montage der Verbindungsstücke und Endverschlüsse begonnen werden kann.

Am Anfang und Ende der Erdkabelverbindung werden so genannte Kabelübergabestationen (KÜS) errichtet, um die Freileitung von den Masten auf die Kabel zu überführen und am Ende der Erdverkabelung wieder umgekehrt zurück auf die Maste. Der Anlagenbau beginnt bei Löchte im Juni. Der Baubeginn in Diestegge folgt einen Monat.

Die Kosten für diesen Bauabschnitt der Leitung Wesel-Meppen betragen knapp 40 Millionen Euro. Davon entfallen 10 Millionen auf den Freileitungsteil und rund 30 Millionen auf den Bau des Erdkabels. Die neue Trasse wird später auch über Haldern und Millingen nach Isselburg und dann weiter Richtung Niederlande führen. Der Bau der neuen "Stromautobahn" ist nicht unumstritten. Gegner der überirdischen Hochspannungsleitung wie die Bürgerinitiative "Isselburg21" befürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Magnetfelder und elektrisch geladenen Feinstaub, Lärmbelästigung, den hohen Flächenverbrauch, Verschandelung der Landschaft und Wertverlust von Häusern und Grundstücken.

(RP)
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