Emmerich: Die Krätze breitet sich aus: Im Kreis Kleve steigt die Zahl

Emmerich : Die Krätze breitet sich aus: Im Kreis Kleve steigt die Zahl

Das Gesundheitsamt, Fachärzte und Apotheker verzeichnen im Kreis Kleve einen Anstieg von Krätze-Fällen. Und dies wird durch aktuelle Zahlen bestätigt. Gab es vor zwei Jahren im gesamten Kreis 26 bekannte Krätze-Fälle, stieg diese Zahl 2016 um 75 Prozent auf 45 Fälle an. Diese Entwicklung setzte sich auch in 2017 fort, bis Ende November wurden schon 62 Fälle von Skabies, so der medizinische Ausdruck, gemeldet.

Da Krätze aber nur für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen tätig oder untergebracht sind, meldepflichtig ist, dürfte die Dunkelziffer noch einmal höher sein, erklärt eine Pressesprecherin des Kreises. Entsprechend zurückhaltend sind die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes auch bei der Bewertung der Zahlen. Und sie warnen: "Man darf davon ausgehen, dass nicht alle betroffenen Kinder oder Erwachsenen in Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet werden."

Dass es vermehrt zu Skabies-Erkrankungen kam, kann Ulrich Schlotmann, Apotheken-Sprecher im Kreis Kleve, bestätigen. Das ging soweit, dass die Medikamente knapp wurden. Behauptungen, wonach der Vormarsch der Erkrankung durch Flüchtlinge übertragen würde, kann er nicht bestätigen: "Ich kann das nicht zuordnen."

Es sei auch ein Irrtum, die Krankheit würde vor allem wegen mangelnder Hygiene übertragen. Diese Erfahrungen teilen auch die Flüchtlingshelfer in Emmerich und Kleve. "Bei uns ist mir kein Fall bekannt", erklärt unter anderem Thomas Ruffmann, stellvertretender Vorsitzender des Hauses Mifgash.

Als Krätze wird der Befall mit Skabiesmilben, die auf der Haut leben oder sich darin einnisten und starken Juckreiz auslösen, bezeichnet. Die Milben werden durch längeren Hautkontakt übertragen, die Krankheit ist also ansteckend, beim bloßen Händeschütteln werden die Milben nicht weitergegeben. Die ersten Symptome nach einem Befall treten erst nach zwei bis fünf Wochen auf.

Bemerkbar macht sich der Befall mit Ausschlägen, mit Bläschen und Krusten und starkem Juckreiz, die durch eine allergische Reaktion ausgelöst werden.

Die Milben bevorzugen Hautbereiche mit hoher Temperatur und dünner oberer Hornschicht, häufig sind die Falten zwischen Fingern und Zehen befallen.

(ve)
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