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Die Bullemänner im Bürgerhaus Rees

Westfälisch-deftiger Comedy-Abend im Bürgerhaus in Rees : Bullemänner empfehlen: Gehen Sie laut singend nach Hause!

Gemeinhin kommen Komiker und Kabarettisten aus Köln, Berlin oder anderen Ballungszentren und kokettieren im Reeser Bürgerhaus mit der vermeintlichen Provinzialität ihres Gastspielortes. Nicht so die Bullemänner.

Die stammen aus jener Münsterländer Senke, die von Geologen auch als „Geländedepression“ bezeichnet wird und in der selbst ausgelassene Familienfeiern den kecken Charme einer Beerdigung versprühen.

Als Augustin Upmann und Heinz Weißenberg dann noch vom Publikum erfuhren, dass Rees derzeit keinen nennenswerten Ärztemangel hat und viele Mediziner sogar unter 80 sind, wuchs ihr Respekt vor der ältesten Stadt am Unteren Niederrhein gewaltig.

Das Programm „Muffensausen“ erwies sich als bunter Mix aus Kabarett und Quatsch, aus etwas Weltpolitik und viel Lokalkolorit, vorgetragen mit westfälisch drögem Zungenschlag, rammdösigen Grimassen und schmissigen Musiknummern.

Wie schon bei ihrem Reeser Debüt im Dezember 2016 hatten Heinz Weißenberg, Augustin Upmann und die ukrainische „Tasten-Fachkraft“ Svetlana Svoroba wieder ihre Hausaufgaben gemacht und bauten in das münsterländisch dominierte Programm so manche Bezüge zum Kreis Kleve ein. Kalkar und Uedem wurden eher zufällig zu Zielscheiben des Humors, weil Besucher aus beiden Städten in der ersten Reihe des Bürgerhauses saßen. Doch auch die Nibelungen-Sage rund um den Xantener Siegfried wurde mit Socken und Schlüpfern interpretiert, während am Beispiel des Airport Weeze die Folgen des Brexit für künftige James-Bond-Filme erläutert wurden: „Dann hängt 007 zwei Stunden in Weeze in der Passkontrolle fest.“
 Auch das 14. Bühnenprogramm der Bullemänner folgte keinem roten Faden, sondern war ein westfälischer Eintopf. Deftig, aber lecker. Die Themen reichten von A wie AfD bis Z wie Zölibat, dazwischen blieb Platz für das deutsche Pfandsystem, für autonome Autos („Was passiert, wenn künstliche Intelligenz auf natürliche Dummheit trifft?“) und für den neuentflammten Heimatbegriff („Heimat ist da, wo die Rechnungen ankommen“).

Nicht umsonst erhielt „Muffensausen“ unlängst in Warendorf das höchste Lob, das ein Westfale aussprechen kann: „Da sagte einer beim Verlassen des Saals: Ich musste lachen!“ Nach zwei Stunden und zwei Zugaben hieß es dann auch in Rees endgültig: „Ab na’ Bett!“ Die Zuschauer erhielten als Abschiedsgeschenk die Empfehlung, in Gruppen und laut singend nach Hause zu gehen. Schließlich ist es ja kein Geheimnis mehr, dass der Wolf an den Niederrhein zurückgekehrt ist.

 Sven Pistor tritt am Donnerstag, 26. März, mit „Vollpfosten: Reloaded!“ auf. Es folgt Basta mit „In Farbe“ am  Freitag, 15. Mai. Für Wilfried Schmickler gibt es am Samstag, 3. Oktober, „Kein Zurück“. Stefan Verhasselt ist am Freitag, 13. November, mit „Zwischen den Zeilen“ zu Gast. Das Kulturjahr endet am Mittwoch, 16. Dezember, mit Herbert Knebels Soloprogramm „Im Liegen geht’s!“