Die Bands des Haldern-Pop-Festivals

Haldern Countdown: Grüße aus der Metaphernhölle

Am 9. August  beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der Bands, die dort auftreten, bereits angehört. Hier sein Urteil:

Infidelix - Bagstaggers

Rap ist Musik von der Straße, aber warum gibt es so wenige Straßenrapper? Der Erfolg von HipHop-Stars wie Kanye West oder Jay-Z hat dem Genre den subversiven Charakter entzogen. Musiker wie der Texaner Bryan Roedecker holen den Rap zurück auf die Straße. Er treibt sich als Infidelix an der freien Luft herum, rappt auf der Straße, unter Bahnbrücken, die Konzerte werden spontan angekündigt. Musikalisch ist das eine sehr reduzierte, melodiöse Art von HipHop, wie die ersten Singles verraten. „Bagstaggers“ jedenfalls macht neugierig auf diesen Typen.

Klingt nach: Saul Williams

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Punkte: 3,5/5

Philipp Poisel - Mein Amerika

Man versteht schon, warum Typen wie der Ludwigsburger Songwriter Philipp Poisel bei den Indiefetischisten dieser Republik nicht gemocht werden. Der Nuschelwuschelkopfpop des Poisel schielt so unverschämt offensiv auf das große Publikum, er umarmt die ganze Klientel, vom Sparkassenangestellten bis zur Gesamtschulllehrerin. Die Melodien sind halt gut, die Instrumentierung auf „Mein Amerika“ ist clever, und textlich ist das nicht selten das ganz große Herzkino. Kurzum: Natürlich hat Philipp Poisel wie kaum ein zweiter Songwriter im Land das Potenzial, der neue Grönemeyer zu werden. Jener Grönemeyer war es, der Poisel 2007 hörte, sich begeistern ließ, der ihn dann für sein Label „Grönland“ unter Vertrag nahm. Sechs Jahre ließ sich Poisel Zeit für die Albumveröffentlichung von „Mein Amerika“. Er reiste dafür nach Nashville, die Heimat des Countryrock. Im Ergebnis wirken die Songs viel breiter, viel voluminöser. Stadionpop! Befremdlich wirken hier nur die oft intimen, manchmal auch arg banalen Lyrics. Textlich ist das manchmal die Metaphernhölle. Aber auch das ist ja eine Grundqualifikation, die man vorweisen muss, wenn man der neue Grönemeyer werden will.

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Klingt nach: Herbert Grönemeyer, Ed Sheeran

Punkte: 4,5/5

Sleaford Mods - English Tapas

  • Mönchengladbach : Poisel macht auf U2 und Grönemeyer

Lo-Fi-Drums, ein hämmernder Bass und jede Menge Flüche: Viel mehr braucht es für die Musik des britischen Duos Sleaford Mods nicht. Sänger Jason Williamson und Multiinstrumentalist Andrew Robert Lindsay Fearn kreieren damit einen zornigen Rap-Punk mit reichlich Idiom. Drei, vier Songs lang kann man diese musikalische Idee reizvoll finden. Spätestens nach dem fünften Song aber stellt sich auf „English Tapas“ eine gewisse Langweile ein.

Klingt nach: The Streets

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Punkte: 2,5/5

Deerhoof - Mountain Moves

Die amerikanische Band Deerhoof liefert auch mit ihrem 14. Album den Gegenentwurf zum Stadionrock, ihr nicht selten in Noiserock ausufernder Indiesound ist in höchstem Maße sperrig. Daran vermag auch nichts die Tatsache zu verändern, dass sich das seit Mitte der Neunziger bestehende Quartett diesmal zahlreiche Gastmusiker eingeladen hat. Stimmlich prägend für diese Band ist immer noch die japanische Sängerin Satomi Matsuzaki. Die singt nicht schön, aber schräg. Die Songs klingen manchmal wie etwas, was die Experimentalmusiker Flaming Lips aussortiert haben, weil es zu verschroben ist: Und das sagt ja schon einiges über den Deerhoof-Sound.

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Klingt wie: Flaming Lips

Punkte:2/5