Die allerallerallerletzte Chance für Josef Schoofs in Emmerich

Unsere Woche : Die allerallerallerletzte Chance für Josef Schoofs

Schlagen wir im Duden nach und erkunden das Wort Frustration. Da heißt es: „[Erlebnis einer] Enttäuschung und [vermeintlichen] Zurücksetzung durch erzwungenen Verzicht oder versagte Befriedigung:“

Vielleicht könnte die Duden-Redaktion die Definition erweitern: „Frustration (Substantiv), jmd. frustrieren (Verb). Synonym, niederrheinisch: Schoofs-tration, die o. dat (Substantiv), jmd. schoofs-trieren (Verb).“

Sie sehen: Wir sind wieder beim Emmericher Galgenhumor angelangt. Die Baustelle am Neumarkt ist verwaist, der Bagger weg, das Tor geschlossen.

Am Dienstag kommt Josef Schoofs nach Emmerich und wird den Kommunalpolitikern im Rathaus erklären müssen, warum das so ist. Zwei Fragen sind dabei von besonderer Bedeutung:

Welchen Grund gibt es, dass der Generalunternehmer von seinem Vertrag mit Josef Schoofs zurückgetreten ist? Die Firma aus Nordhorn behauptet, Schoofs habe finanzielle Verpflichtungen nicht eingehalten, Sicherheiten nicht hinterlegt. Schoofs wird vermutlich die Schuldzuweisung umkehren.

Frage zwei: Ist das Projekt tatsächlich in trockenen Tüchern, wo ist der Vertrag mit einem Ankermieter?

Diese Fragen sind von erschreckend grundsätzlicher Natur.

Josef Schoofs wird in Emmerich mehr als nur beschwichtigende Worte finden müssen.

Im Jahr 2011 hat die Schoofs-­Gruppe das Rennen um den Neumarkt gemacht. Und bis auf ein Loch im Boden ist bisher nichts sichtbares geschehen. Schlimm für die Stadt. Und schlimmer noch: Das Loch gehört Josef Schoofs. Er hat den wichtigsten Trumpf in der Hand.

Immerhin: Wenn es zu weiteren Verzögerungen kommt, könnte er sich eines Vertragsbruchs schuldig machen, denn er hat sich gegenüber der Stadt einer Fertigstellungsfrist unterworfen.

Das ist der einzige Hebel, den die Stadt hat, um den Kauf des Grundstücks rückabzuwickeln.

Aber würde die Politik das tun? Oder wird sie dem Investor noch eine Chance geben?

Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass Experten das Platzieren im Markt eines solchen Projektes, das eine Mischung aus Gewerbe/Handel und Wohnen darstellt, äußert schwierig nennen.

Aber genau das ist das Geschäft von Schoofs. Und sein Risiko. Er baut Märkte, sorgt für deren langfristige Vermietung und verkauft sie dann. Ohne die Gewissheit von Gewinn wird ihm keine Bank Geld für den Neumarkt geben.

Muss Josef Schoofs also in Emmerich aufgeben?

Diesen Eindruck vermittelt er nicht. Zumal sich in diesen Tagen sogar Rewe erneut um den Neumarkt beworben hat. Er kann also zwischen Edeka und Rewe wählen, die beide für gute Mieteinnahmen stehen und die in der Folge mit Josef Schoofs auch einen großen Markt an der Kaserne bauen wollen. Was im übrigen das eigentlich Reizvolle für die Discounter ist. Der Neumarkt ist die Pflicht, ohne die sie die Kür an der Kaserne nicht bekommen.

Halten wir fest: Dienstag muss Josef Schoofs im Rathaus liefern. Keine Ausflüchte, keine Schuldzuweisungen. Stattdessen muss ein Mietvertrag auf dem Tisch liegen.

Ansonsten heißt es wohl auf gut niederrheinisch: „Tschüss, Jupp!“

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